Uniabschlussfeier in Deutschland und in Italien

Wie feiert man den Uniabschluss in Deutschland und in Italien? Gibt es Unterschiede? Die Antwort lautet: Ja, und nicht nur in der Art und Weise wie man feiert, sondern auch in dem praktischen Akt der letzten Prüfung bzw. der Abschlussarbeit. Wenn Ihr neugierig seid, diese Unterschiede zu entdecken, dann liest diesen Artikel weiter und Ihr werdet merken, wie die Studierenden auf unterschiedliche Herausforderungen gestellt sind und zwei unterschiedliche Art und Weise von Feier.

In Deutschland schreibt man die Abschlussarbeit und man gibt sie beim Prüfungsbüro ab. Dann dauert die Korrekturphase seitens der Dozenten ungefähr zwei Monaten. Letztlich bekommt man per Post einen Brief vom Prüfungsbüro, wo geschrieben ist, ob die Abschlussarbeit bzw. das ganze Studium bestanden worden ist oder nicht. In Bonn habe ich dann selbst erlebt, unabhängig vom Zeitpunkt des Studiumabschlusses, gibt es immer die Möglichkeit am Universitätsfest und am Universitätsball am ersten Samstag im Juli teilzunehmen. Beim Universitätsfest trägt man den Talar und jede Fakultät trägt ihre Farbe. Am Ende wird der Hut geworfen. Bei dieser Gelegenheit kann man groß feiern, aber manchmal kann es komisch sein, wenn man das Studium z. B. im November abschließt und man muss fast ein Jahr warten, um auf diese Weise zu feiern.

Bevor ich Euch aber meine Meinung bzw. was ich erlebt habe schreibe, kann man sich fragen: was machen die Italiener? Wenn man die Abschlussarbeit fertig geschrieben hat, muss man vor einer Dozentenkommission sie verteidigen. Die Familie und die Freunde, die man einladen will, sind auch dabei. Am Ende der Verteidigung verleiht der Betreuer dem Absolventen den Hochschulgrad mit der endgültigen und gesamten Note des Studiums. Zu diesem Zeitpunkt wird auf dem Kopf des Absolventen den Lorbeerkranz mit einer roten Band gestellt. Danach feiert jeder zusammen mit der Familie und mit Freunde. Die Feier kann mehr oder weniger groß sein, je nach dem wie man sie gerne haben möchte. In der Regel gibt es am Ende der Feier eine kleine „bomboniera“ für jeden Gast, d. h. eine kleine Erinnerung an den Abschluss des Studiums und der Feier. An diesem Tag trägt man den Lorbeerkranz und jeder, der den Absolventen sieht, gratuliert er sich mit ihm, denn alle wissen, was bedeutet, den Lorbeerkranz zu tragen: alle erkennen, dass jemand das Studium abgeschlossen hat und gratulieren den Absolventen.

Bevor ich zum Schluss komme, ist es sinnvoll, die Tradition des Lorbeerkranzes zu erläutern. Der Lorbeerkranz ist ein Symbol von Weisheit, Ruhm, Ehre, Erfolg, Sieg. Schon seit dem alten Griechenland wurden die Sportler mit dem Lorbeerkranz gekrönt. Die Tradition geht weiter in der Antike, als die Imperatoren auch damit gekrönt wurden. Im Lateinisch ist das Wort für Lorbeerkranz „laurus“ oder „laur?a“, das Sieg bedeutetet. Aus dem Lateinischen „laur?a“ kommt das italienische Wort „laurea“, d. h. Hochschulgrad und aus dem Lateinischen „laur??tus“ kommt das italienische Wort „laureato“, d. h. der Absolventen, der den Hochschulgrad bekommen hat und den Lorbeerkranz wie die Gelehrten und die Dichter trägt. In der italienischen mittelalterlichen Literatur wurden nämlich viele Dichter mit dem Lorbeerkranz gekrönt; der erste ist Francesco Petrarca, der mit Dante Alighieri und Giovanni Boccaccio als Drei Krönen der italienischen Sprachen bezeichnet wird.

Das Universitätsfest in Bonn ist sehr schön, aber es entweder zu früh oder zu spät zu feiern, je nach dem, wenn man fertig ist, finde ich es tatsächlich schade, weil entweder hat man noch nicht ganz Lust zu feiern, weil man noch nicht ganz fertig ist oder hat man keine Lust mehr, zu feiern, weil das Studium schon länger abgeschlossen ist und was anderes dran ist. In Italien finde ich sehr schön, dass die Familie und Freunde an der Verteidigung der Abschlussarbeit teilnehmen können, weil sie stolz auf dem Absolventen und froh sein können, dass er es geschafft hat. Der Lorbeerkranz ist ein Symbol, aber nach all der Zeit beim Lernen mit auch schwierigen Phasen tut es gut, ihn zu tragen und zu wissen, dass es geschafft ist und alle können sich mit dem Absolventen freuen, statt nur einen Brief per Post zu bekommen. Das Wichtigste ist aber, zu feiern, egal auf welcher Art, aber jeder Absolvent verdient zu feiern und sich über die gute geleistete Arbeit zu freuen. Das wünsche ich Euch vom ganzen Herzen.

  

Informationen

  • Text: Valentina De Cotiis
  • Foto: Valentina De Cotiis
  • Datum: 29. Juni 2019
  • Kategorie: Bildung Kultur