Die Wirkung von "ASMR"-Videos

Flüsternde Stimmen, knisternde Geräusche oder das leichte Tippen auf verschiedenen Gegenständen: All das macht den Begriff "ASMR" aus, und diese vier Buchstaben dürften vielen von Euch bekannt vorkommen. Kein Wunder, denn im Jahr 2018 bildete sich ein regelrechter Hype um diese Videos, die vor allem auf der Social-Media-Plattform Youtube verbreitet wurden. Heute sind sie immer noch sehr beliebt und erreichen viele Menschen. Doch was macht diese Videos so besonders?

Die Bedeutung
Auch wenn ich die Abkürzung "ASMR" bereits mehrmals gelesen habe, wusste ich selbst bis zum heutigen Tag nicht, was sie überhaupt bedeutet. Sie steht für den englischsprachigen Begriff "Autonomous Sensory Meridian Respose", der ziemlich wissenschaftlich klingt, es aber nicht ist. Wissenschaftlich ist ASMR zu diesem Zeitpunkt kaum erforscht. Auch an einer treffenden deutschen Übersetzung gibt es Mängel, im Internet werden jedoch Wörter benutzt, die auf der beabsichtigten Wirkung der Wahrnehmung basieren, wie beispielsweise "Kopfkribbeln" oder "Gehirnkribbeln". Das Geräusch und/oder das Visuelle, was in ASMR-Videos vorkommt, löst nämlich bei vielen Menschen ein Kribbeln im Hinterkopf aus, das sich über den Nacken bis hinunter zu den Schultern streckt und als angenehm empfunden wird. Es gibt aber dennoch Personen, die auf die beabsichtigten "Trigger" (zu deutsch: "Auslöser") nicht anspringen und ASMR demnach nicht empfinden können.

Die Wirkung
ASMR kann, wie bereits erwähnt, eine angenehme und beruhigende Wirkung haben. Einigen Quellen zufolge sollen die Geräusche auch beim Einschlafen helfen und dem Alltagsstress sowie Angstzuständen entgegenwirken. Wie ist das also auf wissenschaftlicher Basis zu erklären?

Kurzgefasst wird vermutet, dass die Wirkung von ASMR mit der Synästhesie zusammenhängt. Darunter versteht man die Wahrnehmung zweier oder mehrerer Sinnesreize, bei der aber nur ein einziger Sinn erregt wird. Die Wirkung kann überwiegend durch akustische – aber auch durch visuelle Reize, in diesem Fall beispielsweise durch das bloße Sehen von (Kopf-)Massagen, auftreten. Andere beliebte visuelle Reize sind zudem das Schneiden von Seife oder auch das Haare kämmen. Die Synästhesie trifft insofern zu, dass das Kribbeln am Hinterkopf als sanfte, angenehme Berührung empfunden wird, die aber nicht wirklich existiert, da sie niemand ausübt. Somit kann der Körper durch Geräusche entspannen und negative Gefühle für unterschiedlich andauernde Zeiträume minimieren.

Forschungen
Um herauszufinden, ob ASMR eine psychologische Wirkung auf den Menschen hat, führte die Psychologin Giulia Poerio von der University of Sheffield (England) im Jahr 2018 mit 1000 Testpersonen eine Untersuchung durch. Diese bestand daraus, dass die Probanden sich vorgegebene ASMR-Videos anschauen und danach angeben sollten, wie aufgeregt, fröhlich oder entspannt sie waren. Unter den Videos war ein Video als vermeintliches ASMR-Video getarnt, was aber keine typische Trigger wie beispielsweise das Flüstern oder Knistern enthielt. Das fiel auch im Ergebnis der Untersuchung auf, denn bei allen anderen Videos gaben die Testpersonen an, sich durch diese deutlich entspannter zu fühlen.

Von Poerio wurde zudem ein Laborexperiment geleitet, das sie mit 110 Freiwilligen durchführte. Diese trugen beim Schauen der Videos Sensoren, die unter anderem die Herzfrequenz maßen. Im Schnitt schlug das Herz der Testpersonen drei Schläge pro Minute langsamer als üblich.
Demnach kamen Poerio und andere Forscher zu dem Schluss, dass das Schauen von ASMR-Videos durchaus einen Entspannungszustand auslösen und die Pulsrate senken kann. Eine kleinere Umfrage aus dem Jahr 2014 hat zudem ergeben, dass über 50 Prozent, von den teilnehmenden 91 Personen also stolze 53, schon einmal ASMR erlebt hatten.

Falls Ihr nach diesen positiven Informationen neugierig geworden seid und nun selbst herausfinden wollt, ob Ihr einen persönlichen ASMR-Trigger habt, findet Ihr unten ein Youtube-Video mit über 50 Triggern verlinkt.

Quellen:

Informationen

  • Text: Nina La Londe
  • Foto: Nina La Londe
  • Datum: 10. April 2021
  • Kategorie: Kultur Ratgeber