Warum True Crime Podcasts so erfolgreich sind

Egal ob „Zeit Verbrechen“, „Mordlust“ oder „True Crime Germany“ – True Crime Podcasts werden in Deutschland immer beliebter. Doch was fasziniert Menschen an realen Verbrechen? Und warum sind sie gerade bei Frauen so beliebt?

Die Faszination für Gewalt und Verbrechen ist nicht neu, sondern reicht weit in die Vergangenheit zurück. So wurden vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein von Botschaftern sogenannte „Bänkellieder“ dargestellt – Lieder, in denen dramatische Geschichten erzählt und mithilfe von Bildern verdeutlicht wurden. Der Hype um die sogenannten „True Crime Podcasts“ begann aber erst 2014, mit dem amerikanischen Format „Serial“, das sich als erster Podcast mit realen Mordfällen beschäftigte.

 

Doch worin liegt eigentlich der Reiz, sich mit Gewalttaten zu beschäftigen?

Nun dienen Kriminalfälle in erster Linie als Unterhaltung und sind in Deutschland schon lange beliebt. Das lässt sich zum Beispiel an der Langlebigkeit der Krimireihe „Tatort“ beweisen, die dieses Jahr bereits 50 Jahre alt wird.

Abgesehen davon helfen Verbrechen Menschen dabei, ihr persönliches Wertesystem zu definieren und zu festigen. Der Krimiautor Sebastian Fitzek behauptet sogar, dass Menschen hin und wieder eine „Nahtoderfahrung im kontrollierten Raum“ (z. B. durch eine Achterbahnfahrt oder durch das Lesen eines spannenden Buches) benötigen, um sich mit ihren Ängsten und Sorgen zu konfrontieren und diese zu verarbeiten. Im Nachhinein, so der Autor, kann man dann mit seinen realen Ängsten und Sorgen besser zurechtkommen.

Eine weitere Erklärung ist der Effekt des Gruselns. Wenn Menschen sich vor etwas gruseln, wird das Lust-System in unserem Körper aktiviert und Glückshormone werden ausgeschüttet. Außerdem verbindet das Angstgefühl Menschen miteinander. Darüber hinaus wollen die Menschen aber auch die Hintergründe für ein Verbrechen verstehen. Sie wollen wissen, warum eine Person ein Verbrechen begangen hat und was in seinem Kopf vorging, um die Tat nachvollziehen zu können.

 

Doch wer sind eigentlich die Hörer eines True Crime Podcasts?

Bei der Auswertung von Nutzungsdaten von True Crime Podcasts wurde festgestellt, dass sie besonders bei Frauen beliebt sind. Die Gründe dafür sind noch nicht wissenschaftlich belegt, aber es gibt verschiedene Ansatzpunkte. So zeigt eine Umfrage des Bundeskriminalamts und des Max-Planck-Instituts, das Frauen mehr Angst vor Gewalttaten haben als Männer. Und auch statistisch gesehen sind Frauen häufiger Opfer von Straftaten. Dadurch, dass Frauen also häufiger von diesem Problem betroffen sind als Männer, haben sie somit auch ein größeres Bedürfnis, sich mit dem Thema zu befassen. Auch sind Frauen tendenziell empathischer als Männer.

 

Quellen:

Informationen

  • Text: Simon Meinhof
  • Foto: Simon Meinhof
  • Datum: 29. Juni 2020
  • Kategorie: Kultur