Die Frage nach Zugehörigkeit in der Musik

Im Spätwinter schallt sie aus den Hallen. So manchen treibt sie in die Flucht. Für andere hingegen ist sie das Elixier der Lebensfreude, denn Karnevalsmusik lässt die Herzen vollblütiger Rheinländer glühen. So viel ist klar. Auch wenn es in der Feierwut der Karnevalisten keine Rolle spielt, stellt sich die Frage, was 'sie' eigentlich so beliebt macht. Was zeichnet Karnevalsmusik aus?

Die Geschichte der Karnevalsmusik reicht weit zurück. Traditionell waren Karnevalslieder simple und kurze Gesänge, die anlässlich Faschings in geselliger Runde stattfanden. Aufzeichnungen zufolge gab es solche Kompositionen schon im 15. Jahrhundert. Eines haben die Lieder alle gemein. Die Texte fordern zum Feiern, Tanzen und Trinken auf.

Heutzutage sind Karnevalslieder facettenreicher und anspruchsvoller als ihre Vorgänger. In der Essenz jedoch gleichen sie sich. Noch immer steht das Feiern im Mittelpunkt und der sogenannte “Lokalpatriotismus” ist oft wichtiger Bestandteil der Textes. Bezüge zu den Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz sind meistens ein relevantes Element des Inhaltes. Wenn der Text dazu leicht mitzusingen ist, macht es das Lied für die meisten deutlich attraktiver. Prägnante Catch-Phrasen kommen in fast jedem beliebten Faschingssong vor. Ein Wandel der musikalischen Komponenten lässt sich aber nicht abstreiten.

Vergleicht man heute Karnevalslieder, stellt man fest, dass es musikalische Eigenschaften gibt, die das Genre definierbar machen. Das Akkordeon ist wohl das Instrument, das am häufigsten Einzug in die größten Hits des Kölner Karnevals gehalten hat. Neben ikonischen Einsätzen der Blechblasinstrumente und orchestralen Beckenschlägen ist seit geraumer Zeit auch die E-Gitarre häufig leitendes Instrument.

Heutzutage finden sich dazu in den Karnevalscharts auch oft künstlich generierte Klänge aus dem Computer. Fest steht jedoch, dass Naturinstrumente nach wie vor vorherrschend sind. So können die meisten Lieder auch bei Karnevalsumzügen von den Tambourchören auf authentische Weise gespielt werden. Stimmungstechnisch ist die Musik vielfältig. Dynamik und frohsinnige Dur-Tonarten sind ebenso üblich wie melancholische Moll-Klänge.

Doch unweigerlich stellt sich die Frage, ob es fahrlässig oder logisch ist, die besonders auf Mallorca beliebten "Ballermann Hits" in dasselbe Genre wie das der Karnevalsmusik zu gliedern. Diese finden sich immer häufiger in Listen der aktuellen Karnevalslieder. Ob es richtig ist, die Stile zu trennen oder sie in eine gemeinsame Kategorie zu ordnen, ist aufgrund der gravierenden Ähnlichkeit weitgehend subjektiv zu beurteilen.

Gruppen wie Brings, Querbeat, Die Höhner und die Bläck Fööss und viele weitere stehen heute jedenfalls für genau die Karnevalsmusik, die im Rheinland den Menschen das Fastenbrechen schmackhaft macht. Und ob ihre Musik nun ein eigenes Genre ist oder nicht, das ist egal, wenn im Frühjahr (2022) wieder festlich die 5. Jahreszeit zelebriert wird.

Quelle: https://www.viversum.de/online-magazin/karneval

Informationen

  • Text: Felix Bender
  • Foto: Felix Bender
  • Datum: 11. Februar 2021
  • Kategorie: Kultur