Quatsch mit Köpfchen von Helge Schneider im Bonner Kulturgarten

Querfeldein irrt das Wohnmobil durch die Rheinaue. Mal fährt es auf dem Asphalt, dann wendet es plötzlich auf der Wiese. Helge Schneider, der auf Tour bekanntermaßen lieber in solch einem Gefährt als in einem Hotel nächtigt, sucht offenbar nur nach dem richtigen Nachhauseweg. Doch irgendwie passt dieser urkomische Abgang vom Veranstaltungsort so zum Wesen seiner Bühnenfigur, dass die Beobachter dieser Szene zumindest hätten denken können, dass sie doch noch zu seiner Show gehört, die er etwa eine Dreiviertelstunde vorher offiziell beendet hat.

Bei bestem Spätsommerwetter präsentierte der Mülheimer im Kunstgarten mit seinem Sohn Charles am Schlagzeug und Gitarrist Henrik Freischlader einige Stücke aus seinem neuen Album „Mama“. Seine Lieder sind traditionell minimalistisch gehalten, haben aber auch versteckte Botschaften. In „Ich setz' mein Herz bei Ebay rein“ kritisiert er soziale Medien. „Ich gehe in die Mongolei, was soll ich denn bei Spotify?“ heißt es etwa in seinem heimlichen Sommerhit.

Immer wieder wendete er sich zwischen den Liedern an sein Publikum, nahm den aktuellen Zeitgeist aufs Korn. Er machte sich über gendergerechte Sprache lustig oder über die oft übertriebene Pflege in Coronazeiten. „Ich habe mir mittlerweile schon 80.000 Mal die Hände gewaschen. Jedes Mal zehn Minuten, bis auf die Knochen mit Bimsstein. Und trotzdem habe ich danach noch Desinfektionsmittel getrunken.“ Er nahm sich die Zuschauer vor, die in den ersten Reihe in Liegestühlen saßen, sah einen Fan mit Nasa-Aufruck („Bist du ein Astronaut?“) auf dem Shirt, dann eine Frau mit Skelett-Aufdruck auf dem Oberteil („Ist das die Figur, die angestrebt ist?“). Und auch der Veranstaltungsort kam nicht zu kurz: „Teilweise ist die Wiese ja ganz schön zertrampelt. Man sieht ja sogar die Erde. Naja, wir leben auf der Erde. Also soll man sie auch sehen.“

Schneider macht keinen Mainstream-Humor. Oft sind seine Aussagen indirekt, erfordern Köpfchen beim Verständnis. Der Multi-Instrumentalist spielte Hammond-Orgel, Klavier, persiflierte die Rockgitarristen mit Perücke und „O Tannenbaum“-Solo und spielte Kalimba, „ein Musikinstrument für Zeigefinger, Handballen und Intelligenz“. Viel Applaus nach 90 kurzweiligen Minuten.

Informationen

  • Text: Stefan Lienert
  • Foto: Stefan Lienert
  • Datum: 13. September 2020
  • Kategorie: Stadt Kultur