Warum uns Tarantino immer noch in Atem hält

Quentin Tarantino ist der wohl kreativste und leidenschaftlichste Regisseur, den die Filmwelt je gesehen hat. Auch nach seinem neunten Film „Once upon a time in Hollywood“ hat er nicht genug und möchte noch einen finalen Film drehen.

Wir schreiben das Jahr 1992. Ein junger aufstrebender Regisseur bringt seinen ersten eigenen Film ins Kino. Die Rede ist von Quentin Tarantino. Sein Regiedebüt „Reservoir Dogs“ wird auch heute noch häufig als einer der besten Independent Filme aller Zeiten aufgeführt. Eigentlich wäre es garnicht so weit gekommen, doch Harvey Keitel, ein sehr bekannter Schauspieler, wurde auf das Projekt aufmerksam und unterstütze die Produktion finanziell. So kam es dazu, dass nicht nur Keitel selbst, sondern auch bekannte Namen wie Michael Madsen oder Steve Buscemi in Tarantinos erstem großen Werk mit von der Partie waren.

Besonders bei Kritikern wurde der Film in höchsten Tönen gelobt und Tarantinos Karriere stand nichts mehr im Wege. Sein großer Durchbruch gelang ihm 1994 mit „Pulp Fiction“, dem Klassiker um das Duo Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson). Die Coolness, das Spiel mit verschiedenen Zeitebenen und die unverwechselbaren Dialoge machen „Pulp Fiction“ auch heute noch zu einem essenziellen Teil der Filmgeschichte. Danach konnte den selbsternannten „Fußfetischisten“ nichts mehr stoppen. Jeder seiner Filme hatte eine ganz eigene Note und trotzdem die typischen Tarantino-Stilmerkmale wie smarte Dialogstrukturen oder die teils überzogene, aber ästhetisch dargestellte Brutalität.

Ein immer wiederkehrendes Thema in den weiteren Tarantino-Filmen ist Rache. Egal ob es die verbitterte Witwe in beiden „Kill Bill“- Teilen, die Nazis-Jäger in „Inglorious Basterds“ oder die Sklavenbefreier in „Django Unchained“ waren, das Motiv Rache war immer zu finden. Tarantino war ein Experte darin, die Geschichte zu verfälschen und den Bösen eine meist späte Rache zukommen zu lassen. Das machte Tarantino Filme zu etwas ganz Besonderem, man wusste nie, was als nächstes geschehen wird.

Seinen neunten Streich spielte uns Quentin Tarantino im letzten Jahr mit „Once Upon a Time in Hollywood“, einer Hommage an das Hollywood der 1960er Jahre. Leonardo Di Caprio und Brad Pitt in einem Film? Man will es nicht glauben, aber das gab es vorher noch nie. Doch wenn es jemand möglich machen kann, dann wohl Quentin Tarantino. Die Geschichte von Rick Dalton und seinem Stuntman Cliff Booth, die gemeinsam das Hollywood der 60er Jahre unsicher machen. Rick Dalton (Leonardo Di Caprio), der alternde und problembehaftete Schauspieler und sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt), der stets locker bleibt und seinem Buddy Rick Dalton zur Seite steht. Nebenbei geht es noch um den mysteriösen Manson-Clan, der in den 60ern die ein oder andere grausame Tat begangen hat. Ein Film, in den man einfach eintauchen muss.

Egal in welchem Setting, Tarantinos Leidenschaft ist ansteckend und zieht Kinobesucher seit Jahrzehnten in seinen Bann. Ein letzter Streich soll noch folgen. Tarantino hat immer betont, nach seinem zehnten Film aufzuhören und auch wenn dies einige noch nicht glauben wollen, kann man davon ausgehen, dass ein Tarantino zu seinem Wort steht. Doch wie wird sein zehnter Film aussehen? Wird es eine „Star Trek“-Verfilmung, die er schon immer machen wollte? Wird es eine Mischung aus seinen bisherigen Filmen? Oder wird es etwas ganz Neues, mit dem noch niemand gerechnet hat? Wir können gespannt darauf sein, was einer der besten Regisseure aller Zeiten für uns parat hat. Aber eins ist sicher: Es wird ein wiedermal sensationelles Kinoerlebnis und wir freuen uns alle darauf!

Quelle:

Informationen

  • Text: David Heermann
  • Foto: David Heermann
  • Datum: 15. September 2020
  • Kategorie: Kultur