Pink Tax - Was ist das und wieso wird es diskutiert?

Pink Tax - also “Pinke Steuer” - das Wort schwirrte zuletzt täglich in unseren Social Media Feeds umher und eine Petition machte die Runde. Was aber sind eigentlich genau sind diese Steuern und wieso werde sie so kontrovers diskutiert? Wenn ihr euch das auch schon gefragt habt, dann lest weiter.

Pink Tax nennt man im Allgemeinen die Mehrkosten, die für explizit weibliche Produkte, Kosmetika oder Dienstleistungen entstehen, die oftmals in pink vermarktet werden. So kosten zum Beispiel oft die rosa Einwegrasierer mehr als die blauen und der einfach Langhaarschnitt kostet manchmal doppelt so viel wie der Männerschnitt. Selbst wenn es nur um “einmal Spitzen schneiden” geht. Das selbe gilt für Cremes, Shampoos oder Kleidung.

 

Wortwörtlich um Steuern geht es aber bei Menstruationsprodukten. Diese werden nämlich als “Luxusartikel” besteuert, also mit 19%. Luxus, darunter stellen sich die meisten Leute Champagner, Wellness-Massagen und Kreuzfahrten vor. Die weibliche Periode ist aber beim besten Willen kein Luxus, für den Frau sich entschieden hat, sondern nunmal ein unabdingbarer Teil des “Frau seins”. Entsprechend sind Produkte wie Tampons, Binden oder Menstruationstassen eine Notwendigkeit und kein Luxus. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Kanada, Tansania, Mauritius, Irland oder Kenia, wurden diese Produkte schon gänzlich von Steuern befreit.

In Deutschland fordert nun eine Petition des Kondom-Herstellers “Einhorn” zumindest eine Senkung der Steuer auf 7%. Das ist die übliche Steuer für Produkte des täglichen Gebrauchs, wie zum Beispiel Lebensmittel.

 

Gegner argumentieren, dass zum Beispiel auch Toilettenpapier mit 17% besteuert wird. Dieses “Luxusgut” benachteiligt aber nicht ein bestimmtes Geschlecht, sondern ist für alle eine Notwendigkeit, auch wenn sich die hohe Steuer vielleicht auch bei Toilettenpapier nicht erschließen mag.

Die Initiatoren finden die Besteuerung von Menstruationsartikeln frauenfeindlich und sprechen von systematischen Sexismus im Mehrwertsteuersystem. „Frauen menstruieren etwa 40 Jahre ihres Lebens einmal im Monat für etwa drei bis fünf Tage – ob sie wollen oder nicht.“, so heißt es in der Petition.

 

Zum Vergleich: Kaviar, Ölgemälde oder Trüffel werden mit 7% besteuert, Tampons mit 19%.

 

Ein Unternehmen hat bereits vor einiger Zeit eine kluge Idee gehabt, um gegen die Steuer zu protestieren und die Absurdität dieser bloßzustellen. Die Firma “The Female Company” hat ein Tampon Buch veröffentlicht. Das ist eine als Buch getarnte Tamponpackung, in der sich neben 15 Bio-Tampons auch 46 Seiten mit Geschichten und Infos rund um die Menstruation befinden und die Pink Tax befinden. Der Clou? Bücher werden nur mit 7% besteuert. Das Unternehmen hintergeht so das Steuersystem und vertreibt ganz legal Tampons mit nur 7% Mehrwertsteuer.

 

Das Thema wurde im Bundestag über Jahre hinweg ignoriert, obwohl die Öffentlichkeit mehrfach versuchte, eine Diskussion anzustoßen. Nun hat die Petition von Einhorn mit Hilfe des NEON Magazins und Prominenten und Influencern wie Lena Meyer-Landrut und Palina Rojinski über 80.000 Unterschriften, um das Thema in den Bundestag zu bringen.

 

Was passiert nun? Zunächst muss der Bundestagsausschuss für Petitionen sich nun die Argumente der Initiatorinnen anhören. Wenn die sieben Frauen und 21 Männer im Ausschuss das Thema diskutiert haben und beschließen, dass Handlungsbedarf besteht, muss sich der Bundestag des Themas annehmen. Auch wenn hier das Ziel der zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützer noch lange nicht erreicht ist, sind sie ihrem Ziel doch ein ganzes Stück näher gekommen.

Informationen

  • Text: Stephanie Hellenbrand
  • Foto: Stephanie Hellenbrand
  • Datum: 09. Juni 2019
  • Kategorie: Soziales Bildung