Dem Dichterfürsten auf der Spur

Vom 17. Mai bis zum 15. September wird in der Bundeskunsthalle die große Ausstellung "Goethe. Verwandlung der Welt" zu sehen sein. Seit dem 14. April hat auch die Ausstellung "Goethes Gärten – Grüne Welten auf dem Dach der Bundeskunsthalle" geöffnet. Das Dach wird abermals in ein grünes Paradies verwandelt.

Wir alle kennen Johann Wolfgang von Goethe und jeder hat bestimmt schon mal eins seiner Bücher gelesen. Gezwungenermaßen oder vielleicht sogar freiwillig. Von ihm stammen Werke wie Faust, die Leiden des jungen Werthersoder der Erlkönig. Zeit seines Lebens war er unter anderem Dichter, Minister, Anwalt aber auch Naturforscher. 

Den meisten ist der Dichterfürst auch als solcher bekannt. Weniger als Botaniker. Bis zu seinem Tod 1832 arbeitete er an seinem Garten und führte, unter anderem botanische Studien durch. 

In Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar wurden nun zwei Gärten nach Goethes Vorbild auf dem Dach der Bundeskunsthalle angelegt."Goethes Gärten – Grüne Welten auf dem Dach der Bundeskunsthalle"ist nur ein Teil der ersten großen Goethe-Ausstellung seit 25 Jahren. Ab dem 17. Mai ist die ganze Ausstellung zu bewundern. Die Ausstellung zeigt seine Werke und seine einzigartige Wirkungsgeschichte. 

 

Da es aber noch nicht so weit ist, habe ich mir die schon vorhandene Ausstellung ein paar Tage nach ihrer Eröffnung angeschaut. 

 

Ich bin also am Dienstagnachmittag die Treppenstufen zum Dach der Bundeskunsthalle hinauf gestapft. Das muss man natürlich nicht machen. Es gibt glücklicherweise einen Aufzug. Nach der Ticketkontrolle geht man als Erstes durch ein weißes, hölzernes Gartentor. Sofort fällt mir der Ginkobaum auf, der praktischerweise direkt hinter dem Tor steht. Der Ginkobaum zählt zu den ältesten Baumarten der Welt. Goethe war vor allem an der charakteristischen Blattform interessiert. Er deutete das zweilappige Blatt als Sinnbild der Liebe sowie als Symbol von Vereinigung und Trennung. 

 

Was generell auffällt: Die rechte Seite des Dachs ist wesentlich grüner und hügeliger als die linke Seite. Das liegt daran, dass auf dem Dach zwei Gärten nachgebaut wurden. Der rechte Teil symbolisiert Goethes ersten Garten in der Ilm-Aue in Weimar. Das dortige Gartenhaus wird auch Haus am Sterngenannt. Goethe ließ den Garten bewusst im Stil eines englischen Landschaftsgartens anlegen. Was mir direkt auffällt, als ich mich auf einer der Bänke niederließ: Es ist ruhig. Durch das Rascheln der Blätter und des Grases im Wind, scheinen die B9 und die Eisenbahnstrecke auf einmal weit weg. Noch dazu hatte ich den Garten fast für mich allein. Ich hätte nie gedacht, dass ich auf dem Dach der Bundeskunsthalle einmal so entspannen könnte. Vor den spitzen Türmen, die charakteristisch für die Bundeskunsthalle sind, steht am Ende einer Malven-Allee eine Nachbildung des Stein des guten Glücks. Das Monument besteht aus einem Würfel und einer darauf liegenden Kugel. Der Würfel verkörpert hierbei Stabilität und Beständigkeit. Die Kugel steht für Bewegung und Veränderung. Der Stein war eins der ersten nicht-figurativen Denkmäler Deutschlands. 

 

Die linke Hälfte des Dachs steht für den Garten in Goethes innerstädtischem Anwesen. 

Goethes Aufgaben in Weimar wurden zunehmend repräsentativ. Da ihm außerdem sein Gartenhaus in der Ilm-Aue zu klein wurde, zog er 1792 mit seiner Familie in ein geräumigeres Wohnhaus am Weimarer Frauenplan um. Da der Platz hier viel kleiner ausfiel, legte Goethe hier hauptsächlich Gemüsebeete an. 

Diese findet man ebenfalls auf dem Dach.

 

Goethe nutzte seine Gärten jedoch auch für botanische Beobachtungen. Dabei bekam er im Jahre 1819 auch Unterstützung aus Bonn. Der Bonner Universitätsprofessor Christian Gottfried Daniel Ness von Esenbeck schickte ihm 50 verschiedene Astern. Im Gegenzug erhielt der Dozent Pflanzen aus der Großherzoglichen Sammlung in Weimar für seine botanische Anstalt in Poppelsdorf.

 

Was mich neben der plötzlichen Ruhe, die man hier erfährt ebenfalls fasziniert, ist das sich die Ausstellung stetig verändert. Der Dachgarten ist bis zum 15. September besuchbar. In dieser Zeit ist eine Frühjahrs-, eine Sommer-, und eine Spätsommerbepflanzung geplant. So sollen zum Beispiel im Sommer Artischocken angebaut werden und am Spalier auf der rechten Dachseite sollen sich währenddessen Weinranken und Rosen ihren Weg nach oben bahnen.

 

Dieser Garten ist nicht nur eine Oase der Ruhe mitten in der Stadt, sondern also auch sehr wandelbar. Einen Besuch wert ist er zu jeder Tageszeit.

 

Bis zum 16. Mai kostet der Eintritt 5 € (ermäßigt 3,50 €). Ab dem 17. Mai kann man für 14 € (ermäßigt 9 €) ein Kombiticket für Ausstellung und Gärten erwerben. 

Galerie

Informationen

  • Text: Martin Briel
  • Foto: Martin Briel
  • Datum: 31. Mai 2019
  • Kategorie: Bildung