Schloss Drachenburg und das Wort Schtonk

Was hat der Film Der Große Diktator von Charlie Chaplin mit Schloss Drachenburg in Königswinter zu tun? Und warum ist eine der wichtigsten Szenen des Films aus eine der wichtigsten deutschen Produkten der Zeit ausgerechnet in Königswinter?

In Königswinter steht der Drachenfels, der meist besuchte Berg Europas, und am Hang der alten Vulkankuppe findet sich das Schloss Drachenburg. Wie auch auf dem Drachenfels findet sich auch hier kein echter Drache, doch man könnte glauben, dass das imposante Gebäude für einen errichtet wurde. Dieses Gebäude hat seit seiner Errichtung als Villa des Pariser Spekulanten Stephan von Sarter eine sehr bunte Karriere hinter sich. Erst eine zu groß geratene Behausung, dann zwei Schulen, dann ein Lazarett, dann wieder eine Schule, bis hin zu einer geradezu königlichen Ruine für Obdachlose und zu einem Treffpunkt für Drogendealern und ihren Kunden wurde. All das musste das Gebäude vor seiner Sanierung erdulden. 

Schon von Sarter hatte einen Drang zu übermäßigem Pomp, doch die Paul Spinat war für seine Exzentrik bekannt. Ihm ist es zu verdanken, dass das wundervolle Gebäude heute noch steht. Zeitweile war das Schloss sein Wohnsitz und er Stolz im Besitz dieser Mauern zu sein. Er fuhr einen goldenen Rolls-Royce auf dem Hofplatz und lud Andy Warhol ein, um es auf Leinwand zu verewigen. Viele Jahre wurde dieses Schloss vernachlässigt, doch jetzt war es hergerichtet für seine nächsten großen Auftritte. 

Heute macht das Schloss echt was her und aus dem Grund ist es Handlungsort in der bekannten Hitlersatire Schtonk! oder der modernen Kriminalserie Babylon Berlin, das zu Zeiten der Weimarer Republik spielt. Selbst Bares für Rares wurde hier schon gedreht.
Für denjenigen, der nicht weiß was schtonk gedeutet, es heißt "abschaffen". Charlie Chaplin sagte in seiner Rolle Anton Hynkel bekanntlich "Demokratie schtonk! Libertie schtonk! Free Sprekken schtonk!" Dabei persiflierte er Adolf Hitler. Der Titel passt perfekt für eine Parodie des Skandals von 1983 um die Hitlertagebücher. Das übergroße Schloss ist super geeignet, um Platz für eine große Szene zu bieten. 

Im Film Schtonk! ist der halbe Palast die Villa von Karl Lentz gespielt von Rolf Hoppe, Altnazi aus Überzeugung und Unternehmer. Unser Held, der schmierige Hermann Willié -gespielt von Götz George, besucht das Schloss und hierbei zeigt uns der Film das Schloss in all seiner schaurigen Größe. In der Dunkelheit der Nacht steigt er mit seiner weiblichen Begleitung die Monumentaltreppe des Gebäudes hoch. Diese Szene ist entscheidend: Willié erfährt hier von den gefälschten Hitlertagebüchern des Fälschers Prof. Dr. Fritz Knobels gespielt von Uwe Ochsenknecht. Letzterer sollte nicht bekannt für die Namenwahl seiner Kinder sein, sondern für die großartige Leistung in diesem Film. Auf dem Hinterhof beim Viadukt kommt es zu Streit zwischen Knobel und seiner Frau und letztlich treffen sich hier der Professor und Willié. Knobel entscheidet sich mit Willié mitzuspielen, doch die immer lauter werden Zweifel an seinen Fälschungen zermürben ihn. 

Wieso ist diese Szene in diesem Film? Der Film zeichnet sich dadurch aus, dass er viele Szenen hat, die einfach nur Landschaft zeigen. Dabei ist das, was sie vereint, dass sie so malerisch sind. Ein bombastisches Schloss ist haargenau der richtige Ort für die bahnbrechende Szene, in der die beiden Hauptcharaktere sich zum ersten Mal sahen. Es ist nicht nur eine leicht ranzige Komödie, sondern auch ein Gedicht über die Schönheit Deutschlands. So war einst deutsches Kino. 

Doch es besteht Hoffnung. Vom 25.02. bis zum 15.03. wurde hier für die Serie Babylon Berlin gedreht. Natürlich ist das Schloss nicht der Star der Serie, aber es ist der Handlungsort für einen Sechsteiler. Hoffen wir, dass das Schloss wieder einmal einen großartigen Auftritt hinlegt. 

Informationen

  • Text: Josef Appelhans
  • Foto: Archivbild
  • Datum: 08. April 2019
  • Kategorie: Stadt Bildung Kultur