Das Vermächtnis des Karl May

Karl May, geboren 1842 in Ernstthal, gestorben 1912 in Radebeul, gilt als einer der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren. Die weltweite Auflage seiner Werke liegt bei schätzungsweise 200 Millionen, die Hälfte davon in Deutschland. Dass Mays Romane früher von großer Bedeutung waren, ist unstrittig. Doch wie sieht es heute aus? Besteht noch ein Interesse an Mays Geschichten unter den Jugendlichen oder wird May gar nicht mehr gelesen? Dazu habe ich recherchiert.

Karl May wird heute noch gelesen, wenn auch nicht mehr so häufig und von einer so breiten Masse. Vor allem bei „älteren“ LeserInnen, die Mays Helden um Winnetou und Old Shatterhand noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen, sind seine Abenteuerromane noch beliebt. Zudem schätzen auch andere SchriftstellerInnen Mays Werke und dessen Fantasie: So habe beispielsweise der spanisch-peruanische Autor Mario Vargas Llosa Mays Werke als Jugendlicher verschlungen, Quentin Tarantino sehe in Mays Romanen die Vorläufer des Italowestern und sogar Jean-Claude Juncker soll eine vollständige Karl-May-Sammlung besitzen. Somit ist Karl May wohl doch nicht seit den 1950er Jahren out, wie es angeblich heißt.


Dennoch lesen die Jugendlichen von heute Karl May eher weniger. Viele Bibliotheken und Buchhandlungen behalten Mays Romane nur in ihren Sortimenten, da sie Weltliteratur seien und zu den Klassikbeständen gehörten, während andere Mays Werke schon aussortiert haben. Heutzutage seien eher Fantasyromane oder Dystopien bei jungen Leuten populär.

Allerdings bleibt das Interesse an Mays Geschichten und Figuren bestehen – wenn auch nicht im Medium Buch. Die Verfilmungen der Romane um Winnetou und Old Shatterhand erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit – auch unter den Jugendlichen.


Somit hat sich die Nachfrage nach Mays Geschichten aus dem Orient und dem Wilden Westen verlagert. Früher wurde mehr gelesen, heute werden mehr Verfilmungen der Romane angesehen. Aber – und das ist das Entscheidende – Mays Werke waren niemals out – und das werden sie hoffentlich auch niemals sein.


Quellen:

 

Informationen

  • Text: Sara Schneider
  • Foto: Sara Schneider
  • Datum: 17. April 2020
  • Kategorie: Kultur