Musikstreaming-Dienst Spotify

Während man früher Schallplatten und CDs gekauft hat, wird heute auf Handys und Laptops gestreamt. Spotify, Vorreiter und Marktführer im Musik-Streaming-Markt, hat dabei eine Bewegung ins Rollen gebracht, die die Art des Musikhörens radikal verändert. Welche Vor- und Nachteile dieses Modell mit sich bringt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Als 2006 der schwedische Musik-Streamingdienst „Spotify“ gegründet wurde, ahnte wahrscheinlich noch niemand, wie sehr sich in den nächsten Jahren die Musikindustrie verändern würde. Seit dem Aufkommen von Popmusik in den 50er Jahren und der damit verbundenen massenhaften Produktion von Tonträgern war man gezwungen einen Song zu kaufen, um ihn hören zu können – und nicht nur zufällig im Radio.

Mit der Gründung von Spotify dagegen wurde ein komplett neues Geschäftsmodell entwickelt. Durch Lizenzvereinbarungen mit Plattenfirmen und mit Künstlern ohne Plattenvertrag darf Spotify sein Angebot online zur Verfügung stellen. Die Nutzer können dadurch aus Millionen von Songs wählen, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen. Im Gegenzug erhalten die Labels bzw. die Künstler Geld von Spotify. Wie viel das ist, hängt dabei von ihrer Beliebtheit ab, also wie oft ihre Songs auf der Plattform gehört werden.

Dieses Modell ging dabei mehr als erfolgreich auf: Mit einem Umsatz von knapp 7 Milliarden Euro im letzten Jahr und 286 Millionen Nutzern ist Spotify weltweit die Nummer Eins auf dem Musikstreaming-Markt.


Doch wie verdient Spotify Geld, wenn seine Nutzer den Dienst kostenlos nutzen können?

Die Plattform macht ihren Umsatz auf zwei Arten:

 

Zum einen durch Werbung. Wenn man Spotify kostenlos benutzt, sieht bzw. hört man Werbung, die vor oder zwischen den abgespielten Songs präsentiert wird.

Zum anderen durch Abos. Je nachdem wie viele Personen ein Konto nutzen, muss man dafür zwischen 5 und 15 Euro pro Monat zahlen. Das kostenpflichtige Abo hat aber auch seine Vorteile. So kann man Spotify ohne Werbung nutzen, Musik herunterladen und offline hören sowie alle Songs in einer besseren Qualität hören.

Doch das Streamen von Musik birgt auch seine Schattenseiten. Besonders viel Kritik bekommt Spotify, wenn es um die Bezahlung von Künstlern geht. So muss ein Song auf der Plattform 254 Mal gestreamt werden, damit der Künstler 1 Euro damit verdient. Ein weiterer Faktor ist, ob der Künstler einen Plattenvertrag hat oder nicht. Auch den Einfluss, den Spotify auf seine Nutzer hat, kann man kritisch sehen. Zwar kann man nach einzelnen Songs und Alben suchen und eigene Playlisten erstellen. Doch werden seit ein paar Jahren Playlisten empfohlen und diese in den Fokus der Nutzer gerückt. Die Entscheidung darüber, was man hört, wird von Spotify also beeinflusst. Die Empfehlungen richten sich dabei nicht nach Künstlern oder Musikstilen, sondern nach Gefühlslagen, Tages -oder Jahreszeiten.

Hinter den Playlisten stecken dabei Unternehmen, die zu den drei größten Plattenfirmen weltweit (Sony, Warner und Universal) gehören. Songs von Künstlern, die bei Sony, Warner oder Universal unter Vertrag stehen, werden also eher gehört und nehmen mehr Geld ein als die von kleineren Firmen oder von Künstlern ohne Plattenvertrag. Wenn Nutzer Musik von kleineren Labels und unabhängigen Künstlern hören wollen, müssen sie diese selber auf der Plattform suchen.

Doch trotz der Kritik bilden Musik-Streamingdienste wie Spotify bereits jetzt die wichtigste Einkommensquelle für die deutsche Musikindustrie. Laut dem Bundesverband Musikindustrie hat Audio-Streaming im letzten Jahr ungefähr 55 Prozent des Gesamtumsatzes des Musikverkaufs in Deutschland ausgemacht. Zum Vergleich: Der Verkauf von CDs machte nur noch insgesamt 29 Prozent aus. Insgesamt stieg auch der Gesamtumsatz der Musikindustrie in Deutschland um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf ungefähr 1,62 Milliarden Euro.

Diese Zahlen beweisen, wie sehr Musik-Streamingdienste wie Spotify unsere Hörgewohnheiten verändert haben. Streaming bringt viele Vorteile vor allem für seine Nutzer. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft aber auch die (unabhängigen) Künstler mehr vom Streaming-Geschäft profitieren werden.


Quellen:

Informationen

  • Text: Simon Meinhof
  • Foto: Simon Meinhof
  • Datum: 13. Juni 2020
  • Kategorie: Kultur