Was ist Solidarität?

Mit dem Ausbruch des Coronavirus gerieten unerwartet viele Menschen auf unterschiedliche Weise, psychisch, physisch, wirtschaftlich oder sozial, in Not. In diesen schweren Zeiten wurde die Verbundenheit zur Familie und der Zusammenhalt von Freunden von vielen sehr geschätzt. Doch nicht alle konnten sich in ihrer Notlage an jemanden wenden und waren oft auf sich alleine gestellt. In diesem Zusammenhang kam immer wieder die Forderung nach mehr Solidarität. Aber was genau versteht man überhaupt unter Solidarität und wie funktioniert sie in unserer Gesellschaft?

Solidarität ist kein klar definierbarer Begriff. Er steht unter anderem für eine Art Zusammenhalt und ein gegenseitiges füreinander Einsetzen. Das können einzelne Personen oder Gruppen sein, die sich für jemanden politisch, materiell oder sozial stark machen. Eine frühe Benennung einer Art Solidarität entwickelte sich 1789 in der Französischen Revolution. Damals sprach man jedoch noch von „Brüderlichkeit“, denn der Begriff „Solidarität“ wurde zu damaligen Zeiten eher für kirchliche Gemeinschaften benutzt, deren Mitglieder eine Verpflichtung eingingen.

Die soziale Solidarität ist das, was eine Gesellschaft zusammenhält. Dabei gibt es zwei verschiedene Formen, aus der sie sich entwickeln kann: 1. aus der 'mechanischen Solidarität' oder 2. aus der 'organischen Solidarität'.

'Mechanische Solidarität'


Durch die ersten Arbeiterbewegungen ab 1830 festigte sich auch der Solidaritätsbegriff, denn die Arbeiterorganisationen bildeten eine Gemeinschaft, die sich für gemeinsame Ziele der Arbeiterklasse einsetzte. Gegenseitiger Beistand galt allen Mitgliedern, unbedeutend welcher Herkunft, Religion oder Kultur diese waren. Durkheim bezeichnete diese Art von Solidarität auch als „mechanische Solidarität“. Die mechanische Solidarität ist der Zusammenhalt einer Gemeinschaft, die Übereinstimmungen im Alltag und gemeinsame Ziele und Werte haben. Das können die gleichen religiösen Werte sein, aber auch derselbe Job. Früher gingen viele Menschen derselben Beschäftigung nach oder halfen sich gegenseitig gegen Naturkatastrophen. Es gab einen Gemeinschaftszusammenhalt, der auf gegenseitiger Hilfe beruhte, da man dieselben Interessen vertrat.

'Organische Solidarität'

Doch durch Einführung der Arbeitsteilung nahmen auch die Gemeinsamkeiten der Menschen ab. Heutzutage ist die Individualität jedes Einzelnen stark gewachsen, denn jeder vertritt verschiedene Interessen. Die unterschiedlichen Möglichkeiten in der Gesellschaft, was Arbeit, Lebensstil, aber auch den Glauben betrifft, erweitern die Verschiedenheiten noch mehr. Das bedeutet, die sozialen Kontakte sind heutzutage anonymer geworden, denn sie basieren nicht mehr so sehr auf persönlichen Bindungen wie früher, sondern berufen sich besonders in der Arbeitswelt auf gegenseitige Kooperation. Doch trotz dieser Unterschiede sind die Menschen auch heute immer noch und sogar verstärkt voneinander abhängig. Dieser Zusammenhalt wird von Durkheim als „organische Solidarität“ bezeichnet. Diese organische Solidarität hat die mechanische Solidarität so weit verdrängt, dass wir heutzutage eher von einer Gesellschaft sprechen, anstatt von einer Gemeinschaft.

Der Gemeinschaftsgedanke einer Solidarität kann aber durch internationale Bewegungen, wie z. B. die Frauenrechtsbewegung fortgeführt werden. Indem man sich gegenseitig solidarisch zeigt und einander hilft, kann Gerechtigkeit am Ende erreicht werden. Auch kann reflektierte Solidarität dafür sorgen, uns bewusster zu machen, wieso wir vielleicht jemanden aus der Solidargemeinschaft ausschließen, oder nicht. Wieso wir zu manchen Menschen schneller eine Verbindung eingehen und diese bereit sind zu unterstützen und andere wiederum nicht und welche Werte und Normen dabei für uns eine Rolle spielen.

Quellen:

Informationen

  • Text: Isabelle Jung
  • Foto: Isabelle Jung
  • Datum: 04. Juli 2020
  • Kategorie: Soziales Bildung