Streamingdienste und Kino: Freund oder Feind?

Machen die Streamingdienste das Kino kaputt? Kaum ein Thema wird in der Filmszene so heiß diskutiert. Besonders in Zeiten von Corona wird diese Debatte immer hitziger. Doch ist die Gefahr wirklich so gravierend?

Das Mulan-Dilemma
„Disney+ bringt Mulan nicht ins Kino.“ Diese Meldung wirkte wie ein Schlag in die Magengrube der Kinos. Doch Disney sah sich zum Handeln gezwungen, da die Lage der Kinos in den verschiedenen Ländern unsicherer denn je war und man den eigenen Streamingdienst mit diesem Film pushen wollte. Also bot man den Film für 21,99 Euro bei Disney+ an und versprach, den Film nach knapp zwei Monaten allen Abonnenten zur Verfügung zu stellen. Doch das führte in vielerlei Hinsicht zu Problemen.

Für die Kinos war Disney immer eine Bank und man wusste, dass man Disneyfilmen ziemlich sicher viele Besucher in die Kinos bekommt. Gerade im Jahr 2020 war dies umso wichtiger, da zahlreiche Verschiebungen von Filmen die Zukunft einiger Kinos gefährdete und man hoffte, wenigstens mit „Mulan“ einen Kassenschlager zeigen zu können. Auch für viele Zuschauer und für Disney hat sich die ganze Sache im Endeffekt nicht wirklich gelohnt. Der Preis für Mulan war nämlich so hoch, dass viele einfach gewartet haben, bis der Film umsonst auf Disney+ verfügbar war. Zwar sind die genauen Zahlen nicht verfügbar, doch der Film wurde als einer der am „wenigsten erfolgreichen Filme der Disney-Geschichte“ bezeichnet. Das sagt schon einiges aus. Dieses Beispiel zeigt, dass das Kino auch für die großen Studios eine wichtige Bedeutung hat.

Netflix als Big-Player
Auf der anderen Seite stehen die etablierten Streamingdienste, allen voran Netflix. Netflix ließ in den letzten Monaten immer mehr aufhorchen. Erst vor kurzer Zeit wurde das wohl größte Projekt aller Zeiten, „Red Notice“ von Universal ersteigert. Ein Action-Film, für den vor allem Ryan Reynolds, Gal Gadot und Dwayne „The Rock“ Johnson ordentlich absahnen sollen.
Projekte wie „Red Notice“ zeigen, dass Streamingdienste mittlerweile eine große Rolle im Filmbusiness spielen. Immer mehr größere Projekte werden von den Diensten finanziert und kommen, wenn überhaupt, nur vereinzelt in die Kinos. Ein Problem, dass den Kinos Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Kinos und Streaming müssen und werden nebeneinander funktionieren
Doch all diese schlechten News sind eigentlich garnicht so schlecht, denn es wird auch in Zukunft genug Filme geben, die ins Kino kommen müssen. Studios werden merken, dass sie die Einnahmen brauchen und es gibt immer noch genug Filmemacher, die Filme für die Kinos machen wollen. Kino ist immer noch etwas Besonderes, ein Kulturereignis und es wird immer etwas Besonderes bleiben. Popcorn, eine tolle Atmosphäre und die riesigen Leinwände werden immer einen speziellen Charme versprühen und Menschenmassen anziehen. Netflix und Co. sind eher eine Freizeitbeschäftigung und ein Sammelsurium von Filmen. Außerdem bieten diese Chancen für Filme, die im Kino nicht die Millionen einspielen würden und viele Filmemacher können sich hier ausprobieren.

Kinos und Streamingdienste werden immer nebeneinander funktionieren und sollten sich vielleicht sogar gegenseitig unterstützen. Denn durch Streamingdienste kann eine Filmliebe entstehen. Und wer Filme liebt, kann sich früher oder später nicht mehr der Faszination Kino entziehen. Beides hat seine Daseinsberechtigung und beides ist wichtig für die heutige Filmindustrie. Wollen wir hoffen, dass vor allem das Kino noch lange existiert.

Quelle:

Informationen

  • Text: David Heermann
  • Foto: David Heermann
  • Datum: 20. März 2021
  • Kategorie: Kultur