Wie erklärt man Kindern komplizierte Sachen?

Platzhalter - Studio Eins

Warum regnet es? Wieso bekommt mein Kakao Haut? Solche Fragen stellt jedes Kind irgendwann. Wer kennt das nicht? Aber es ist sehr schwierig solch komplexe Themen einfach zu erklären. Welcher Weg ist der beste?

Es hilft dem Kind, wenn man eine bildhafte Sprache mit vielen Metaphern benutzt. Wenn Beispiele aus der Erfahrungswelt des Kindes vorkommen, versteht es Zusammenhänge schneller. Auch lustige Vergleiche können sich Kinder besonders gut merken. Die Erklärung muss nicht lückenlos sein, sondern sollte wie ein Puzzle ein Bild im Kopf zusammensetzen.

Es muss aber auch Altersgerecht sein. Das bedeutet Vergleiche und Worte zu wählen, die dem Wissensstand des Kindes entsprechen. Wenn man einem Dreijährigen erklärt, dass die Sonne das Wasser in der Pfütze „aufleckt“, weil sie so heiß scheint, dann wird er das mit fünf Jahren vergessen haben und man kann dann schon mal von „verdampfen“ sprechen. Gemerkt hat er sich aber, dass das Wasser nicht einfach in der Pfütze bleibt, sondern sich etwas verändert, was mit der Wärme zu tun hat. Die Beobachtung wurde geschult, trotz der zunächst inkorrekten Antwort.

So etwas ist natürlich nicht wissenschaftlich Korrekt. In wie fern ist das okay? Ganz korrekt zu sein ist aus wissenschaftlicher Sicht ohnehin kaum möglich. Stets gibt es neue Erkenntnisse und was gestern noch richtig war, kann heute überholt sein. Je nach Alter sollten die Antworten aber immer klarer werden. Es kommt darauf an, dem Kind nach und nach bildhaft ein Verständnis des jeweiligen Mechanismus zu vermitteln. Im Kita-Alter kann dies bruchstückhaft bleiben und wird sich für Wissenschaftler abenteuerlich anhören. Im Schulalter sollte es dann immer genauer werden: Metaphern helfen, die „trockenen“ Sachverhalte anschaulicher zu machen, sollten aber von den laut Lehrplan korrekten Antworten abgegrenzt werden.

Ohne bildliche Sprache können Kinder vieles nicht nachvollziehen. Der Drang, unbedingt korrekt zu antworten, kann blockieren. Eltern sollten erst einmal reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Sie können sich ein paar Bilder einfallen lassen und sehen, welches dem Kind am besten hilft, den jeweiligen Mechanismus zu verstehen. Wenn sie mit dem Kind Erklärungen diskutieren, können sie es dahin führen, die richtige Antwort selbst zu formulieren. So bleibt das Kind neugierig, wird selbst aktiv und lernt, sich klar auszudrücken. Und natürlich, Dinge kritisch zu hinterfragen.

Es ist also wichtiger das Kind zu Motivieren anstatt die richtige Antwort zu geben. Eltern sollten die Aufgaben des Kindes nicht selbst lösen oder vordergründig dabei helfen. Sie sollten dem Kind eine Herangehensweise vermitteln: Wenn man sich an etwas, das gerade noch unverständlich erscheint, mit Neugier herantastet, wird es häufig plötzlich sonnenklar! Oft ist das Denken ja blockiert durch Grundhaltungen wie „Das verstehe ich nie.“ oder „Das braucht man doch gar nicht.“ oder „Das ist doch langweilig!“ Wenn man sich nicht zutraut, eine Lösung zu finden, findet man auch keine.

Informationen

  • Text: Paula Dietrich
  • Datum: 10. Juli 2015
  • Kategorie: Soziales Bildung Ratgeber