Homosexualität im deutschen Fußball

Momentan gibt es keinen Fußballer in der Bundesliga, der sich zu seiner Homosexualität öffentlich geäußert hat. Schätzungen zufolge soll aber in jeder Mannschaft mindestens ein homosexueller Spieler vertreten sein. Woran liegt es also, dass sich so wenige Profispieler outen und dies erst, wenn überhaupt, nach Ende ihrer Karriere tun?

Zuerst einmal fällt auf, dass sich die Bundesliga gegenüber Homosexualität tolerant zeigt und versucht, mit verschiedenen Aktionen ihre Offenheit und Vielfältigkeit zum Ausdruck zu bringen. Genauso tun dies auch verschiedene Vereine. In verschiedenen Stadien verkörpern die Eckfahnen mittlerweile die Regenbogenflagge und auch auf den Trikots oder Kapitänsbinden ist diese oft vertreten.

Die Liga und die Vereine zeigen sich also tolerant. Das Problem aber liegt bei der Gesellschaft. Die Hürde zum Coming-Out ist oft die Ungewissheit darüber, wie die anderen reagieren. Für einen Profifußballer, der also eine Person des öffentlichen Lebens ist, ist diese Hürde aber noch viel größer. Schockierend ist, dass sogar Ex-Nationalspieler Phillip Lahm in seinem Buch den Profis rät, sich erst nach ihrer Karriere zu outen. Weil es sie in ihrer aktiven Karriere vor eine Menge Probleme stellen könnte.

Die Medien haben einen sehr großen Einfluss auf die Angst davor, sich zu outen. Wenn ein Fußballrofi sich outet, weiß er nicht, wie die Medien mit dem Thema umgehen. Manche könnten es als einen mutigen Schritt sehen, andere könnten aber auch negative Schlagzeilen verbreiten. Zudem könnte es passieren, dass sich der Profi in Zukunft nur noch auf Fragen bezüglich seiner Sexualität und nicht seiner spielerischen Leistung einstellen muss. Sein fußballerisches Talent könnte damit völlig in den Hintergrund geraten.

Die Fans spielen aber auch eine wichtige Rolle und erschweren die Entscheidung, sich als Profi zu outen. Denn ähnlich wie Rassismus in Stadien immer wieder auftritt, kommt es auch zu homophobisch geprägten Vorfällen.  Der Spieler würde also Gefahr laufen, dass sich seine Fans nicht mehr mit ihm identifizieren könnten und diese ihn möglicherweise im Verein nicht mehr akzeptieren, was im schlimmsten Fall ein Karriereende für den Spieler bedeuten könnte.

Zudem muss man noch erwähnen, dass Deutschland eines der Länder ist, wo Homophobie nicht so weit verbreitet ist wie in anderen Ländern. Dies zeigt uns der Gay-Travel Index (2020). Denn dort belegt Deutschland bei den Homofreundlichsten Ländern Platz 11. Trotzdem gibt es keinen aktiven Fußballer in Deutschland, der offen mit seiner Sexualität lebt. Das zeigt also nochmals deutlich die Problematik.

Quellen:

Informationen

  • Text: Julian Bachmann
  • Foto: Julian Bachmann
  • Datum: 19. März 2021
  • Kategorie: Sport