Marina Abramovi? – die große europäische Retrospektive in der Bundeskunsthalle in Bonn

Marina Abramovi? ist eine der meist diskutierten Künstlerinnen unserer Zeit. 1946 in Belgrad, Jugoslawien geboren, startete sie ihre Karriere nach einem Studium an der Academy of Fine Arts im Belgrad der 1970er Jahre in Jugoslawien. Dabei stellte sie vor allen Dingen eine Vorreiterin der Performancekunst dar und tut dies bis heute.

 

Marina Abramovi? ist eine der meist diskutierten Künstlerinnen unserer Zeit. 1946 in Belgrad, Jugoslawien geboren, startete sie ihre Karriere nach einem Studium an der Academy of Fine Arts im Belgrad der 1970er Jahre in Jugoslawien.

Dabei stellte sie vor allen Dingen eine Vorreiterin der Performancekunst dar und tut dies bis heute. Ein Hauptaugenmerk ihrer Arbeit lag und liegt unterdessen immer auf dem Körper als Medium, mit dem sie sich auseinandersetzt und das sie ebenso als Projektionsfläche für ihre Performances nutzt. Bei alledem geht es immer darum die physischen und psychischen Grenzen des Körpers zu erforschen, wahrzunehmen und auszudehnen bzw. zu überschreiten. So sind Schmerz, Erschöpfung und auch Gefahr Zustände, die sie für ihre Inszenierungen nutzt, um eine emotionale sowie spirituelle Transformation ihrer selbst und des Beschauers zu erreichen.

 

Es ist ihr ein Anliegen in ihren Arbeiten Tätigkeiten des alltäglichen Lebens, wie liegen, sitzen, träumen oder auch denken einen rituellen Charakter zu verleihen, um damit bestimmte mentale Zustände, die uns alltäglich begegnen und dadurch aber auch eine gewisse Flüchtigkeit inne haben, festzuhalten. Neben anderen großen Performancekünstlern ihrer Generation wie Bruce Nauman, Vito Acconci und Chris Burden ist sie eine der Ersten, die sich dieser Sparte der Bildenden Kunst zuwandte und ist eine der Wenigen, die nach wie vor bedeutende gegenwärtige Arbeiten fertigt.

 

Bis zum 12. August hat man jetzt die Chance das Werk der Künstlerin in der großen europäischen Retrospektive in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Ihr Werk wird hier in einer facettenreichen Bandbreite präsentiert. Der Fokus liegt auf der persönlichen Erfahrung und auch Verantwortung des Individuums. Sie thematisiert Erinnerung, Schmerz, Verlust, Ausdauer und Vertrauen. Das Zusammenspiel des Betrachters und der Performancekünstler soll dabei in den Mittelpunkt gerückt werden, da nach Abramovi? eine kraftvolle Performance jeden im Raum transformiere. Der Betrachter wird von Abramovi? generell stark in den Mittelpunkt gerückt. Durch geschickte Gestaltung und Positionierung der Performances und ihrer Akteure, ist er stets Teil des Geschehens, kann sich dem, was passiert nur schwer entziehen.

 


Auch die bewusste (Zeit-)Erfahrung und die Umgangsweise mit dem eigenen Körper werden in vielen Werken stark thematisiert und bilden einen roten Faden durch die Ausstellung. Ein passendes Beispiel hierfür ist eins von Abramovi?s bekanntesten Werken, das House with the Ocean View von 2002. In der Sean Kelly Gallery in New York zog die Künstlerin für zwölf Tage und Nächte in drei schwebende, miteinander verbundene Räume ein. Während ihrer täglichen Routine, zu der weder Essen noch Reden gehörte, konnten die Besucher ihr beim Schlafen, Duschen oder der Benutzung der Toilette zusehen. Drei Leitern, deren Sprossen aus Tranchiermessern mit nach oben weisenden Klingen bestanden, trennten die Künstlerin von den Besuchern.

 

Hieran wird deutlich, dass Marina Abramovi? grundlegende Existenzfragen anspricht. Sie berührt den Betrachter damit auf direkte Weise und lockt ihn aus seiner Komfortzone heraus.


Definitiv handelt es sich hier also um eine Attraktion, die Eindruck hinterlässt und die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Informationen

  • Text: Marlene Meissner
  • Foto: Marlene Meissner
  • Datum: 08. Mai 2018
  • Kategorie: