Der Wolf in NRW

Der Wolf ist momentan ein sehr beliebtes, aber auch heiß diskutiertes Thema. Viele Menschen haben Angst oder freuen sich regelrecht über die Rückkehr des Wolfs - aber was sind die Fakten? Wie gefährlich ist der Wolf für Mensch und Nutztiere? Welchen Nutzen haben Wölfe in der Natur? Diesen Fragen und einigen anderen Dingen möchte ich heute mal auf den Grund gehen.

Der Wolf war für ca. 150 J. in Deutschland ausgerottet, ist dann durch Polen in den Osten Deutschlands wieder eingewandert. Laut des BFN (Bundesamt für Naturschutz) sind seitdem in ganz Deutschland 73 Wolfsrudel, 30 Wolfspaare und 3 sesshafte, territoriale Einzeltiere bekannt. 
In allen Bundesländern bis auf das Saarland sind schon Sichtungen bekannt geben worden. Aktuelle Verbreitungsgebiete sind jedoch nur in 7 Bundesländern (z.B. Sachsen und Brandenburg) bekannt.

In NRW gibt es 2 Wolfsgebiete und eine Pufferzone. Im Rhein-Sieg-Kreis ist bisher noch kein Gebiet bekannt, aber die Wolfszahlen sollen noch steigen. Laut des BfN ist in Deutschland Platz für 440 Wolfsrudel und wir liegen ja gerade mal bei 73 Rudeln. Marc Redemann, der Wolfsberater für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis ist überzeugt von der Ausbreitung des Wolfes.

Wölfe leben ja bekanntlich meist in Rudeln, also Sozialverbänden. Die Anzahl kann stark schwanken zwischen ca. 3 bis 11 Tieren, bestehend aus den Elterntieren und den Nachkommen der letzten 2 Jahre. Jedes Wolfsrudel beansprucht ein Territorium und verteidigt dieses gegen Artgenossen. Daher ist die Anzahl der Wölfe, die in einem Gebiet leben, begrenzt. Die Größe der Territorien hängt von der Verfügbarkeit von Nahrung ab. Wölfe jagen zu 97% wildlebende Huftiere (Schalenwild), z. B. Rehe.  Wölfe jagen und töten Tiere, die sie am leichtesten erbeuten können. Neben alten, kranken und schwachen Tieren, auch Jungtiere. Dies regelt den Bestand und führt zum ökologischen Gleichgewicht. Der Wolf steht leider dennoch auf der roten Liste der aussterbenden Tierarten, was bei dem momentanen globalen Artensterben ein weiterer Verlust wäre. Dadurch, dass er eine streng geschützte Art ist, ist die Prognose trotz illegalen Abschusses oder Autounfällen etc. dennoch positiv.

 

Jetzt zum Lieblings-Diskutier-Thema:
Der Wolf und die Nutztierhaltung. 

Tatsächlich machen Nutztiere nur 1% der Nahrungsaufnahme des Wolfes aus und meist wegen unvollständigem oder fehlendem Schutz der Tiere. Wie schon im vorigen Beitrag erwähnt, sucht sich der Wolf meist leichte Beute. Schafe und Ziegen machen daher fast 90% der insgesamt 1% aus, die restlichen 10% sind meist ungeschützte Jungtiere z.B. von Rindern.

Dabei ist der Schutz recht einfach und man bekommt seit 2018 dank eines Beschlusses der europäischen Kommission 100% Bezuschussung für Herdenschutzmaßnahmen zur Vermeidung von Übergriffen. 

Schutzmaßnahmen wären zum einen elektrische Bodenabschließende Zäune oder Herdenschutzhunde, die einen Abschreckungseffekt ausüben. Wichtig wäre für Nutztierhalter, sich schon vorab zu informieren, wo demnächst eventuell eine Wolfsansiedlung stattfinden könnte, da man so Schutzmaßnahmen frühzeitig anbringen könnten, bevor eine Konditionierung des Wolfes auf Nutztiere stattfindet. Es ist ja wie bei uns, schlechte Angewohnheiten verlernen ist schwieriger, als sie gar nicht erst zu erlernen. 
Wenn ein Nutztier aber schon gerissen oder verletzt wurde, können künftig  auch diese Kosten erstattet werden. Dies gilt auch für veterinärmedizinische  Behandlungskosten. Das Bild vom Wolf, in dem er unberührte, weiträumige, menschenleere Gebiete benötigt, ist falsch. Wölfe leben heute in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft in direkter Nähe zum Menschen.

Was also machen, wenn man einem Wolf beim Spazierengehen vielleicht sogar mit seinem Hund begegnet?

Wichtig ist in aller Regel, ruhig und besonnen bleiben, den Hund anleinen und dem Wolf die Chance geben, sich zurückzuziehen. Diese schätzen meist erst die Lage ab und ziehen sich langsam zurück; panisches Davonlaufen ist eher selten. Also nicht direkt unruhig werden.Wenn Sie der Wolf noch nicht bemerkt hat, z.B. weil der Wind ungünstig steht oder es sich gar um ein eher neugieriges Jungtier handelt, laut Klatschen und Rufen, das schreckt sie ab. Wenn Zeit und Gelegenheit vorhanden sind, können auch Fotos und Meldungen bei den zuständigen Behörden gemacht werden. Natürlich keinesfalls füttern oder Gegenstände werfen; dies könnte Jungtiere sogar eher neugierig machen. Im Auto besteht keine Gefahr, da der Wolf Sie im Auto nicht als Mensch wahrnimmt.  Im Auto kann man einen Wolf sehr nahkommen und die Show genießen.

Nun zum letzten Thema: Der Abschuss des Wolfes.

Es gibt Forderungen von Politikern und Privatpersonen, den Fakten zum Trotz, den Wolf präventiv zu erschießen. Im Naturschutzgesetz ist aber auch dies schon geregelt. Wenn ein Wolf trotzt Herdenschutzmaßnahmen mehrfach Nutztiere reißt oder er sich Menschen mehrfach bedrohlich bis auf 30m nähert, wird er geschippt und durch Maßnahmen vergrämt, und wenn dies auch keine Wirkung zeigt, sogar zum Abschuss frei gegeben. Dies wird immer im Einzelfall entschieden. Es gibt immer noch bei vielen Menschen und auch Behörden Verunsicherung, was das Gefährdungspotenzial des Wolfes angeht.  Daher ist ein Austausch zwischen Fachbehörden und Wolfs-Forschern, sowie ein breites Informationsspektrum über das Wolfsverhalten für die Bevölkerung von großer Bedeutung. Ich hoffe, wir konnten mit unserem Beitrag ein wenig dazu beitragen.

Informationen und Anlaufstellen

Falls Ihr noch weitere Informationen braucht, sind hier zwei Anlauf- und Informationsstellen: 
Einmal natürlich das BfN- Bundesamt für Naturschutz unter info(at)bfn.de und in Bonn / dem Rhein-Sieg-Kreis ist laut dem Generalanzeiger, wie oben erwähnt, Marc Redemann, Förster im Siebengebirge der Ansprechpartner.


Informationen

  • Text: Janina Zimmermann
  • Foto: Janina Zimmermann
  • Datum: 15. Mai 2019
  • Kategorie: Stadt Bildung