Ein Interview mit dem Rennfahrer Ralph Boschung

Die Formel 1 ist wohl jedem ein Begriff. Weniger bekannt sind die Nachwuchskategorien der Königsklasse. Zu ihnen gehört auch die Formel 2. In dieser Serie ging der Schweizer Rennfahrer Ralph Boschung im letzten Jahr an den Start. Boschung wurde am 23. September 1997 in der schweizerischen Stadt Monthey geboren und fuhr 2019 neben vielen jungen Talenten des Motorsports unter anderem auch gegen den Sohn der Formel 1-Legende Michael Schumacher, Mick. Unser Redakteur Max Dymel hat dem jungen Rennfahrer 15 Fragen zu seiner Karriere, seinen Erlebnissen und zu seinen Zukunftsplänen gestellt.

Max Dymel: Ralph, Du warst ja in Deiner Karriere in einigen Kategorien des Motorsports aktiv. Kannst Du uns sagen in welchen?

Ralph Boschung (RB): Zuerst startete ich im Kart, wechselte dann zur Formel BMW, Formel ADAC, GP3, bis letztes Jahr die Formel 2 und .... kommt noch!

Wie kamst Du denn überhaupt zum Rennsport? Wie wird man ein Rennfahrer?

RB: Ich habe es eigentlich zuerst nur zum Spaß gemacht, ich habe damals mit einem Mietkart angefangen und bin dann die nächsten Schritte hoch gegangen. Wie man Rennfahrer wird, ist eine schwierige Frage. Es ist wie alles im Leben: Wenn man den Willen und die Lust nicht hat, dann ist es wahrscheinlich nicht das, was ihr sucht.

Welchen Job würdest Du heute ausüben, wenn Du kein Rennfahrer geworden wärst?

RB: Geschäftsführer.

Was macht Dich als Rennfahrer aus? Was sind Deine Stärken auf der Rennstrecke?

RB: Mein Wille und meine Konstanz.

Als kleiner Junge hast Du bestimmt ein Idol gehabt, zu welchem Du aufgeschaut hast. Wenn ja, welches?

RB: Ich hatte nicht wirklich eins. Ich war zu jung, um wirklich ein Idol zu haben. Später habe ich dann mehr Respekt vor verschiedenen Fahrer bekommen.

Wer war Dein stärkster Konkurrent/Rivale, den Du in Deiner Karriere hattest?

RB: Ich hatte immer sehr starke Konkurrenz, meine stärkste war wahrscheinlich in der GP3 und der Formel 2, wo ich gegen die aktuellen Formel 1-Stars Alex Albon und Charles Leclerc und den Formel 2-Weltmeister von 2019, Nyck de Vries, fuhr.

Was ist Deine Lieblings-Rennstrecke und warum?

RB: Monaco. Da es ein Stadtkurs ist, herrscht Adrenalin pur und der Schwierigkeitsgrad ist sehr hoch!

Was war für Dich der schönste Moment Deiner Karriere? Welcher Moment war der traurigste?

RB: Der schönste Moment in meiner Karriere war mein Sieg im Regen in einem Rennen der GP3 im österreichischen Spielberg. Der traurigste war das Rennwochenende der Formel 2 in Belgien letztes Jahr, als ein Mitfahrer, Anthoine Hubert, bei einem Unfall ums Leben kam.“

Ralph, Du bist ja letztes Jahr in der Formel 2-Meisterschaft an den Start gegangen. Diese Rennserie liegt nur eine Stufe hinter der Königsklasse des Motorsports, der Formel 1. Auch fuhrt Ihr auf denselben Kursen und an den selben Wochenenden wie die Formel 1. Bekamt Ihr als Fahrer etwas von dem Formel 1-Flair mit?

RB: Ja klar, wir sind, wie du gesagt hast, sehr dicht und eng mit der Formel 1 zusammen. Da kriegen wir schon viel mit!

Wirst Du auf der Straße oft erkannt?

RB: Zum Glück nicht allzu oft! Aber an der Rennstrecke ist es mit den Fans schon ganz unglaublich!

Was ist für Dich das Schönste an Deinem Beruf als Rennfahrer?

RB: Das Feeling von Freiheit. Wenn ich auf der Strecke bin und die Sensationen spüre, ist es einfach so einzigartig. Das ist für mich einfach das Schönste.

Motorsport ist nicht gerade der ungefährlichste Beruf und hat schon viele schreckliche Momente erlebt. Hast Du da nicht manchmal Angst?

RB: Ich habe nie Angst. Nur Respekt.

Was machst Du eigentlich, wenn du nicht gerade um den Sieg mitfährst und zu Hause bist? Wie hast Du die Corona-Zeit verbracht?

RB: Ich bleibe in Kontakt mit meinen Sponsoren und meinem Team. Wir diskutieren Strategien, wie es für mich weiter geht und vor allem planen wir schon für 2021. Das ist viel wichtiger als 2020.

Was sind Deine sportlichen Ziele für 2020 und für die Zukunft?

RB: Stabil in einer Serie mitzufahren ohne finanzielle Probleme und gute Resultate nach Hause zu fahren. Auch möchte ich Rennen gewinnen.

Zum Abschluss: Welchen Tipp würdest Du jungen Nachwuchspiloten geben, oder Jungen und Mädchen, die in den Rennsport einsteigen möchten?

RB: Man braucht sehr sehr viel Willen und leider auch sehr sehr viel Geld. Also ist es gut, schon mal im Voraus zu planen und auch für die nächsten paar Jahre einen guten Budget-Plan machen.

Vielen Dank für die Zeit Ralph und viel Erfolg für die Zukunft!

Informationen

  • Text: Max Dymel
  • Foto: Max Dymel
  • Datum: 28. Juli 2020
  • Kategorie: Sport Kultur