Generation „Beziehungsunfähig“: Das Erfolgsrezept von Dating-Plattformen

Sie sind in nahezu jeder Werbeunterbrechung des Fernsehprogramms zu sehen: Junge, attraktive Männer und Frauen lächeln dem Zuschauer entgegen und behaupten, nach der großen Liebe auf einer Onlineplattform zu suchen. Und auch sogenannte Dating-Apps befinden sich in der Hochphase. Doch warum brauchen wir heutzutage solche Angebote, um einen potentiellen Partner kennenzulernen? Und was steckt hinter dem Erfolg dieser Anbieter? Das lest Ihr hier:

Zahl der Nutzer

Laut einer Umfrage von Statista, einem Anbieter für Markt- und Konsumentendaten, nutzten im Jahr 2019 30% der Deutschen einen Online-Dating-Dienst oder hatten zuvor bereits einen solchen genutzt. Eine Prognose desselben Instituts gibt vor, dass im Jahr 2020 bereits 5,8 Mio. Deutsche eine Online-Singlebörse nutzen werden. Der Markt dieser Plattformen boomt, sowohl in Form von Singlebörsen wie Parship oder ElitePartner oder als App, wie z. B. Tinder, Lovoo oder Candidate. Doch wie kommt dieser Erfolg zustande?

 

Ursachen des Erfolges

Ein Grund für den Erfolg der Onlineanbieter in Sachen Liebe könnte die wachsende Digitalisierung sein. Insbesondere junge Menschen nutzen ihr Smartphone mittlerweile für alle Aufgaben- und Lebensbereiche, so eben auch bei der Partnersuche. Beobachtet man nur einmal das Verhalten der Menschen in der Öffentlichkeit, so stellt man schnell fest, dass Kommunikation von Mensch zu Mensch nur noch selten stattfindet und stattdessen viele Passanten in den Bildschirm ihres smarten Begleiters vertieft sind. Ob beim Warten auf den Bus, in der Schule, Universität oder beim Sport; Das Smartphone verhindert kleine Interaktionen wie Augenkontakt oder gegenseitiges Zulächeln. Das Kennenlernen wird dadurch in der realen Welt erheblich erschwert.

Aber natürlich sorgen auch die Anbieter selbst für ihren Erfolg. Ein Teil der Strategie der Online-Singlebörsen liegt in der Werbung: Attraktive Menschen und einprägsame Slogans. Bereits im Jahr 2012 gab ElitePartner nur für den Monat Januar 1,6 Millionen Euro für TV-Werbung aus. Dass die Spots auch zu den besten Werbezeiten, etwa kurz vor den Nachrichten, zu sehen sind, erhöht deren Kenntnisnahme durch potenzielle Nutzer.

 

Enttäuschung durch die Plattformen

Doch was sagt der Erfolg der Plattformen über die Zufriedenheit der Nutzer aus? Impliziert die steigende Nachfrage nach diesen Angeboten auch eine hohe Quote bei der tatsächlichen Partnervermittlung?

Grundsätzlich fällt die Bilanz positiv aus: Eine Umfrage von Bitkom ergab, dass von ca. 1000 Befragten gut die Hälfte, nämlich 52%, einen festen Partner über Onlineplattformen kennen gelernt hat. Doch es gibt natürlich auch Schattenseiten. Die Möglichkeit und der Reiz, sich selbst besser darzustellen, als es der Realität entspricht, sind im Internet natürlich viel größer. Vermutlich standen bereits einige Nutzer bei einem ersten Treffen vor einer ganz anderen Person, als es deren Profil im Netz vorgab.


Versteckte Kosten

Ein weiterer Kritikpunkt liegt in den Kosten des Dating-Services: Der monatliche Preis für ein Abonnement kann bei den Singlebörsen Parship, ElitePartner und Friendscout bis zu 78,- € betragen, teilweise noch zuzüglich einer Extragebühr. Dating-Apps dagegen sind in der Grundversion meist kostenlos. Hier liegen die Kosten jedoch versteckt in sog. „In-App-Käufen“. Das bedeutet, dass viele Funktionen erst verfügbar sind, wenn sie vom Nutzer bezahlt werden. Beispielsweise kann nur eine begrenzte Zahl anderer Nutzer pro Tag angesehen werden, ohne dass Kosten anfallen. Diese versteckten Kosten und Kaufaufforderungen in den Apps machen deren Nutzung anstrengend und unattraktiv.

 

Fazit

Online-Dating-Dienste, ob nun in Form einer Singlebörse oder Dating-App, haben in unserer digitalisierten Welt durchaus ihre Berechtigung und auch ihre Reize. Jedoch muss sich der Nutzer darüber im Klaren sein, dass der Anbieter hauptsächlich Geld verdienen möchte, noch vor dem Ziel, Menschen einander näher zu bringen. Vielleicht schaut Ihr also in Zukunft einfach mal Eurem Gegenüber wieder in die Augen. Der/die perfekte Partner/in muss nicht im Smartphone versteckt sein, sondern kann Euch auch auf der Straße über den Weg laufen…

 

Quellen:

Informationen

  • Text: Silvia Stiepel
  • Foto: Silvia Stiepel
  • Datum: 07. Juli 2020
  • Kategorie: Soziales Kultur