Der Aufstieg Skywalkers – Ein würdiger Abschluss einer Kult-Reihe?

Millionen von Menschen strömen wieder in die deutschen Kinos. Grund dafür: Ein letztes Mal einen letzten Teil einer Kult-Reihe zum ersten Mal schauen. Nachdem viele bereits nach dem dritten Teil der STAR WARS-Reihe (2005, insgesamt der sechste der bis dahin erschienenen Teile der STAR WARS-Reihe), dachten, dass die STAR WARS-Saga abgeschlossen ist, staunten sie nicht schlecht als 2015 ein siebter Teil erschien, welcher sowohl den alten, als auch neuen Helden der Galaxis eine Bühne bot. Im Dezember 2019 endete die Saga nach neun Filmen dann aber endgültig, als mit dem ,,Aufstieg Skywalkers" ein Schlussstrich gezogen wurde. Allerdings ist der neunte Teil auch einer der umstrittensten Filme aus J. J. Abrams' Feder. Doch ist die Kritik am Film gerechtfertigt?

Nach 2 1/2 Stunden im Kino war ich schlauer und kann Euch mal einen Einblick in den Film geben!

Vorneweg ist zu sagen: Wer den Film noch nicht geschaut hat, sollte ihn lieber erst einmal schauen, um nicht gespoilert zu werden ;D. Auch sollte sich jeder Einzelne eine eigene Meinung zum Film bilden. Diese Kritik dient nur als Anregung.

STAR WARS war für mich in der Kindheit schon eine Film-Reihe, die mich einfach mitgenommen hat. Und ich war nicht allein: Viele Millionen Menschen verfolgten die Geschichten aus dem Weltraum und die Stories von Helden wie Luke und Anakin Skywalker, Obi-Wan, oder auch den dunklen Lords, wie Darth Vader oder dem Imperator Palpatine.
Auch ich war 2014 sehr überrascht als angekündigt wurde, dass es mit einem siebten Teil eine Fortsetzung von einer der beliebtesten Film-Sagen weltweit geben wird. 2015 erschien der siebte Teil "Erwachen der Macht" dann in den Kinos. 2017 folgte der achte Teil ,"Die letzten Jedi" und im Dezember schloss der neunte Teil die Saga ab.
Statt den Charakteren aus dem vierten bis sechsten Teil, wie Ben (Obi-Wan) Kenobi, Darth Vader und dem Imperator, waren nun die "Schrottsammlerin" Rey, Han Solo's Sohn, der auf der dunklen Seite stehende Kylo Ren und der Ex-Sturmtruppler Fynn tragende Figuren in der "weit entfernten Galaxis".

Natürlich waren aber auch die letzten Überlebenden aus der "alten" Saga rund um Chewbacca, Leia Organa oder auch Han Solo vertreten, welcher, nachdem sein Sohn ihn im siebten Teil tötete, allerdings nur als Geist erschien.

Aber nun zum neunten Teil: Was passierte ihn ihm, was erst nach dem Sehen verarbeitet werden konnte und wie fand ich ihn? Nun, ich betrat den Kinosaal schon mit einer hohen Erwartung an den Film, da der achte Teil handlungstechnisch nicht sehr aufschlüssig war und bis auf den Fakt, dass Kylo Ren (Ben Solo) und Rey durch die Macht miteinander verbunden sind, nicht viel an Vor-Informationen für den neunten Teil hergab.
Somit ging ich von Anfang an mit einer Forderung an den Film zu meinem Sitz. Ich wollte erfahren, wie die Saga, die so vielen Menschen Spaß und Freude bereitet, endet. Und ich war nicht allein!

Die Fortsetzung der Saga beginnt auch sehr plötzlich: Imperator Palpatine ist wie aus dem Nichts zurück und will eine neue "letzte" Ordnung formen, die das Ende des Widerstandes bedeuten sollte. Der neue Anführer der Ersten Ordnung, Kylo Ren, sucht ihn mithilfe eines speziellen Suchgerätes auf und findet ihn, mit der Absicht Palpatine zu töten, um endgültig die Macht über die ganze Galaxis zu erlangen, ohne auf der dunklen oder hellen Seite zu stehen.
Für den Zuschauer ist es natürlich in dem Moment eine schwer zu verarbeitende Szene. Woher kommt plötzlich Palpatine zurück und warum tötet Kylo Ren ihn nicht einfach? Leider besteht der Film reihenweise aus nicht ganz logischen Szenen, gibt allerdings auch keine Bedenkzeit, da so viele einzelne "Stories" Schlag auf Schlag folgen.

Palpatine erklärt dem Sohn Han Solo's, dass er es war, der Rey und Kylo Ren (Ben Solo) mit der Macht verbunden hat und an allem beteiligt war, was nach dem sechten Teil passierte. Er bietet Ren eine Flotte von Sternenzerstörern an. Laut Palpatine soll es auch Rey sein, die mit Ren und ihm zusammen über die Galaxis herrschen und die dunkle Seite an die Spitze bringen soll. Auch erzählt der Imperator Ren die Wahrheit über die unklare Vergangenheit der "Schrottsammlerin". Er ist ihr Großvater und sie ist eine Palpatine.

In dem Moment fragte ich mich: Ernsthaft? Es kam noch etwas Überraschenderes als Palpatine's Rückkehr. Aber nach einigem Nachdenken bestätigte sich meine Befürchtung aus den zwei vorherigen Teilen.

Die neue "Skywalker-Saga" ab 2015 besitzt so ziemlich das selbe Schema, wie die Filme davor, nur umgekehrt. Während in den alten Filmen Anakin Skywalker zur dunklen Seite wechselt und zu Darth Vader wird, aber mit Leia und Luke zwei Kinder bekommt, welche auf der helle Seite stehen, so ist Leia's und Han Solo's Kind Ben (Kylo Ren), welches von "hellen" Eltern kommt, böse. Auch ist das Gegenstück des Bösewichts, in dem Falle Rey, diejenige, die zwischen Hell und Dunkel steht, wie Anakin es einst tat, aber im Gegensatz zu ihm nicht auf die dunkle Seite wechselt.

Ich hatte mir von dem Film mehr Kreativität für eine Story erhofft und war schon ein wenig enttäuscht.

Der Widerstand rund um Rey erfährt daraufhin von einem geheimen Spion von der Rückkehr Palpatines.
Rey ist es auch, die mit Leia Organa zusammen auf dem Stützpunkt des Widerstandes trainiert. Sie ist die letzte überlebende Jedi-Ritterin nach Luke Skywalker und übt zusammen mit dem rollenden Droiden BB-8 den Umgang mit der wohl charakteristischsten Waffe, die STAR WARS zu bieten hat, dem Lichtschwert.
Doch das Training gestaltet sich schwierig. Die Verbindung zu Kylo Ren bringt das Mädchen aus der Bahn. Sie kann mit ihm über die Macht kommunizieren und so versucht Kylo Ren sie immer wieder zu sich ins Boot zu holen, um mit ihr über die Galaxis zu herrschen. Zugleich droht er ihr: Falls sie, (wie in der Handlung des achten Films) zurückzieht, würde er keine Gnade mehr zeigen.

Diese Szene tat dem Film zu dem Zeitpunkt enorm gut. Es wurde ein wenig Wind aus den Segeln genommen, da diese Szene an den vorherigen Film anknüpfte und Zeit zum Verarbeiten des gerade Gesehenen/Erfahrenen gab.

Aber diese Zeit war auch schnell wieder vorbei, denn es ging sofort weiter mit "Input" für den Zuschauer. Ex-Sturmtruppler Fynn, Pilot Poe Dameron, Han Solo's treuer Weggefährte Chewbacca, die Droiden C3PO, BB-8 und Rey machen sich auf die Suche. Auf die Suche nach einem der zwei Suchgeräte, welche zum Imperator führen. Nach diesem hatte Luke Skywalker lange Zeit gesucht, nun wollen die Helden des Widerstands fortsetzen, was Luke begann und den Imperator finden.

Dort begann der Film so richtig. Ich war gespannt auf die Story und nun war auch ein klarer Plan und vor allem ein Ziel zu erkennen, sodass der Film nicht mehr so planlos wirkte wie zu Beginn. Zwar waren die meisten einzelnen Szene danach nicht mehr so bedeutend, sondern bauten alle eine Story auf. Eine Story, die dem achten Teil meiner Meinung nach z.B. fehlte.

Nachdem die vier Freunde, gefolgt von zwei Droiden, auf dem Wüstenplaneten Passana nach dem Schiff eines ehemaligen Anhängers der dunklen Seite suchen (welches auch Luke Skywalker suchte) und auf Lando Calrissian, einen bedeutenden Piloten aus den Filmen 4 bis 6, treffen, finden sie nach dem Einsinken in Treibsand einen Dolch, auf dem Hinweise stehen, wie sie zu einem der Suchgeräte kommen.
Sie bitten C3PO, welcher für seine Fähigkeit zu Übersetzen bekannt ist, die Zeichen auf dem Dolch zu entschlüsseln. Der goldene Droide kann diese zwar lesen, allerdings sind sie in einer Sith-Sprache verfasst, sodass die Programmierung des Roboters es ihm verbietet, diese zu übersetzen und auszugeben.

Durch diese Situation wird die Suche nach Palpatine schwer, was die Spannung steigen lässt und dem Film eine gute Note verleiht. Die zuvor auffallende Ähnlichkeit im Schema wird nun etwas aufgelockert, da ein Droide wie C3PO in ALLEN vorherigen STAR WARS-Teilen noch nie so eine wichtige Rolle gespielt hat und somit etwas Neues und Aufregendes im Film entsteht.

Poe erzählt seinen Freunden von einer möglichen Lösung des Problems. Er kennt jemanden, der C3PO's Programmierung abändern und somit Informationen zugänglich machen kann. Zwar ist C3PO verständlicherweise nicht begeistert, allerdings stimmt er zu. Auch dem Rückweg zu dem Schiff, welches sie zu dieser Person bringen soll, ereignen sich zudem weitere interessante Geschehnisse.

Dadurch, dass die Erste Ordnung Wind von dem Aufenthaltsort des "Widerstand-Trupps" bekommt, ist es Poe und seinen Freunden nicht möglich, zu ihrem Falken zurückzukehren. Bevor sich die vier Freunde aber auf den Weg machen können, möchte Rey Zeit für sich haben und geht ein paar Meter in die weite Wüste. Dort wird sie wieder von der Machtverbindung zu Kylo Ren heimgesucht. Ren rast in seinem Raumschiff auf Rey zu. Dies ahnen ihre Freunde jedoch nicht.

Dort wurde wieder einmal klar, wie gespalten Rey zwischen Gut und Böse ist. Allerdings baute diese Szene auch eine große Spannung auf. Die Ereignisse überschlugen sich im wahrsten Sinne des Wortes, als Rey Kylo Ren's Schiff zum Absturz bringt, während Chewbacca beim Versuch, Rey zu ihren Freunden zurück zu locken, von Sturmtruppen der Ersten Ordnung verhaftet wird. Aber dies ist in dem ohnehin schon teilweise "überladenen" Film natürlich noch nicht alles. So zerstört Rey beim Versuch, die Kontrolle über den Frachter, in welchem Chewbacca scheinbar abtransportiert wird, zu erlangen, genau diesen Frachter mit Machtblitzen. Dies schockiert nicht nur Rey, sondern auch Kylo Ren und vor allem so ziemlich jeden im Kinosaal, da wohl jeder dachte, dass "Chewie" tot sei.

Diese Szene ist in meiner Kritik die Schlüsselszene. Sie war einfach zu viel des Guten. Zum Zeitpunkt des ersten Schauens war sie natürlich sehr positiv in Erinnerung.
Nicht unbedingt wegen der Handlung, sondern aufgrund des Unterhaltungsfaktors des Szene.
Wäre der Film so zu Ende gegangen und hätte auf einen letzten und zehnten Teil vorbereitet, wäre es meiner Meinung nach viel besser gewesen. Jeder hätte den Saal mit vielen Fragen im Kopf verlassen: Was passiert mit Chewbacca? Was mit Kylo Ren und Rey? Und den Imperator gab es ja auch noch.

Fragen, die in der kurzen Zeit zwischen den Szenen wohl nicht so schnell aufgekommen wären. Wäre der neunte Teil auf zwei Filme aufgeteilt, könnten die "planlosen" Szenen besser aufbereitet und dem Zuschauer mehr Zeit zum Nachdenken gegeben werden.
So lässt sich schon, ohne auf die zweite Hälfte im Detail einzugehen, nach der ersten Hälfte des Films klar sagen, dass der neunte STAR WARS-Teil ein guter Film ist, der unterhaltsam für klein und groß ist, eine gute Story hat, aber auch etwas hektisch und dadurch nicht leicht zu verstehen.

Wie schon erwähnt: Der Film ist zu überladen. Dies macht ihn zum Anschauen zwar sehr unterhaltsam, aber viel zu zäh und vor allem lang, sodass die zweineinhalb Stunden sich endlos anfühlen und man regelrecht zugedröhnt wird.

Um auf die zweite Hälfte einzugehen: Diese finde ich sehr gut!

Sie ergibt von vorne bis hinten Sinn, enthält keine kleinen nervigen Zwischenszenen und stellt das innere Brodeln in Ben Solo (Kylo Ren) dar, ebenso wie die Bindung zwischen ihm und Rey. Auch hätte ich zur Hälfte des Films niemals gedacht, dass der junge Solo plötzlich mehr zur Hellen, Rey allerdings zeitgleich mehr zur Dunklen Seite wandert, was man von den beiden garnicht gewohnt war.
Genau vor dem Imperator finden sie dann zusammen und werden beide mithilfe des Gleichgewichts auf die Seite gegenüber Palpatine's gesetzt, sodass ihnen der Kampf gegen ihn leichter fällt.

Sie helfen sich über ihre Verbindung immer wieder auf, sodass sie gegen die größte Bedrohung gemeinsam stark sind, während ihre Freunde im Weltraum gerade in den größten Schwierigkeiten sind.

Dadurch entsteht sogar ein kleines Drama. Verluste im Weltraum, die nach dem Auslöschen Palpatine's zwar auf die dunkle Seite umschwenken und den Widerstand im Weltraum retten.
Aber auch Rey scheint verloren zu sein, ehe Ben Solo sie wiederbelebt (wie sie es für ihn nach dem Kampf der beiden tat) und sich für sie opfert, was sie widerum mit einem Kuss erwidert.
So entsteht sogar noch eine kleine Love-Story, da sie verwandt sind, sich aber nie wirklich gegenseitig mögen konnten, geschweige denn wollten.

Und so endet auch der Krieg zwischen Gut und Böse, der über neun Filme und mehrere Lichtjahre lang viele Menschen berührte. Der Widerstand siegt und Rey ist die Heldin. Aber eine Sache war ja immernoch ungeklärt: Was ist mit ihrer Herkunft? Ist sie wirklich eine Palpatine und tritt sie ihr Erbe an?

Die zwei letzten Fragen wurden im Laufe des Films schon beantwortet, die erste beantwortet sich in einer gut gelungenen Schlussszene auf Tatooine, der Heimat der Skywalkers, Luke, Leia und auch Anakin.

Rey vergräbt die Lichtschwerter von Luke und Leia, welche Luke ihr zum Kampf gegen Palpatine mitgab. Eine "Passantin" kommt vorbei und fragt sie, wer sie sei. Rey antwortet natürlich Rey, muss aber nach die Frage, wie ihr Name denn weitergeht lange nachdenken, bis sie schließlich "Skywalker" sagt, womit der Film ein schönes Ende findet.

Jetzt aber mein entgültiges Fazit:
Dass der Film ,,Der Aufstieg Skywalker's" überladen und besser in zwei Filme hätte verpackt werden können, habe ich ja bereits schon erwähnt. Nun aber zur Handlung im Gesamten, welche ich sehr gut gelungen finde.
Nachdem der Film fahrt aufnimmt, beginnt die Mission der vier Widerstands-Kämpfer und Freunde Sinn zu ergeben und ist gut für Überraschungen.
Vor dem Film hätte wohl niemand damit gerechnet, dass C3PO sich für seine Freunde zwischenzeitlich opfert, Chewbacca für tot gehalten wird und schon garnicht, dass Rey und Ben Solo sich küssen würden.
Dadurch, dass es aber so kam, war der Film sehr unterhaltend und nie langweilig, woran die Überladung aber natürlich auch einen Anteil hat.
Im Großen und Ganzen ist der Film aber ein würdiger und guter Abschluss ein Saga, die bereits in den 80ern begann!

Würde ich den Film weiterempfehlen?
Ich denke mal, dass kein STAR WARS-Fan sich den Film entgehen lassen sollte, nur weil er nach Außen hin umstritten ist. Mehr sollte man sich auf den Abschluss einlassen und gucken, wie (s)eine Lieblings-Saga endet.

Für jemanden, der allerdings noch nie einen STAR WARS-Film gesehen hat, wäre der Film alleine wohl nicht empfehlenswert. Man braucht, wie bei jedem STAR WARS-Teil, einfach das Vorwissen der vergangenen Episoden. Gerade im neunten ist dieses, durch die teilweise sehr komplizierten Szenen, essenziell. Jemand, der die Episoden 3 bis 6 nicht geschaut hat, wird z.B. mit Palpatine fast garnichts anfangen können.

Falls man jedoch nicht wegen der Handlung in den Kinosaal geht, sondern um gut unterhalten zu werden, dann ist der Film auch für einen Laien ein sehr gut gelungenes Drama, voller Hochs und Tiefs, welches man am Ende dann auch ohne Vorwissen einigermaßen versteht...

Aber vielleicht war der Film ja nicht das Ende von STAR WARS an sich und wir können uns noch über viele weitere Abenteuer aus den wohl bekanntesten Galaxien der Filmwelt freuen! In diesem Sinne: Möge die Macht mit Euch sein!

Informationen

  • Text: Max Dymel
  • Foto: Max Dymel
  • Datum: 26. Januar 2020
  • Kategorie: Kultur