Worst of Chefkoch im Haus der Springmaus

Auf Seiten "Chefkoch.de" oder "kochbar.de" kann man nach Belieben Rezepte einstellen. Das dabei nicht immer kulinarische Hochgenüße zu stande kommen, sollte bekannt sein. Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein haben diesen Fakt genutzt und mit "Worst of Chefkoch" den erfolgreichsten Foodblog 2017 erschaffen. Aktuell sind die beiden Autoren des Bloggs auf Lesetour und haben am 13. März auch im Haus der Springmaus vorbeigeschaut.

"Worst of Chefkoch" wurde mir vor ein paar Monaten von einem Freund empfohlen. Es würde "voll meinen Humor treffen", sagte er mir damals. Ich scrollte mit meinem Handy durch den Feed eines Tumblr-Blogs. Die Hintergrundfarbe erinnert an Kartoffelsuppe aus der Dose die zu lange in der Sonne stand. Als Profilbild thronte ganz oben der sogenannte Obst-Pfau. Eine Birne die, mehr schlecht als recht, mit anderen Obstsorten geschmückt wurde und entfernt einem Pfau ähnelte. Dieser Blog bestand aus den schlechtesten Rezepten, die das moderne Internet zu bieten hat. Wenn Johann Lafer schon tot wäre, er würde sich im Grab umdrehen. Ich sah meinen Freund lange an und sagte ihm: "Das ist so bescheuert, dumm und ekelhaft, dass es schon wieder geil ist".

Inzwischen bin ich ein großer Fan des Blogs und habe mich dementsprechend auch riesig gefreut, als ich auf Facebook gesehen habe, dass Lukas und Jonathan mit ihrer Show nach Bonn ins Haus der Springmaus kommen.

 Nun sitze ich also hier. Obwohl ich schon lange in Bonn wohne und in der näheren Umgebung aufgewachsen bin, war ich noch nie im Haus der Springmaus. Alles, was ich wusste war, dass es, glaube ich, von Erich Schiller gegründet wurde. Hat der bestimmt vor seinem Job im Reisebüro gemacht.

Was mir auffällt: Die Getränke und das Essen sind sehr teuer. Es gibt zum Beispiel einen Schinkenteller für 8,90€, einen Käseteller für 9,90€, einen Schinken-Käseteller für 9,40€ und Farfalle mit Lachs und Weißweinsoße für 11,20€. Merkt ihr selber, oder?

Der Saal ist inzwischen gut gefüllt und nur noch ein paar einzelne Plätze sind leer. Auf der Bühne steht auf der linken Seite ein Tisch mit allerlei Zutaten. Nutella, Tomaten, Wodka, Toastbrot, Rum und vieles mehr. Rechts steht ein Mini-Backofen. In der Mitte steht ein Tisch mit einer Arbeitsplatte, einem Macbook, zwei Mikrofonständer und mehrere gestapelte Teller, Gläser und Besteck. Ich ahne schlimmes...

Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein haben sich schon vor der Gründung ihres Blogs schlimme Online Rezepte hin und her geschickt. 2017 kam ihnen in einem Freiburger Biergarten dann die Idee ihren Blog zu erstellen. Eine Woche später hatten die beiden Studenten mehr als 10000 Likes.

 

"Es wurden in Ketchup getränkte Fleischwürste gefunden."

 

Eben diese Lukas Diestel & Jonathan Löffelbein betreten um kurz nach 20 Uhr die Bühne. "Jedes Menü fängt mit einem alkoholischen Getränk an und endet auch mit einem", erklären sie dem Publikum. "Zwischendurch werden wir euch immer wieder ungefragt Gedichte vorlesen. Eigentlich ein schrecklicher Abend", kommentiert Löffelbein. "Bisher hat bei unserer Show auch nur einer gekotzt." Während ich mir noch ausmale, was die beiden damit meinen, wird bereits das erste Getränk des Abends angekündigt: Die "Gute-Laune-Cola". Was eigentlich nur 200 ml. Cola gemischt mit 200 ml. Rum sind. Da ich keinen Alkohol trinke, ist das leider nichts für mich. Die "glücklichen", die ein Glas probieren durften sind sich einig: Es schmeckt nicht. Wie überraschend. Während einer der beiden das Rezept zubereitet, wird vom jeweils anderen der Zubereitungstext verlesen. Dasselbe geschieht vor der Verköstigung.

 

Der Glutamat-Albtraum

 

Das zweite Rezept nennt sich "Tomatenplatte á la Andi". Und alle die Französisch sprechen stutzen jetzt zu Recht. "Dieses Gericht schreibt sich original mit einem Accent aigu. Obwohl es den im Französischen nur auf einem e geben kann.", sagte Jonathan Löffelbein. Hinter der Tomatenplatte á la Andi verbirgt sich eine in Scheiben geschnittene Tomate, die Maggi mariniert wird. Zum Schluss wird alles nochmal mit viel Fondor bestreut. "Fondor ist die moderne Art feiner zu kochen", heißt es in dieser Werbung aus dem Jahre 1956

Ich weiß nicht, was mich geritten hat. Vielleicht war ich neugierig. Vielleicht habe ich mir unterbewusst gedacht, dass das Leben mit funktionierenden Geschmacksnerven keinen Sinn mehr macht. Jedenfalls habe ich die Tomatenplatte á la Andi probiert. Sie schmeckt so, wie man sich in Maggi und Fondor ertränkte Tomatenscheiben vorstellt: scheiße eben. Die nächsten zwei Tage hatte ich übrigens immer so einen komischen Nachgeschmack im Mund. Zwischen den einzelnen Gängen, wurden von den beiden Autoren immer mal wieder Gedichte und Kurzgeschichten vorgelesen, die nichts mit dem Thema des Abends zu tun hatten. Trotzdem waren sie sehr lustig, schlagfertig und nachdenklich. Es ging um einen jungen FDP'ler, am Rande des Burn-Out stehende Eventköche, was passiert wäre, wenn Lukas Diestel Biologielehrer anstatt Autor geworden wäre und vieles mehr.

 

"Der Mensch ist dem Menschen ein Chefkoch"

 

Ich könnte jetzt natürlich noch viel mehr schreiben. Neben der "Gute-Laune-Cola" und der Tomatenplatte mit leicht veränderten Würzverhältnissen gab es noch fünf weitere Rezepte und jede Menge Texte.

Mein absolutes Lieblingsrezept des Abends möchte ich aber niemandem vorenthalten: Mit Käse überbackener Käse. Für mich als laktoseintolerante Person ein totaler Albtraum, aber für viele Käseliebhabende bestimmt das Höchste der Gefühle.

Man nehme:

                     250 Gramm Halloumi

                     60 Gramm Raclett Käse (der gute, mit Knoblauchgeschmack)

                     30 Gramm Parmesan

                     etwas Rosmarin zum Garnieren

Wie man anhand des Namens schon schlussfolgern kann: Es wird alles miteinander bei 255 Grad für 10 Minuten überbacken.

Voilà

 

So ekelhaft das alles auch war: Ich habe lange nicht mehr so viel und so gut gelacht, geweint, manchmal sogar beides gleichzeitig.

Während des großen Finales flog ein Ring Fleischwurst ins Publikum, der Saal hat gesungen und es wurde eine neue Sat1-Nachmittagsshow ausprobiert.

Zum Schluss habe ich sogar die übriggebliebene Packung Toastbrot mitnehmen können.

 

Ich kann allen nur empfehlen, die die Möglichkeit haben diese Show zu sehen: Macht es!

Ihr werdet es nicht bereuen (euer Magen vielleicht ein bisschen).

 

Über aktuelle Veranstaltungstermine informieren die Betreiber immer über ihre Facebook- und Instagramseiten:

https://www.facebook.com/worstofchefkoch/

https://www.instagram.com/worstofchefkoch/

 

Und wer sich den originalen Blog ansehen möchte, findet ihn hier:

https://worstofchefkoch.tumblr.com/


Informationen

  • Text: Martin Briel
  • Foto: Martin Briel
  • Datum: 01. April 2019
  • Kategorie: Soziales