Hast du mal 'ne Niere?

Organspenden retten Leben, aber das Stehen auf der Warteliste tötet jedes Jahr ungefähr 1000 Menschen in Deutschland. Wie auch mit dem Blutspenden will der Otto Normalverbraucher nicht spenden. Wie sieht die Situation denn so aus?

Organspenden werden von einigen Ethikern als einer der wenigen Akte bezeichnet, der wahren Altruismus zeigt: der Spender hat keine Ahnung wem er spendet. Natürlich lässt sich auch das kritisieren, immerhin ist das Gefühl das richtige getan zu haben ein starker Nektar. Insgesamt gilt die postmortale Vergabe der eigenen Organe aber als Zeichen der Nächstenliebe. Doch besitzen die Deutschen hierbei wohl etwas Nachholbedarf: wir befinden uns grade in einer Talfahrt, pro eine Million Einwohner gibt es circa nur 11,5 Spender – von 82 Millionen. Die Zahl ist erschreckend gering.

Nieren werden am allerhäufigsten gebraucht, die auch lebend entnommen werden können, wenn es denn unbedingt sein muss. Ansonsten werden auch Herzen, Lungen, Lebern, Bauchspeicheldrüsen und Gewebe gespendet, das jedoch erst postmortem. Rund 1000 spenden jedes Jahr postmortal und fast 3000 Transplantationen finden jedes Jahr statt.

Die Gründe? Unaufgeklärtheit ist wohl der wichtigste. Der notwendige Hirntod ist irreversibel, einmal tot, auf alle Ewigkeit tot. Doch dieser morbide Gedanke an die eigene Sterblichkeit ist unangenehm und Vorstellungen wie während einer Entnahme aufzuwachen(die dann praktisch eine Vivisektion wird), tauchen Bürgern immer wieder auf. Manche sehen den Hirntod auch nicht als endgültig genug, obgleich das Hirn alles steuert(bis auf das Herz) und jder mögliche Schmerz bei einem echten Hirntod unmöglich ist. Ein anderer wichtiger ist die deutsche Zustimmungslösung: der Bürger muss einen Organspendeschein ausfüllen und ihn ständig bei sich tragen. Viele wissen nicht mal wo sie sowas kriegen. Wie leicht vergisst man sowas doch oder man vergisst ihn zuhause am eigenen Todestag. Wer diesen nicht ausfüllt, kommt als Spender nicht in Frage. In Ländern wie Spanien sind die Organentnahmen höher, denn wer nicht der Entnahme im Leben versagt, ist automatisch Spender. Punkt. Horrorvorstellungen, dass die Halbgötter in Weiß einen Organspender auch einfach verrecken lassen, um ihren Organhandel weiter zu füttern, gibt es in schlechten Filmen nur zuhauf. Dann folgen religiöse Gründe. Die Östlichen(seltsame Ausnahme: der Buddhismus) sehen das ganz locker, aber die abrahamistischen sind wie immer stur. Diese verbieten nämlich das Verstümmeln des Leichnams(da der Körper angeblich Tod gehöre), aber das Gebot der Nächstenliebe gilt oft als wichtiger. Zumindest meistens, Hardliner des Christentums, Judentums oder Islams sehen das oft anders und frönen der Entsage oder entwickeln wirre Regelungen wie die legendäre einiger angestaubter muslimischer Gelehrten: die Spende zu einem Muslim von einem Nichtmuslim ist möglich, andersrum aber nicht. Einige sind "Futuristen" und fordern, dass man gefälligst Organe im Labor heranzüchten soll anstatt Menschen ausweiden. Wenn das so einfach wäre, gebe es wohl eine Organspender mehr und ich hätte einen Dodo als Haustier. An sich wäre dies natürlich die Ideallösung, davon sind wir aber noch einige Jahre entfernt und eine Lösung muss solange gefällt werden.

Was spricht für eine Organspende? Es ist wahrscheinlich das wertvollste überhaupt: das Leben. Das Retten von Leben um genau zu sein. Geld oder dergleichen gibt es keines und der Bürger darf sich höchstens mit einem Gefühl der Wohligkeit eindecken. Der Gedanke unangetastet zu sterben ist jedoch immer noch sehr stark, obgleich wohl die meisten zugäben, dass man seine Organe nach dem Tod nicht mehr benötigt. In gewisser Hinsicht sind wir ein wenig wie die Alten Ägypter, die ihre Organe noch im Jenseits benötigten und ihr Herz zu wiegen hatten vom Tod Anubis, mit dem nicht grade gut Kirschen essen war. Die Organe, die anderen das Leben retten könnten, liegen im Sarg oder enden als Asche – völlig paradox!

Man mag zu Tage bringen, dass man als Spender das Leben eines chronischen Drogensüchtigen und somit einem Wrack retten könnte, der ein Spendeorgan wohl nicht so sehr verdient hat, wie ein Kind von acht Jahren. Doch wie lässt sich Leben aufwiegen? Sagte nicht schon Oscar Wilde, dass jeder Heilige eine Vergangenheit und jeder Sünder eine Zukunft hat. Wir wissen zwar nicht an wen diese Organe gehen, aber ist das denn so wichtig? Gandhi war auch Raucher, Trinker, Dieb und Bordellgänger als er 13 war.

10000 Menschen warten auf ein Spendeorgan, 8000 davon warten auf eine Niere, und hier ist deine Chance ein Leben zu retten. Sicher lebst du ein langes glückliches Leben mit der immer besser werdenden Medizin und wenn nicht, ist dann dein Herz besser in deiner Leiche aufbewahrt oder besser in dem Körper eines kleinen Mädchens, das dank deiner Hilfe ein langes Leben vor sich hat?

Informationen

  • Text: Josef Appelhans
  • Foto: Josef Appelhans
  • Datum: 19. August 2019
  • Kategorie: Soziales Politik Ratgeber