Der Bonner Weihnachtsmarkt feiert Jubiläum

Es ist November, draußen wird es immer frostiger, auch wenn der Sommer sich noch lange in Mitteleuropa festgebissen hat. Halloween ist vorüber und langsam aber sicher weichen die Kürbisköpfe und Gruselartikel aus den Geschäften um Lebkuchen und Christbaumschmuck Platz zu machen.

 Auch wenn sich sicherlich darüber streiten lässt ob man so früh schon Weihnachtsstimmung verbreiten muss, so wird doch bald jeder merken dass die Stadt sich auf den Weihnachtsmann vorbereitet. Spätestens wenn der Geruch von Zimtgebäck und Glühwein in der Luft liegt, weiß jeder, der Weihnachtsmarkt ist wieder in der Stadt.

In Bonn feiert der Markt in diesem Jahr sogar ein großes Jubiläum: Ganze 50 Jahre alt wird er. Von 23.  November bis zum 23. Dezember können die Bonner zwischen den Buden der über 180 Händler auf den Plätzen der Bonner Innenstadt herum schlendern und sich kulinarisch verwöhnen lassen oder nach Geschenken für die Liebsten stöbern. Anlässlich des Jubiläums hat der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr sogar etwas ganz besonderes zu bieten: der Aussichtsturm „City Skyliner“. Das Fahrgeschäft ist 81 Meter hoch und bis zu 60 Personen barrierefrei einen 360° Ausblick über das rege Treiben in der Bonner Innenstadt geben. Der weihnachtlich dekorierte Turm wird auf dem Remigiusplatz stehen und die Bonner Skyline in dieser Zeit ordentlich verändern.

Aber wo kommt die Tradition des Weihnachtsmarktes eigentlich her? Es gibt historische Erwähnungen von Märkten dieser Art, schon aus dem frühen 15. Jahrhundert und betreffen den Dresdener Striezelmarkt. Noch älter ist sogar der Münchener Weihnachtsmarkt, der 1310 erstmals in Aufzeichnungen aufgetaucht ist. Zunächst waren sie als Verkaufsgelegenheit für Künstler und Handwerker wie Korbflechter oder Spielzeugmacher gedacht, doch stand auch immer das leibliche Wohl der Besucher im Vordergrund, wofür zum Beispiel Zuckerbäcker sorgten. Auch Süßigkeiten fanden bald ihren Platz auf den Märkten.

So hat sich die Tradition der Weihnachtsmärkte langsam aber Sicher im gesamten deutschen Raum verbreitet und wurde durch andere kulturelle Einflüsse, wie zum Beispiel den Krippen aus Italien, immer mehr bereichert.

Heute sind Weihnachtsmärkte ernst zu nehmende Wirtschaftsfaktoren für die Städte, denn sie wurden immer größer und länger und bieten mittlerweile einen Verkaufsraum für Händler aller Art.

Laut einer Statistik aus dem Jahr 2015 ist Deutschland im internationalen Vergleich sogar mit 270 Millionen Besuchern auf 34 größeren und 2200 kleineren Weihnachtsmärkten absoluter Spitzenreiter. Der größte Deutsche Weihnachtsmarkt, am Kölner Dom, zählt im selben Jahr um die 6 Millionen Besucher. Frankreich, Österreich und die Schweiz bringen es zusammen nicht einmal auf die Hälfte dieser Besucherzahlen.

Aber natürlich haben Weihnachtsmärkte auch ihre Schattenseiten. Immer die gleichen vermeintlichen „Handwerksstände“, die zufällig alle das exakt selbe Sortiment haben, lieblose Massenabfertigungs-Essensstände und überteuerter Glühwein. Da bleibt nicht mehr viel Weihnachtszauber übrig. Und obendrein: Hat man mal, sei es wegen Job oder einfach weil man grade nicht in der Stimmung ist, gerade keine Zeit und Lust darauf, dann hat man viel Spaß dabei, sich durch den Verkehr und die, in Weihnachtsmützen und Rentier-Haarreife gekleideten, Menschenmassen zu kämpfen.

Nun ja, ich persönlich bin ja auch kein großer Fan von kommerzialisierten Möchtegern-Traditionsveranstaltungen. Aber wenn ich mal wieder in der Adventszeit auf dem Weg irgendwohin bin und über den Weihnachtsmarkt schlendere, erwische ich mich selbst jedes Jahr wieder dabei, dass ich die Atmosphäre und die Sinneseindrücke genieße. Denn auch wenn es jedes Jahr genau gleich ist und man dreimal an verschiedenen Händlern vorbeiläuft, die alle den selben Olivenholzlöffel verkaufen, so ist es doch auf eine seltsame Art und Weise gemütlich und irgendwie gehört es doch auch dazu, in der Adventszeit mit Familie oder Freunden einen gemütlichen Glühwein an der Lieblingsbude zu schlürfen.

Informationen

  • Text: Dennis Lonsdorfer
  • Foto: Anna Lozano
  • Datum: 21. November 2018
  • Kategorie: Stadt