Resilienz: Wie bleibe ich stark?

Manchmal befinden wir uns an einem Punkt in unserem Leben, da wissen wir nicht weiter. Nichts läuft, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir strengen uns an, arbeiten soviel es geht, mühen uns ab, doch am Ende schaffen wir es trotzdem nicht das zu erreichen, was wir wollten. Oder wir hatten schon all das, wovon wir je geträumt hatten, ein Leben wie man es sich nur wünschen kann. Doch auf einmal passiert etwas Unverhofftes, wir verlieren einen geliebten Menschen, verlieren den Anschluss zu unserer Familie und unseren Freunden, oder verlieren sogar unsere Arbeit. Plötzlich stehen wir da, ohne Job, ohne Freunde und ohne Geld. Das Leben scheint wertlos zu sein und ein Ausweg ist nicht in Sicht.

Wie gehe ich mit meinen Problemen um?
Oft scheint es uns so, als sei das Leben für manche Menschen viel einfacher als für andere. Es gibt Menschen, denen merkt man ihr Leid und ihren Schmerz nicht an, denn sie gehen mit einer positiven Einstellung durchs Leben, die durch nichts in der Welt zum Stürzen gebracht werden kann. So sieht es jedenfalls oft aus, wenn man diesen Menschen begegnet. Geht es diesen Leuten aber wirklich viel besser im Leben? Haben sie nie Rückschläge erlitten? Oder haben sie einfach nur Glück, dass es das Leben gut mit ihnen meint?

Wahrscheinlich nicht. Es gibt natürlich immer Menschen, die Vorteile gegenüber anderen haben, sei es durch den Ort ihrer Geburt, den Status ihrer Familie oder aufgrund der Hilfe, die sie erhalten. Verschont bleiben aber auch diese Menschen nicht vor Verlusten. Was in Bezug auf die Problemlösungen viel wichtiger ist, ist die Frage, wie mit Problemen umgegangen wird. Die Fähigkeit und innere Stärke mit Belastung umzugehen, wird in der Psychologie als Resilienz bezeichnet.

Was ist Resilienz?
Es wurde eine Widerstandsfähigkeit bei Kindern festgestellt, die sich trotz schwieriger oder traumatischer Umstände und Lebensbedingungen normal entwickeln. Einige Kinder und Jugendliche haben gerade durch ihre Bereitschaft Hilfe zu suchen Unterstützung bekommen, die ihnen dann im Nachhinein dabei half, besser mit der Situation umzugehen. Im Lexikon für Psychologie und Pädagogik wird Resilienz beschrieben, als "(...) die Fähigkeit von Menschen, auf wechselnde Lebenssituationen und Anforderungen in sich ändernder Situationen flexibel und angemessen zu reagieren und frustrierende, schwierige und belastende Situationen ohne psychische Folgeschäden zu meistern, d. h., solchen außergewöhnlichen Belastungen ohne negative Folgen standzuhalten. (Stangl, 2021).“¹

Resilienzforschung
Die Psychologin Emmy Werner begann bereits in den 1950er Jahren mit einer Studie zur Forschung von Resilienz. Diese Studie dauerte um die 40 Jahre und wurde mit ca. 700 Kindern der Insel Kauai in Hawaii durchgeführt. Dabei beobachtete die amerikanische Psychologin die Entwicklung der Kinder, die aus armen Verhältnissen kamen und vernachlässigt und misshandelt wurden. Häufig wuchsen diese Kinder nur mit einem Elternteil auf, viele Eltern waren alkoholsüchtig. Ihre Zukunft lag unter keinem guten Stern.
Doch die Langzeitstudie kam zu einem anderen Ergebnis: Ein Drittel der Mädchen und Jungen von Kauai schaffte es, trotz schwieriger Kindheit, ein erfolgreiches Leben zu führen. Sie entwickelten sich zu selbstbewussten, liebevollen, leistungsstarken Erwachsenen, die sowohl beruflich als auch in der Partnerschaft Erfolg hatten.

Es gab etwas, was diese Kinder dazu brachte nicht aufzugeben und ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen. So gab es mindestens eine fürsorgliche Bezugsperson, die sich um sie sorgte, auch wenn es sich dabei nicht um ihre eigene Mutter oder ihren eigenen Vater handelte, sondern um eine liebevolle Nachbarin, einen Lehrer oder eine Großmutter.

Die Ergebnisse der Studie ergaben drei besondere Faktoren, die für die Entstehung von Resilienz wichtig sei:

1. Durchschnittliche Intelligenz & Temperament
Es wurde herausgefunden, dass Kinder mit durchschnittlicher Intelligenz und einem gewissen Temperament mehr Zuwendung von ihrer Bezugsperson bekamen. Sie wurden in der Studie außerdem als Kinder beschrieben, die eine gewisse Stärke, eine besondere Kraft und ein sozial veranlagtes Wesen mitbringen.

2. Emotionale Bindung
Besonders die Kinder, die eine emotionale Bindung zu ihrer Bezugsperson aufbauen konnten, lernten von ihren Mentoren, Vertrauen aufzubauen und Selbstständigkeit zu entwickeln. Dies wiederum erbrachte ihnen Erfolg in der Schule und gleichzeitig die Überzeugung, selbst für ihr Können verantwortlich zu sein. Dadurch lernten die Kinder auch, selbst aktiv zu werden und sich Hilfe zu suchen, falls sie diese brauchten.

3. Unterstützung von der Gesellschaft
Wichtig sei in diesem Zusammenhang vor allem die Schule gewesen. Sie konnte Wertvorstellungen übermitteln, die den Kindern einen Halt gaben. Die Kompetenzen der Kinder wurden nicht nur anerkannt, sondern auch belohnt. Es wird deutlich, dass die Gesellschaft im Zusammenhang mit der Entstehung von Resilienz einen wichtigen Beitrag leistet. So kann eine Anerkennung der besonderen Fähigkeiten und ihre Förderung dazu beitragen, die inneren Stärken jedes Einzelnen zu bekräftigen.

Unverletzlichkeit ? Resilienz
Anders als gedacht, betrachtet man Resilienz nicht als ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal. Oft wurde Resilienz sogar mit einer „universellen Unverletzlichkeit“ (Anthony & Cohler, 1987) gleichgestellt. Resiliente Eigenschaften zu besitzen ist jedoch weder angeboren, noch bedeutet es, keine Schmerzen zu empfinden. Es bedeutet vielmehr in schwierigen Situationen einen gewissen Widerstand zu entwickeln, der dabei hilft, aus der Situation wieder herauszufinden. Man spricht heutzutage eher von „protektiven Faktoren“ oder „Ressourcen“. Diese Schutzfaktoren werden als psychische Widerstandskraft des Menschen angewendet. Die gesunde Entwicklung soll dadurch beschützt werden.

Heutzutage ist das Vertrauen in sich selbst besonders dann wichtig, wenn wir unter Extremsituationen leiden, wo wir handlungsunfähig scheinen. Trotz der extremen Belastung immer noch in der Lage zu sein, handeln zu können, erweist sich als innere Stärke.

Innere Stärke
Menschen, die Fähigkeiten der Resilienz besitzen, wissen, dass man etwas in seinem Leben ändern kann, wenn man selbst handelt. Resilienz ist somit eine Form der Aktivität. Nun sind nicht alle resilienten Menschen immer fröhlich, auch sie leiden und empfinden Trauer und Rückschläge. Dennoch gelingt es ihnen in ihrer tiefsten Misere doch noch etwas Positives zu entdecken. Das neuronale Belohnungssystem des Gehirns, welches für die Ausschüttung von Glückshormonen zuständig ist, bleibt sogar bei anstrengenden und nervenaufreibenden Situationen aktiv. So machen sich resiliente Menschen zum einen weniger Illusionen, bleiben aber dennoch positiv, falls Zweifel aufkommen sollten. Sie gehen davon aus, selbst etwas bewirken zu können, wenn sie nur aktiv werden. In jeder noch so ausweglosen Situation findet sich immer noch irgendwo ein Funken Hoffnung, nach der wir greifen können. Lasst und etwas Positives in dieser Krise finden, auch wenn es uns gerade jetzt so schwer erscheint. Lasst uns gemeinsam stärker werden, indem wir besonders diejenigen unterstützen, die gerade jetzt Hilfe brauchen.

Quellen:

Informationen

  • Text: Isabelle Jung
  • Foto: Isabelle Jung
  • Datum: 09. Februar 2021
  • Kategorie: Ratgeber