Fasten – natürlich, effektiv und eine Chance für dauerhafte Veränderung

Ort: Buchhandlung. Abteilung: Gesundheit und Ernährung. Vor mir: der Tisch, auf dem die derzeit angesagten Bücher präsentiert werden. Thema: Fasten. Dieses Thema hat in den vergangenen Jahren schleichend aber konstant enorm an Popularität gewonnen. Neben Saft-Fasten, Basen-Fasten oder Heil-Fasten ist vor allem das Intervallfasten derzeit ein Begriff, dem man nicht entkommt, wenn man sich nur ein wenig für Gesundheitsthemen interessiert. Fasten scheint ein neuer Gesundheitstrend zu sein. Was aber ist das eigentlich und ist es wirklich so neu?

Fasten liegt in der Natur
Fasten meint, für eine gewisse Zeit auf alle oder gewisse Nahrung zu verzichten. Die Fähigkeit dazu haben wir alle, denn sie liegt in der Natur.
Tiere, die Winterschlaf halten, leben von ihrem Winterspeck, den sie sich vorher angefressen haben. Raubtiere fressen dann, wenn sie auch etwas zu Fressen finden. In der Zwischenzeit leben auch sie von ihrem Nahrungsdepot. So kann der Wolf beispielsweise wochenlang ohne Nahrung auskommen. Dennoch legt er in dieser Zeit enorme Strecken zurück. Ganz ähnlich verhält es sich mit Zugvögeln. Auf ihren Non-stop-Flügen legen sie bis zu 5.000 Kilometer zurück. Das Besondere: In dieser Zeit fressen sie nicht. Die Grundlage für ihren Marathonflug bieten die Kraftreserven, die sie sich vor dem Abflug in den Süden, in der zweiten Hälfte des Sommers angefuttert haben. Doch auch andere Tiere scheuen in Zeiten von Nahrungsentbehrung keine anstrengenden Aktivitäten. Gämse, Steinböcke und Hirsche finden im Winter kaum zu Fressen. Dennoch fällt (vielleicht gerade deshalb) in diese Zeit die Brunft- und Paarungszeit.

Auch wir Menschen wären ohne die Fähigkeit, ohne feste Nahrung auszukommen, in der Evolution nicht so weit gekommen, wie es der Fall ist. Denn unfreiwilliger Nahrungsentzug kam immer wieder vor, sei es durch Misserfolg auf der Jagd oder beim Sammeln in der Zeit von Jägern und Sammlern, sei es durch Missernten, Krieg oder einfach Jahreszeiten-bedingt seit Beginn des Ackerbaus. Der Umstand in den westlichen Ländern, dass nahezu überall 24 Stunden lang Nahrung verfügbar ist, ist im Gegenteil ein evolutionärer Ausnahmefall. Und so entsteht das Paradoxon, dass der menschliche Körper ohne weiteres mehrere Wochen ohne Nahrung auskommen, die permanente Zufuhr von Nahrung für ihn jedoch eine Belastung darstellen kann.

Fasten gibt den Verdauungsorganen eine Pause
Alles was wir essen, wird von unseren Verdauungsorganen in mühsamer Kleinstarbeit bis auf Molekülebene zerkleinert bis nur noch Moleküle aus Eiweiß, Fetten und Zucker vorhanden sind. Dadurch steigt der Blutzucker in unserem Körper an. Um diesem Anstieg entgegenzuwirken, wird Insulin ausgeschüttet. Dieses körpereigene Hormon bewirkt, dass der Einfachzucker (Glucose) abgebaut und von unseren Zellen verarbeitet werden kann. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel wieder. Zucker ist der schnellste Energielieferant und wird regelmäßig als erstes zur Energiegewinnung verwendet. Erst wenn die Glucosevorräte aufgebraucht sind, wird Energie aus Fetten gewonnen. Dieser Effekt tritt bereits beim sogenannten Intervallfasten ein.

Bei Nahrungspausen, die über mehrere Tage dauern, stellt der Körper schließlich auf einen zweiten Energiehaushalt um. Da in dem Fall kein schnell verfügbarer Zucker mehr eintrifft, zehrt er immer weiter von körpereigenen Fettdepots und auch Proteinen. Da die Verbrennung körpereigener Depots viel energiesparender ist, steht dem Körper in der Zeit auch bis zu 30 % mehr Energie zur Verfügung. Energie, die für Aktivitäten aller Art verwendet werden kann. Schließlich spürt der Körper in dieser Zeit auch keinen Hunger mehr. Denn Hunger signalisiert, dass die Verdauungsorgane bereit für die Nahrungsaufnahme sind – sich also im ersten Energiehaushalt befinden. Diese großen, aber auch schon kleine Verdauungspausen ermöglichen dem Körper also den Abbau von anderen körpereigenen Stoffen, einerseits zur Energiegewinnung, andererseits auch zu Reinigungs- und Heilungszwecken. So können durch den Nahrungsverzicht der Cholesterinwert und Insulinresistenz gesenkt werden. Außerdem kann Fasten bei chronischen Erkrankungen wie Arthrose, Bluthochdurck oder Migräne eine positive Wirkung haben. Ebenso ist Fasten für Patienten mit Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine gute Sache. Weiterhin schützt Fasten das Gehirn und kann damit Alzheimer vorbeugen sowie Multiple Sklerose stark verringern. Dass sich durch Fasten sogar die Verträglichkeit von Chemotherapien bei Krebsbehandlungen verbessern könnte, legte 2016 eine Studie um das Forscherteam um Doktor Valter Longo von der University of Southern California in Los Angeles nahe.

Fasten ist keine Null-Diät
Obwohl die gesundheitlichen Vorteile des Fastens bereits im antiken Griechenland bekannt waren, gibt es erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts erste seriöse Studien zu dem Thema. Daraufhin entwickelten sich verschiedene Formen des Fastens heraus, die heute eine vielfältige Grundlage bieten, dem Thema näher zu kommen. Keine Form des Fastens ist in jedem Fall jedoch die sogenannte Null-Diät. Zwar ist diese Diätvariante mit der Fastenmethode nach Otto Buchinger insoweit vergleichbar, dass über mehrere Tage nichts gegessen wird. An der Stelle hört Buchinger jedoch nicht auf. Stattdessen werden pro Tag bis zu 400 Kalorien in Form von zwei bis drei Litern Wasser, Kräutertee, Gemüsebrühen und Obstsäften zu sich genommen. Dadurch kann der Körper die beim Fasten entstehenden sauren Abbauprodukte neutralisieren und ausscheiden. Außerdem wird der Entgiftungsprozess durch viel Bewegung, Kneipanwendungen und Entspannung zusätzlich gefördert und mündet in einer Aufbauphase, durch die eine möglichst gesunde Ernährung in den Alltag verankert werden soll. Da das ziemlich viel auf einmal sein kann, gibt es Fastenärzte und Fastenleiter, die einen bei dem Prozess begleiten.

Fasten ist also kein wirklich neuer Trend. Der freiwillige und kontrollierte Verzicht auf Nahrung eröffnet uns jedoch tolle Perspektive für die eigene Gesundheit und einen gesunden und bewussten Lebensstil.

Quellen:

Informationen

  • Text: Kareen Vieweg
  • Foto: Kareen Vieweg
  • Datum: 06. Februar 2020
  • Kategorie: Ratgeber