Musik in Zeiten der Corona Krise

Neben vielen anderen Branchen ist gerade auch die Musikszene stark von der Corona-Pandemie betroffen. Natürlich können Musiker größtenteils weiterhin Musik produzieren und ihre Songs und Alben auch noch digital an den Mann bringen, eine große Einnahmequelle für viele Beschäftige in der Musikindustrie ist allerdings so gut wie komplett weggefallen: das Live-Geschäft.

Die Zeit, in der Musiker den größten Teil ihrer Einnahmen mit ihren Verkäufen gemacht haben, ist lange vorbei, die goldenen Zeiten, in denen Tausende von CDs über die Ladentheke gegangen sind, sind einige Jahre her. Auch Deutschland, das Land, das wohl immer noch den größten Absatz an CDs verzeichnen kann, wird zwar langsam aber stetig immer mehr „spotifyisiert“. Die Tatsache, dass Musiker die Einnahmen aus ihren Verkäufen bzw. Streams inzwischen größtenteils nur noch digital verbuchen können, hat dazu geführt, dass eine neue Einnahmequelle für die Musiker lebenswichtig wurde: das Live-Geschäft. Die deutsche Musikbranche schätzt, dass die Einnahmen aus Live-Konzerten inzwischen rund zwei Drittel der Gesamteinnahmen in der Musikindustrie ausmachen, bzw. ausmachten, denn das Live-Geschäft ist aufgrund der Corona-Krise vorerst so gut wie weggefallen. Denn nicht an vielen Orten ist so eine große Menge an Menschen so nah auf einem Haufen beieinander wie bei Konzerten, Gigs oder auch in Clubs. Die Musikverbände schätzen, dass die Musikbranche aufgrund der Corona-Krise rund 5,4 Mrd. Euro in den Monaten von April bis September 2020 einbüßen wird.

Denn wie bereits angesprochen, trifft die Corona-Pandemie nicht nur die Musiker selber, sondern den Großteil der Beschäftigen in der Musikbranche. Ob nun Konzertveranstalter, Booking-Agenturen, Techniker, Clubinhaber, Musikmagazine und deren Redakteure und viele mehr, sie alle sind wie kaum ein anderer Zweig der Kulturschaffenden betroffen. Bei Vielen hilft vorerst nur die Beantragung der Soforthilfe, doch trotzdem werden sich viele Clubs, Magazine oder auch Musiker nicht mehr lange mit der aktuellen Situation arrangieren können.

Die Clubs, ob nun Techno, Jazz, Hip Hop oder was auch immer, mussten alle ihre festen Mitarbeiter auf hundert Prozent Kurzarbeit umstellen und Soforthilfe beantragen. Doch Miete für ihren Standort müssen sie weiterhin zahlen, sodass nach Angaben vieler Clubinhaber die Soforthilfe sofort an die Vermieter, meist große Immobiliengesellschaften, geht. Clubs, die in den letzten Jahren gut gewirtschaftet haben, können das Jahr vielleicht erstmal überstehen, aber gerade neue oder kleine Szeneclubs zweifeln daran, dass sie sich mit der Soforthilfe über Wasser halten können.

Ebenso betroffen sind z. B. auch Musikmagazine, gerade Print-Magazine hatten es in den letzten Jahren schon schwer, sich auf dem Markt zu halten. Nur wer den Sprung in die Online-Medien geschafft hat, konnte sich mit seinen Abos weiterhin über Wasser halten. Die Abonnenten bleiben zurzeit zwar noch bestehen, jedoch fehlen den Magazinen die Einnahmen aus Werbung für z. B. Touren, Veranstaltungen oder Festivals, die für viele Musikzeitschriften überlebenswichtig sind.

Doch das größte Augenmerk fällt selbstverständlich auf die Musiker selbst. Das Live-Geschäft, die Cash Cow der Musiker, ist so gut wie komplett weggefallen. Mittlerweile fangen zwar ein paar einzelne Autokinos an, Konzerte zu veranstalten, jedoch sei die Gage nach Aussage einiger Musiker, wie z. B. dem Rapper Sido, nicht im Geringsten vergleichbar mit der eines richtigen Konzertes. Ein neuer Weg für die Musiker weiterhin "live" zu spielen, ist das Streaming über Plattformen wie Twitch, Mixer oder auch YouTube Live. Dort haben sie die Möglichkeit, eine Art "Live Video"-Konzert für ihre Zuschauer zu spielen, für das sie gegebenenfalls auch Geld verlangen können. Von der Musikproduktion, DJ-Sets bis hin zum richtigen Konzert mit der ganzen Band ist auf den Streaming-Plattformen alles geboten. Doch nach Aussagen einiger Musiker und nach Schätzungen von Musikexperten ist derartiges Streaming nicht vergleichbar mit einem echtem Live-Erlebnis, weder für die Zuschauer, noch für die Musiker. Es fehlt das Publikum, es fehlt der Fan-Kontakt, die Interaktion und es fehlen natürlich auch die finanziellen Einnahmen. Natürlich haben die Hörer die Möglichkeit, dem Musiker, dem sie zuschauen, Geld zu spenden oder ihn auch zu abonnieren für z. B. fünf Euro im Monat, jedoch sind diese Gelder nicht vergleichbar mit den Gagen richtiger Live-Shows.

Zudem gibt es viel Kritik, die Qualität der Musik würde darunter leiden, es fehle die Dynamik eines Live-Auftritts und der Respekt an die Kunst einer Live-Show würde drastisch sinken. Experten befürchten darüber hinaus einen erneuten Wandel hin zur Musik-Gratiskultur, ähnlich wie zu Anfang der 2000er Jahre, in der Hörer für Musik nicht mehr zahlen wollten und illegal Musik gebrannt haben. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie würden sich manche Musiker außerdem gar nicht trauen, für ihre Kunst Geld zu verlangen, da man es ja auch für den Kampf gegen Corona spenden könnte. Zudem entstünde ein enormer Konkurrenzdruck, denn wer sich nicht auf den Streaming-Plattformen präsentieren würde, könnte vergessen werden. Manche Musiker sehen es als gute Promotion, andere sträuben sich, ihre Kunst so zu "verwerten".

Die Musiker müssen letztendlich selbst entscheiden, ob sie den Schritt hin zu dieser modernen Methode eines Auftritts machen oder nicht. Fraglich bleibt jedoch, wie lange gerade auch kleine Indie-Künstler die aktuelle Situation noch verkraften. Experten sagen, die Musiker müssen Geld verlangen, nicht betteln, aber für ihre Kunst bezahlt werden. Das sollte auch Hörern und Zuschauern bewusst sein, wenn sie weiterhin mit Musik ihrer Lieblingskünstler rechen wollen.

Quellen:

Informationen

  • Text: Jacob Tausendfreund
  • Foto: Jacob Tausendfreund
  • Datum: 06. Juli 2020
  • Kategorie: Soziales Kultur