Von Bonn nach Schweden und zurück – Teil II

Acht Bonner Studenten auf einer Kanureise in Schweden – kann das gutgehen? Im ersten Teil der Reihe konntet Ihr über die Reiseplanung, die Anreise und unseren ersten Tag im Basiscamp lesen. Doch nun geht die Reise erst richtig los, denn es geht raus auf den See. Was wir erlebt haben, lest Ihr im zweiten Teil der Reihe:

Hinaus auf den See

Mit unseren zahlreichen Tonnen voller Material und Ausrüstung erreichten wir die Kanu-Anlegestelle am Ufer des Östra Silen, ein bekannter Sportangelsee in Rök, Schweden. Nach einer kurzen Einweisung und Sicherheitshinweisen wurden die Kanus beladen, was bereits eine körperliche Herausforderung war. In jedem Kanu befanden sich schließlich vier bis fünf Tonnen, ein Seesack und zusätzliche Ausrüstung, wie Säge oder Wassertank. Bewegt wurde ein Kanu durch zwei Personen, wobei die hintere das Kanu steuerte und die vordere es in Bewegung setzte. Wir tauschten die Besetzung der Kanus jeden Tag, ließen aber immer einen Mann und eine Frau zusammen fahren, damit die Kanus möglichst gleichmäßig vorankamen. Bei einer solchen Expedition ist es wichtig, dass auf dem Wasser alle möglichst nah beieinander bleiben, falls ein Kanu verunglücken sollte.

Dann fuhren wir los. Wer bereits in einem Kanu gesessen hat, der weiß, dass die gesamte Oberkörpermuskulatur gefragt ist, um möglichst effizient voranzukommen. Wir alle waren durchaus sportlich, doch würden auch bei uns fünf Stunden Kanufahren am Tag ihre Spuren hinterlassen.
Die Anstrengungen des Paddelns wurden jedoch belohnt mit einer einzigartigen Kulisse: Bei Windstille war der See vollkommen ruhig und spiegelte die Wälder am Ufer. Zu Beginn unserer Fahrt war der Himmel noch herrlich blau und es fiel leicht, die Kanus über den See zu bewegen. Das änderte sich leider mit einsetzendem Wind: Der See begann immer höhere Wellen zu schlagen und das Paddeln wurde zu einem Kraftakt. Wir kämpften schon bald um jeden Meter und waren sehr froh, als wir unser Tagesziel, den ersten Campingplatz, erreichten.

Die Campingplätze

Hier begann unsere Routine, die uns den Rest der Woche begleiten würde: Kanus anlegen, Tonnen ausladen, Zelte aufbauen, Holz hacken, Feuer machen und Essen zubereiten. Unsere Gruppe funktionierte dabei als ein gutes Team. Während die einen das Holz besorgten, bauten die anderen die Zelte auf. Ohne Zusammenhalt geht es auf einer solchen Reise nicht.

Die Campingplätze darf man sich dabei nicht wie jene in Deutschland vorstellen: Von einem Grill oder einem Duschhäuschen konnten wir nur träumen. In der schwedischen Wildnis bedeutet Camping das Zubereiten von Essen am Lagerfeuer und das Benutzen einer Ökotoilette. Gewaschen wurde sich im See, natürlich nur mit speziellem Duschgel, um dem Ökosystem nicht zu schaden. Spülen konnten wir unter dem Wasserkanister, der regelmäßig aufgefüllt werden musste. Bequemlichkeit suchten wir vergebens, aber das gehörte eben zu einer solchen Reise dazu.
Auf den Campingplätzen trafen wir immer wieder andere Gruppen mit den verschiedensten Nationalitäten. So teilten wir uns am ersten Abend das Lagerfeuer mit drei jungen Männern aus der Schweiz und im Laufe der Woche lernten wir Niederländer und Italiener kennen. Abenteurer kommen eben aus aller Welt.

Das Wetter hat andere Pläne

Die ersten Tage kamen wir noch gut voran: Wir befuhren mit den Kanus den Östra Silen und gelangten dann durch eine Schleuse auf den Västra Silen. Hier waren die Wellen wesentlich rauer und das Paddeln forderte enorm viel Kraft. Wir legten nur wenig Strecke zurück und waren abends sehr erschöpft. Das Wetter war auch auf den Campingplätzen nicht auf unserer Seite: Allzu oft mussten wir in einem Holzverschlag verweilen, der auf jedem ausgeschriebenen Platz zu finden war, und wenigstens etwas Schutz vor dem Regen bot, aber nicht vor der Kälte. Das wärmende Feuer wurde zu unserem liebsten Begleiter. Die freie Zeit am Nachmittag verbrachten wir daher mit lesen, rätseln und spielen.

Am Morgen hatten wir erneut die Kanus beladen und waren bereit zur Abfahrt. Wir waren auf einem Campingplatz, der in einer kleinen Bucht des Västra Silen lag und aus dieser mussten wir herausfahren, um den nächsten Platz erreichen zu können.
Der Wind fegte uns um die Ohren und mit jedem Paddelhieb kamen wir nur wenige Zentimeter voran, während die Wellen uns zwei Meter zurück warfen. Eines der Kanus kam dem Ufer schon gefährlich nahe und drohte dort zu kentern. Wir hatten nur das Ziel im Blick: Raus aus der Bucht, zurück auf den See, wo die Wellen in unsere Zielrichtung verliefen und uns mit Leichtigkeit dorthin tragen würden. Doch dann winkte unser Gruppenführer zum Umkehren…

Warum wir umkehren mussten und wie wir es schließlich wieder aus der Bucht geschafft haben, das lest Ihr im dritten und letzten Teil der Reihe: Von Bonn nach Schweden und zurück.

Informationen

  • Text: Silvia Stiepel
  • Foto: Silvia Stiepel
  • Datum: 14. Mai 2020
  • Kategorie: Soziales Kultur