"Offene Gartenpforte - Rheinland" in Bonn

Wochenendspaziergang ins Grüne, die eigene Region neu kennenlernen, Inspirationsquelle für eigene Gestaltungsideen oder fachlicher Austausch über das Gärtnern: Die offene Gartenpforte bietet vielfältige Möglichkeiten - am Wochenende vom 20./21. Juli war es wieder soweit.

Ohne zu klingeln oder gar zu fragen, betrete ich das Grundstück.

15 Minuten fahre ich mit dem Rad vom Hauptbahnhof Bonn in einen Stadtteil, in dem ich vorher noch nie war. Ich komme an Reihenhäusern mit Fachwerkhausfassade vorbei, folge schmalen Gassen, die sich das hügelige Gelände entlangschlängeln und biege schließlich in eine Straße ein, die mit Einfamilienhäusern gesäumt ist. Alles ziemlich unspektakulär. Vor einem Grundstück zeigt mir ein Stuhl mit darauf platziertem Plakat, dass ich hier richtig bin. Ohne zu klingeln oder gar zu fragen, betrete ich das Grundstück. Einige Besucher verlassen es schon wieder und kommen mir entgegen. Ein Besucher weist mich auf den Blauregen hin, der hier - anders als in seinem Garten - bis an die Dachrinne des Hauses reicht. Seiner Richtung folgend, laufe ich über den Rasen um das Haus herum und betrete eine große Terrasse, auf der ein Tisch, ein Stuhl und ein Sonnenschirm zum Verweilen einladen. Ein älterer Mann erhebt sich aus dem Stuhl, heißt mich freundlich Willkommen, drückt mir einen Infozettel in die Hand und gibt mir eine Einweisung: Es handelt sich um ein Hanggrundstück, das ehemals ein Weingarten war, und das verschiedene Blickpunkte bereit hält, von denen man einen schönen Blick auf Bonn oder das gegenüberliegende Siebengebirge hat. Ich bedanke mich und schlendere allein und in Ruhe den Hang hinauf durch den Garten. Immer wieder halte ich an den auf dem Infozettel markierten Punkten an, um ins Tal zu blicken. Wie weit man von hier gucken kann, stelle ich überrascht fest. Ich wandere an gut bestückten Apfelbäumen vorbei, entdecke Walderdbeeren am Wegesrand, bewundere die Weintraubenreben, die sich stolz der Sonne entgegenstrecken und den Feigenbaum, der ebenfalls mit üppiger Ernte aufwartet. Am oberen Rand des Grundstücks angekommen, setze ich mich auf eine Bank, und lasse den Blick durch den Garten, über Bonn hinweg bis zum Drachenfels schweifen. Ich lausche dem Wind, atme bewusst ein und aus und genieße es, einfach zu verweilen.

Ich bin nicht die einzige Besucherin. Nach und nach kommen immer wieder Leute an mir vorbei. Jünger, älter, mit und ohne Kind. Sie setzen sich neben mich, schlendern in Ruhe durch die Idylle oder bleiben länger an einigen Pflanzen stehen, um die mit Bleistift beschriebenen Zinnschilder und die dazugehörigen Pflanzen zu betrachten.

An diesem Sonntag genießen wir alle einen fremden Garten. Einen Garten, von dessen Existenz ich bisher nicht wusste, von dem ich auch nie erfahren und sicherlich nicht zu Gesicht bekommen hätte, weil ich den Gastgeber nicht kenne. Ausnahme in diesem Fall: Es ist wieder Wochenende der offenen Gartenpforte im Rheinland.

 

Garten ist, was Gartenbesitzer Garten nennt.

Seit 2002 gibt es an je einem Wochenende im Mai, Juni, Juli und September die Möglichkeit, private Gärten zu besuchen. Die Größe und Gestaltung der Gärten hängen ganz von den teilnehmenden Gartenbesitzern ab. So ist von der 47.000 m² großen Parkanlage der Stiftung Arboretum in Oberkassel bis zur 20 m² kleinen Dachterrasse in Troisdorf alles dabei. Garten ist, was Gartenbesitzer Garten nennt. So wie die Einrichtung der eigenen Wohnung sehr von der Persönlichkeit, dem eigenen Geschmack und auch finanziellen Mitteln abhängt, ist auch die Gestaltung eines Gartens sehr persönlich und individuell. Bei meinem vergangenen Besuch am 21. Juli habe ich drei Gärten besuchen dürfen, die alle auf ihre Weise individuell und charakteristisch waren. Wo der eine Garten groß war und einen Schwerpunkt auf ästhetischer Landschaftsgestaltung mit geschwungenen Busch- und Baumgruppen legte, war der andere Garten kompakt und erinnerte mit seinen quadratisch angelegten Beeten eher an einen Klostergarten. Er fiel einerseits durch die naturnahe Gestaltung, andererseits durch das dort lebende Bienenvolk und das Vogelhäuschen auf, das tatsächlich der Versorgung der dort wohnenden Mäuse dient. Im dritten Garten wiederum lag der Schwerpunkt auf der Nutzung des Gartens als Ort für gemeinschaftliches Zusammenkommen und Verweilen. Statt als Gestaltungs- und Ausdrucksmittel, diente er vor allem dem Zweck, sich zu Hause zu fühlen, Mitbringsel von Reisen zu beherbergen und Gästen einen lauschigen Sitzplatz im Schatten zu bieten. Angesichts der hohen Temperaturen der vergangenen Wochen, kein weniger berechtigtes Anliegen.

 

Vielfalt, die Inspiration bietet

Für die Besucher, die ich traf, macht genau diese Vielfalt und die Neugier auf die unbekannten Orte und Menschen den Reiz der Veranstaltung aus. Sie bietet neben Erholung vor allem Inspiration und zudem die Möglichkeit, sich mit Gartenbesitzern über Probleme und Herausforderungen des heimischen Gärtnerns auszutauschen.

In einem Garten konnten sogar Pflanzen erworben werden. Die Webseite offene-gartenpforte-rheinland.de informiert hierüber genauso wie über die sonstigen Besuchskonditionen der geöffneten Gärten. Diese reichen von den jeweiligen Besuchszeiten und gegebenenfalls dem Erfordernis einer Anmeldung im voraus, über das Angebot von Erfrischungen vor Ort oder der Toilettennutzung, bis hin zu Führungen und barrierefreien Wegen. Wer genaue Vorstellungen hat, wie der zu besuchende Garten aussehen soll, kann außerdem nach Gartenkategorien oder benachbarten Gärten suchen sowie sich detaillierte Beschreibungen und Fotos ansehen.

Auch für diejenigen, die ihre eigenen Gartentore einmal öffnen wollen, sind dort die Anmeldebedingungen zu finden.

Wer sich davor aber selbst noch einmal ein Bild von anderen Gärten machen möchte, der hat die nächste und letzte Möglichkeit in diesem Jahr am 14./15. September.

Informationen

  • Text: Kareen Vieweg
  • Foto: Kareen Vieweg
  • Datum: 16. August 2019
  • Kategorie: Stadt Bildung Kultur