Was unterscheidet Bouldern vom Klettern und warum erfreut es sich so großer Beliebtheit?

Bouldern war lange Zeit nur ein Randsport, erfreut sich mittlerweile aber großer Beliebtheit. Innerhalb von kurzer Zeit sind daher in vielen deutschen Großstädten neue Boulderhallen entstanden. Doch was genau ist Bouldern eigentlich?

Bouldern vs. Klettern
Der Begriff Bouldern kommt vom englischen Wort „Boulder“, auf Deutsch Felsblock. Beim Bouldern klettert man ohne Seil oder Klettergurt. Das kann man entweder draußen in der freien Natur, zum Beispiel auf Felsblöcken machen. Es ist aber auch drinnen in Boulderhallen möglich.

Beim Klettern, das viele bereits kennen, braucht man eine Sicherungsausrüstung, die zuvor vom Trainer erklärt wird. Während man versucht hohe Felswände zu erklimmen, wird man von einem Partner über ein Seil abgesichert – Klettern ist daher ein Teamsport. Dabei benötigt man viel Ausdauer, kann aber auch zwischendurch auf Felsvorsprüngen Pausen einlegen. Zudem ist der Körper einer länger andauernden Belastung ausgesetzt.

Bouldern hingegen findet auf Felsblöcken oder auch wie Klettern Indoor statt. Dabei geht man bis auf maximal ungefähr drei oder viereinhalb Meter Höhe, sodass man sicher abspringen kann. Der Boden in Boulderhallen ist immer mit dicken Schaumstoffmatten ausgelegt, die die Landung dämpfen. Für draußen gibt es spezielle Crashpads, die den gleichen Zweck erfüllen. Beim Bouldern überlegt man sich bereits zuvor eine Route, sodass man in wenigen aber sehr intensiven Zügen schnell nach oben ans Ziel kommt. Dort springen die meisten ab, anstatt wieder nach unten zu klettern, um Kraft zu sparen. Bouldern kann man anders als das Klettern auch allein, dennoch gehört es für viele auch dazu, sich mit Freunden in der Halle zu treffen und sich gegenseitig Tipps und Feedback zu geben, um schneller ans Ziel zu kommen.

Geschichte des Boulderns
Jahrelang wurde Bouldern nicht als eigenständige Sportart ernst genommen. Dabei liegen seine Anfänge bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert, als sich in Frankreich eine Gruppe junger Bergsportler im Wald traf, um dort an Sandsteinfelsen für das Klettern in den Alpen zu üben. Auch wenn es anfangs nur als Training diente, gefiel es den Männern um den Franzosen Pierre Allain so gut, dass sie es immer öfter machten.
In den USA in den 1950ern und 60ern hatte John Gill einen wichtigen Einfluss auf das Bouldern als Sportart. Auch er nutzte das Klettern an Felsblöcken anfangs nur zu Trainingszwecken. Später jedoch entwickelte er neue Klettertechniken, die er aus dem Geräteturnen abgeleitet hatte. Ein großer Meilenstein war es, dass er sich von der „Drei-Punkte-Regel“, die beim Klettern gilt, abgewendet hat. Dabei müssen drei der vier Haltepunkte (Hände und Füße) die Wand berühren. Beim Bouldern ist das nicht der Fall, wodurch es dynamischer wird.
Mittlerweile ist Bouldern eine eigene anerkannte Sportart, die seit 1999 eine eigene Weltmeisterschaft hat – den Boulderweltcup.

Warum hilft Bouldern gegen Depressionen?
Eine Studie der Fakultät für Medizin und Psychologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat den Einfluss von Bouldern auf Depressionen untersucht und herausgefunden, dass Bouldern gegen Depressionen hilft. Das liegt nicht nur daran, dass man sich beim Bouldern körperlich auslaugt. Besonders wichtig ist, dass man einfach und schnell Erfolge erzielt, die dadurch das eigene Selbstwertgefühl steigern. Auch wenn das Klettern kompliziert ist und besondere Ansprüche an die eigene Koordination stellt, bekommt man direkt ein Feedback, da man sieht, ob man sein Ziel erreicht hat oder nicht. Außerdem setzt man sich beim Bouldern mit seinen Gefühlen auseinander – Freude und Stolz, wenn man sein Ziel erreicht hat oder Wut und Frustration, wenn man es nicht geschafft hat. Das ist besonders für psychisch Kranke wichtig, da es ihnen oft schwerfällt, sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Daher könnte Bouldern zukünftig, wenn es weiter Forschungen zu dem Thema gegeben hat, als eine Theraphiemöglichkeit gegen Depressionen genutzt werden.

Fazit
Beim Bouldern kann man nicht nur direkt loslegen, da keine langen Erklärungen von Nöten sind. Man sieht auch sofort seine Erfolge und erlebt ein Glücksgefühl, wenn man es nach oben geschafft hat. Selbst mit Höhenangst ist es möglich, da die Wände nur vier Meter hoch sind und es jederzeit sicher ist, abzuspringen. Auch powert man sich körperlich aus und bekommt eine Abwechslung vom stressigen Alltag. Daher sollte jeder bouldern einmal ausprobieren und findet so vielleicht einen neuen Lieblingssport oder eine neue Freizeitbeschäftigung mit Freunden.

Quellen:

Informationen

  • Text: Linda Schöne
  • Foto: Linda Schöne
  • Datum: 12. Oktober 2020
  • Kategorie: Sport