Warum spielen wir gerne Gesellschaftsspiele und was macht ein gutes Spiel aus?

Wenn man abends mit der Familie oder Freunden zusammensitzt, packen viele gerne Spiele wie "Monopoly", "Die Siedler von Catan" oder "Mensch ärgere Dich nicht" aus. Immer mehr Menschen greifen zu diesen Gesellschaftsspielen und spielen immer öfter. Ein Trend, der sich 2020 in der Zeit von Corona sogar noch verstärkt hat. Doch warum sind diese Spiele so beliebt?

Wie viele Menschen spielen Gesellschaftsspiele?
Bei einer Umfrage der AWA im Jahr 2020 ergaben Hochrechnungen, dass 33 Millionen Deutsche ab und zu Gesellschaftsspiele spielen, 5,5 Millionen spielen sogar regelmäßig. Insgesamt bezeichnen acht Prozent der Befragten das Spielen von Brettspielen als eine ihrer liebsten Freizeitaktivitäten.

Die Hochzeit für Brettspiele ist in der „dunklen Jahreszeit“ von September bis April, wenn es abends früh dunkel wird und zu kalt ist, um lange draußen zu bleiben. 2020 wurden aber bereits Mitte des Frühjahrs viel mehr Spiele und Puzzle verkauft als normalerweise zu dieser Zeit. Das liegt unter anderem daran, dass Ende März 2020 der erste Lockdown kam, sodass die Menschen viel zu Hause waren und Abwechslung beispielsweise vom ständigen am Handy hängen oder Fernsehen brauchten. Deshalb greifen viele gerne zu Gesellschaftsspielen.

Das hat sich auch in den Verkaufszahlen gezeigt. Die Umsätze stiegen 2020 um rund 21 Prozent. Kinderspiele wurden dabei mit 13 Prozent Zuwachs verkauft, Spiele für Erwachsene sogar zu 30 Prozent mehr.

Was macht ein gutes Spiel aus?
Wichtig bei Spielen ist es, dass sich die Mitspieler, die gerade nicht am Zug sind, nicht langweilen. Das ist beispielsweise bei Schach so, weil man sich dort bereits seine nächsten Züge überlegen kann. Das bedeutet auch, dass man immer das Gefühl haben möchte, dabei zu sein. Dabei sind nicht nur Klassiker wie "Mensch ärgere Dich nicht" immer noch beliebt. Von diesem Spiel werden jährlich noch 400.000 Exemplare verkauft. Auch kooperative Spiele, bei denen man zusammenarbeiten muss, wie "Exit-Games", sind sehr gefragt. Aber auch "Roll & Write"-Spiele mit einer schnell verständlichen Erklärung und einer kurzen Spielzeit werden gerne gespielt.

Zudem gibt es neuartige Hybridspiele, bei denen das analoge Spiel mit digitalen Elementen angereichert wird. So gibt es beispielsweise einen Erzähler, der über eine App während des Spiels weitere Informationen gibt.

Durch Corona werden vor allem Spiele, die man allein oder zu zweit spielen kann, beliebter, oder solche, bei denen man zusammenarbeiten muss. Auch Spiele, die man online etwa über Videokonferenzen spielen kann, werden immer beliebter.

Spielekultur in Deutschland und den USA
In Deutschland spielt man gerne Spiele, bei denen jeder bis zum Ende dabei sein kann, auch wenn man noch immer versucht, der Beste oder Schnellste zu sein und zu gewinnen.
In den USA gibt es eine andere Spielkultur. Dort sind vor allem Fragespiele wie "Trivial Pursuit" beliebt, aber auch konfrontative und aggressive Spiele wie "Risiko", bei denen man den Gegner "vernichten" möchte.
Gerade wegen dieser unterschiedlichen Spielekultur hatten es deutsche Spiele schwer auf dem amerikanischen Markt. In den letzten Jahren erobern "German Boardgames" wie "Siedler von Catan" aber immer mehr den amerikanischen Markt.
Das liegt unter anderem auch daran, dass in Deutschland die weltweit größte Spielemesse "SPIEL" in Essen stattfindet. Dort werden neue Spiele vorgestellt, die dann gemeinsam ausprobiert und auch gekauft werden können. 2019 kamen mehr als 200.000 spielebegeisterte Besucher aus über 100 Nationen.

Fazit
Die Meisten haben mit der Familie früher zusammen "Uno", "Spiel des Lebens" oder andere Spiele gespielt. Aber vor allem in Zeiten, in denen man viel zu Hause ist, werden diese Spiele auch bei Erwachsenen immer beliebter. Wenn man erstmal die Freude am Spielen entdeckt hat, egal ob mit- oder gegeneinander, so ist es schwer, damit wieder aufhören zu wollen. Daher schätzen auch Experten, dass Gesellschaftsspiele auch nach Corona weiter so beliebt sein werden – oder sogar weiter an Beliebtheit gewinnen.

Quellen:

Informationen

  • Text: Linda Schöne
  • Foto: Linda Schöne
  • Datum: 18. Februar 2021
  • Kategorie: Kultur