Fünf Dinge, die jeder über Sinti und Roma wissen sollte

Den Ausdruck Sinti und Roma wird jeder schon einmal gehört haben, doch wer sind eigentlich die Menschen, die hinter ihm stecken? Wie sind die Sinti und Roma nach Deutschland gekommen? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Sinti und einem Roma? Und ist es in Ordnung sie als Zigeuner zu bezeichnen? In diesem Artikel gibt es Antworten auf diese Fragen.

Woher kamen die Vorfahren der heutigen Sinti und Roma ursprünglich und wie wurden sie in Europa aufgenommen?
Die Vorfahren der Sinti und Roma wanderten vom 8. bis zum 10. Jahrhundert vom indischen Subkontinent, aus dem heutigen Indien und Pakistan, über Persien, Kleinasien und den Kaukasus nach Europa. Im 13. und 14. Jahrhundert kamen sie im Balkan an und zogen von dort aus in alle Teile Europas. Sinti und Roma leben also bereits seit mehr als einem halben Jahrtausend in Europa.
In ihrer neuen Heimat erfuhren sie über Jahrhunderte hinweg Ausgrenzung und Diskriminierung. Ihnen wurde das Niederlassungsrecht verweigert, weswegen sie nicht sesshaft werden konnten. Gleichzeitig wurden sie für ihren nomadischen Lebensstil kritisiert. Sowohl aus der Gesellschaft als auch aus der Kirche wurden sie größtenteils ausgeschlossen. In Osteuropa wurden sie zu Leibeigenen gemacht oder versklavt und in Mitteleuropa als vogelfrei erklärt. Zur Zeit des Nationalsozialismus ging der Antiziganismus, also der Rassismus gegenüber den Sinti und Roma, soweit, dass eine halbe Millionen von ihnen deportiert und ermordet wurden.

Was ist der Unterschied zwischen „Sinti“ und „Roma“?

Sinti leben überwiegend in Mittel- und Westeuropa, während Roma größtenteils in Ost- und Südosteuropa heimisch sind. Beide Gruppen haben dieselbe Herkunft, sind allerdings vor hunderten von Jahren in unterschiedlichen Gegenden Europas sesshaft geworden. In Deutschland ließen sich ursprünglich die Sinti nieder, Jahrhunderte später zogen jedoch aus unterschiedlichen Gründen auch Roma von Südosteuropa nach Deutschland, weil sie zum Beispiel vor der Sklaverei dort flohen. Deswegen leben heute sowohl Sinti als auch Roma in Deutschland. Im Deutschen wird zwischen den beiden Gruppen unterschieden, außerhalb der deutschen Sprache wird jedoch die gesamte Gruppe als „Roma“ bezeichnet. Diese Bezeichnung dient dann als Sammelbegriff für alle Untergruppen der Roma.

Sinti und Roma sind eine anerkannte Minderheit in Deutschland
Sinti und Roma gehören heute, zusammen mit den Dänen, Friesen und Sorben, zu einer der vier offiziell anerkannten Minderheiten Deutschlands. Diese Minderheiten genießen besonderen Schutz und Rechte und werden von Bund und Ländern unter anderem finanziell dabei unterstützt, ihre Sprache und Kultur aufrecht zu erhalten. Deutsche Sinti und Roma haben die deutsche Staatsbürgerschaft und sind meist seit vielen Generationen in Deutschland heimisch. Dennoch haben sie eine eigene Kultur, Geschichte und Sprache, die sich von der Mehrheit der Bevölkerung unterscheidet. Sinti und Roma gelten mit 70 Tausend Einwohnern als Deutschlands größte Minderheit und mit ungefähr zehn bis zwölf Millionen Menschen auch als größte Minderheit in Europa.

Welche Sprache sprechen Sinti und Roma?

Die Sprache der Sinti und Roma heißt Romanes und ist mit der altindischen Sprache Sanskrit verwandt. Romanes wird als Minderheitssprache der Sinti und Roma von ca. sechs Millionen Menschen auf der ganzen Welt gesprochen. Im Laufe der Zeit haben sich jedoch viele Dialekte entwickelt, die von der jeweiligen Sprache des Heimatlandes beeinflusst wurden. So klingt zum Beispiel das Romanes deutschen Romas anders als das eines Ungarischen. Neben Romanes sprechen Sinti und Roma in der Regel auch die Landessprache ihres jeweiligen Heimatlandes. Aufgrund von Zwangsassimilierung haben jedoch einige Roma-Gruppen im Laufe der Zeit ihre Sprache verloren.

Darf ich Sinti und Roma „Zigeuner“ nennen?
Der Großteil der Sinti und Roma lehnt die Bezeichnung „Zigeuner“ strikt ab. Der Ausdruck ist eine Fremdbezeichnung, wurde also den Sinti und Roma vom Rest der Gesellschaft auferlegt, und wird mit einer Menge rassistischer Vorurteile oder romantisierter Klischees assoziiert. In Deutschland setzte sich ab dem Zeitalter der Renaissance der Glaube durch, dass der Ausdruck Zigeuner eine Ableitung vom Wort „Ziehgauner“ ist. Mit der Verwendung des Wortes Zigeuner blieb also immer eine Assoziierung mit Kriminalität im Hinterkopf. Selbst in Lexika, wie dem Brockhaus oder Duden, wurden dem Ausdruck bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Begriffe, wie „Abschaum“ zugeordnet. Zudem wurden Sinti und Roma im Nationalsozialismus gezwungen, den Buchstaben „Z“ zu tragen und somit als Zigeuner gebrandmarkt. Und selbst heute wird der Ausdruck Zigeuner noch häufig als Schimpfwort benutzt. Mit dem Begriff Zigeuner verbinden also sowohl die deutsche Mehrheitsbevölkerung als auch Sinti und Roma viel Negatives. Aus diesem Grund wird von ihnen die Eigenbezeichnung „Sinti und Roma“ bevorzugt, deren Verwendung ein neutrales und vorurteilfreieres Bild fördert und ihnen eine gewisse Selbstbestimmung über ihr Fremdbild gibt.   

Quellen:

Informationen

  • Text: Victoria Schmidt
  • Foto: Victoria Schmidt
  • Datum: 08. Oktober 2020
  • Kategorie: Soziales Bildung