Maibräuche

Vom Maibaum bis zum Hexentanz – Maibräuche sind deutschlandweit sehr verbreitet und trotzdem gibt es regionale Unterschiede. Auch wenn 2020 viele Traditionen rund um den ersten Mai aufgrund der Corona-Krise ausfallen mussten, möchte ich Euch dennoch in diesem Artikel einige der Maibräuche vorstellen.


Maibaum

Der Maibaum hat zwei Bedeutungen beziehungsweise es gibt zwei verschiedene Varianten der Tradition.

Zum einen wird in vielen Gemeinden in Deutschland zum ersten Mai ein geschmückter Maibaum am zentralen Platz der Gemeinde aufgestellt. Traditionell wird zum Transportieren und Aufstellen des Baums nur Muskelkraft angewandt und in Bayern wird die Tradition von einer Blaskapelle begleitet. Je nach Region findet das Aufstellen des Maibaums entweder am Abend des 30. April oder am ersten Mai statt.

Die Herkunft der Tradition ist nicht ganz klar: Der Maibaum soll für Fruchtbarkeit stehen oder ein Brauchtum aus dem Mittelalter sein, wobei beide Argumente sich nicht zwingend ausschließen. Zum Brauchtum des Maibaum-Aufstellens gehört auch der Maibaum-Klau. Dabei werden die bereits verzierten Maibäume vor dem Aufstellen geklaut und später beispielsweise gegen Brotzeit und Bier (in Bayern) zurückgegeben.

Die zweite Bedeutung und Verwendung des Maibaums findet im privaten Kreis statt. In einigen Landesteilen wie im Rheinland, Saarland, Bergischen Land, in Franken und Schwaben stellen junge Männer ihrer Liebsten einen bunt geschmückten Maibaum vor die Tür, der als Gunstbeweis dient und nach einem Monat wieder abgeholt wird. Diese Maibäume werden auch Liebesmaien genannt. Üblicherweise lädt dann die Frau den Mann, wenn sie ihn mag, zum Essen ein.

Diese Tradition hat sich bis heute so gewandelt, dass in Schaltjahren auch Frauen den Männern einen Maibaum vor die Tür stellen.

Das Gegenstück zu den Liebesmaien bilden die sogenannten Schandmaien, wobei statt des geschmückten Maibaums ein verdörrter Zweig in den Vorgarten gesetzt wird.

Hexentanz und Walpurgisnacht

Die Walpurgisnacht wird vom 30. April auf den ersten Mai gefeiert und geht auf germanische Ursprünge zurück. In der Walpurgisnacht wird das Ende des Winters und der Anfang des Frühlings gefeiert, traditionell auch die Hochzeit des obersten Germanengottes Wotan beziehungsweise Odin. Dabei werden auch böse Geister durch Feuer, Schüsse und Verkleidungen als Hexen vertrieben. Der Sage nach versammeln sich die Hexen in der Stadt Thale, um von da aus zum Brocken zu fliegen, der als legendäres Zentrum der Walpurgisnacht gilt. Dort findet dann das Hexenfest mit dem Hexentanz statt.

Die Walpurgisnacht wird am Vorabend der Heiligsprechung der heiligen Walburga gefeiert. Diese war Äbtissin eines Nonnenklosters und ist heute die Schutzpatronin gegen Aberglauben und Geister.

Maifeiertag

Neben Feierlichkeiten, die auf mittelalterliche und sagenumwobene Bräuche zurückgehen, wird am ersten Mai auch der Tag der Arbeit gefeiert. Dabei gibt es verschiedene Kundgebungen, bei denen Arbeitnehmer und Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung demonstrieren. Allerdings haben diese Kundgebungen heutzutage an Bedeutung verloren, was auch die geringer werdende Anzahl an Teilnehmenden bestätigt.

Insgesamt gibt es also sehr viele verschiedene Traditionen und Brauchtümer, den ersten Mai zu feiern. Ob man das nun allein oder gemeinsam, traditionell oder modern, auf Kundgebungen, Zuhause oder vielleicht auch gar nicht macht, ist egal. Ich finde es wichtig, friedlich zu feiern und seine Meinung zu äußern, auch wenn in Städten wie Hamburg oder Berlin Maikrawalle fast schon jedes Jahr dazugehören. Gerade aber in dieser Zeit, in der wir alle mit dem Corona-Virus und seinen Auswirkungen zu kämpfen haben, sollten wir zusammenhalten und uns gegenseitig Freude und Hoffnung schenken. Vielleicht auch einfach mit einem kleinen Mai-Gruß über unser Smartphone.


Quellen:

Informationen

  • Text: Sara Schneider
  • Foto: Sara Schneider
  • Datum: 04. Mai 2020
  • Kategorie: Stadt Kultur