Türkei: Wohin mit den Flüchtlingen?

Die Türkei gehört zu den Ländern, die mit Abstand am meisten Flüchtlinge aufnehmen. Im Jahr 2018 waren es 3,7 Millionen Menschen. Nun ändert sich aber die Lage für die meisten Syrer: Sie werden ab sofort zurückgeschickt.

Die Zahl der Flüchtlinge wächst weltweit. Hilfsorganisationen und Behörden sind damit überfordert - und die Politik findet keine Lösung. Auch in der Türkei gehen die Meinungen im Streit um Asylrecht und Abschiebungen weit auseinander.

Ein Grund dafür könnte die momentane Wirtschaftslage in der Türkei sein: Hohe Zinsen, Arbeitslosigkeit und unter 16 Prozent Inflation - damit hat die Türkei zur Zeit zu kämpfen. Der Zugzug vieler Menschen ist daher noch eine zusätzliche Belastung.

Ben studiert in Istanbul. Für ihn ist vor allem der Arbeitsmarkt ein Problem:

„Es werden immer nur die Syrer unterstützt und dadurch finden die eigenen Landsleute keine Arbeit mehr.“ Gleichzeitig macht sich die Krise im Istanbul Stadtbild erkennbar: Viele Flüchtlinge leben dort auf der Straße.

 

Der neue Bürgermeister von Istanbul ist der gleichen Ansicht wie Ben, berichtet die „Zeit“. Für sein Volk sei es notwendig, die Syrer abzuschieben. Damit unterstützt er die Meinung der Mehrheit: Laut einer Studie der Bilgi-Universität von 2017 wollen 86 Prozent der Türken, dass die Syrer das Land wieder verlassen.

Es leben 3,7 Millionen Flüchtlinge in der Türkei, davon befinden sich eine Million in Istanbul.

Der Hochkommissar für Flüchtlinge der Vereinten Nationen Filippo Grandi bekräftigt, dass international der Flüchtlingsschutz geboten werden muss. Wenn die Türkei keine Kapazitäten mehr aufbringen kann, muss Europa handeln.

Doch in vielen Ländern der Europäischen Union wird fliehenden Menschen kaum Schutz geboten. Fremdenfeindlichkeit und Hass gegenüber Geflüchteten spiegeln sich auch im Asylverfahren wider.

Wie geht es jetzt weiter? Wo gibt es noch Orte, wo Flüchtlinge Schutz finden können?

Die Europäische Union hat zwar Kooperationen und Partnerschaften mit Transitländern wie der Türkei vereinbart, damit weniger Flüchtlinge nach Europa kommen. Doch nun leiden diese Länder unter der steigenden Flüchtlingszahl.

Die Flüchtlingskrise spitzt sich zu und könnte eine Zerreißprobe für die EU sein. Doch die Verantwortung auf die Türkei zu schieben, zieht die EU nicht aus der Affäre. Das EU-Türkei-Abkommen reicht nicht aus, um Europa aus der Flüchtlingskrise zu führen. Ohne eine Zusammenarbeit aller EU-Staaten, ist eine Flüchtlingspolitik, die den Menschen ein Leben in Würde und Freiheit ermöglicht, nicht umsetzbar.Die Mitgliedsstaaten müssen sich nun gemeinsam auf eine Lösung einigen, um einen Schritt weiter in der Flüchtlingspolitik zu gehen. Die Türkei, die bislang die Weiterreise der Flüchtlinge verhindert hat, kann sich nicht dauerhaft darauf einstellen und noch mehr Menschen in ihr System integrieren.

Darauf kann sich Europa nicht immer ausruhen. Es ist an der Zeit, dass die EU ihre Pflicht erfüllt und die Wahrung der Menschenrechte nicht nur auf Papier klassifiziert, sondern auch in der Realität umsetzt.

 

 

 

Informationen

  • Text: Fatima Remli
  • Foto: Fatima Remli
  • Datum: 17. August 2019
  • Kategorie: Soziales Politik