Von Bonn nach Schweden und zurück – Teil III

Im zweiten Teil dieser Reihe über die Schwedenreise von acht Bonner Studenten konntet ihr über unsere ersten Paddelversuche im Kanu und unseren Alltag auf den Campingplätzen lesen. Unser Gruppenführer hatte uns schließlich bei dem Versuch, eine Bucht mit den Kanus zu verlassen, zum Umkehren aufgefordert. Weshalb wir umkehren mussten und wie unsere Reise durch Schweden endete, das lest Ihr im dritten und letzten Teil:

Die Rückkehr ins Basiscamp

Wir kehrten mit den Kanus um und erreichten erneut das Ufer des Campingplatzes, den wir eigentlich zu verlassen versucht hatten. Unser Freund und Gruppenführer erläuterte uns seine Entscheidung: Die Fahrt mit dem Kanu war bei diesen Bedingungen schlichtweg zu gefährlich, wie das beinahe gekenterte Kanu bewiesen hatte und da er die Verantwortung für uns trug, war das Umkehren die einzig richtige Entscheidung gewesen. Trotz Erschöpfung durch einen sinnlosen Paddelversuch, verstanden wir diese professionelle Entscheidung und akzeptierten sie. Doch wie sollte es weitergehen? Wir beschlossen, am nächsten Tag sehr früh aufzubrechen, da der See am Morgen meist ruhiger war und wir so die besten Chancen hatten, ohne Gegenwind voranzukommen. Dies bewahrheitete sich und wir konnten am nächsten Tag die Route zurücklegen, die wir eigentlich einen Tag eher hatten befahren wollen.

So erreichten wir den letzten Campingplatz unserer Reise, ehe wir in das Basiscamp zurückkehrten. Hier begrüßte uns ein herzliches Empfangskomitee: Zahlreiche Mücken, die uns am Ende dazu veranlassten, die kleine Insel „Mosquito Island“ zu taufen.

Die Mücken waren auch der Grund, weshalb ich an diesem letzten Morgen sehr früh auf den Beinen war. Doch sie bescherten mir damit einen der unvergesslichsten Momente meines Lebens: Ich verließ mein Zelt und stellte fest, dass außer mir noch niemand auf den Beinen war. Daher ging ich zum Ufer des Sees, wo unsere Kanus anlagen, setzte mich auf die Steine und betrachtete einfach nur das Wasser. Der See war spiegelglatt und ganz ruhig. Ich konnte unter meinen Füßen die Wasserläufer auf der Oberfläche sehen und in der Ferne Vögel über dem Wasser. Ich war ganz bei mir und der Natur, ohne die Zweifel, ohne den Stress und die Gedanken des Alltags. Diesen Moment wünsche ich mir heute noch öfter zurück und er wird immer ein Geschenk bleiben, das mir Schweden gemacht hat.

Der letzte Tag im Basiscamp

Wir verließen im Laufe des Tages „Mosquito Island“ und erreichten nach unserer letzten Fahrt mit dem Kanu wieder das Basiscamp. Wehmut, aber auch Erleichterung machten sich breit, denn die Fahrten mit dem Kanu waren anstrengender gewesen, als gedacht.

Im Camp bekamen wir dann endlich wieder ein paar der Annehmlichkeiten eines zivilisierten Lebens zu spüren: Fließendes Wasser und warme Getränke von einer Herdplatte! Hier verbrachten wir noch eine letzte Nacht und wurden am nächsten Tag, nach einem abschließenden Grillabend, wieder von dem Reisebus abgeholt. Die Rückreise war dabei ebenso langwierig wie die Hinfahrt, doch freuten wir uns alle auf Zuhause, was die Fahrt erträglich machte.

Das Fazit

Was bleibt nach einer solchen Reise?

Als Gruppe sind wir stärker zusammengewachsen. Wir mussten in dieser Woche als Team funktionieren, denn alleine kann niemand die ganzen Aufgaben bewältigen. Auch wenn es nicht immer nur harmonisch war, so haben wir uns noch besser kennengelernt und unsere Freundschaft wurde durch diese Reise definitiv gestärkt.

Die kleinen Dinge des Lebens weiß ich nun doch etwas mehr zu schätzen. Wie mühselig es ist, kein fließendes Wasser zu haben, für jedes warme Getränk erst einen Trangia (Spirituskocher) in Gang zu bringen oder ein Feuer zu machen und bei Regen nicht einfach ins Haus gehen zu können, sondern Schutz im Zelt oder einem Holzverschlag suchen zu müssen, das alles hat mir diese Reise gezeigt. Jedoch haben wir die Schönheit der Natur kennen lernen dürfen, wie wir sie in unserem Alltag in Bonn nur selten zu Gesicht bekommen.

Die ganze Reise hat uns vor allem eines: Entschleunigt. Ich kann eine solche Reise daher jedem mit gutem Gewissen empfehlen. Sie wird nicht einfach, aber sie wird sich lohnen.

Informationen

  • Text: Silvia Stiepel
  • Foto: Silvia Stiepel
  • Datum: 18. Juni 2020
  • Kategorie: Soziales Kultur Ratgeber