Die Chancen und Risiken des bargeldlosen Bezahlens

„Zahlen Sie bar oder mit Karte?“ Ein Satz, den jeder bestimmt schon einmal beim Bezahlen an der Kasse gehört hat. Die Deutschen greifen häufiger zum Bargeld, wohingegen in anderen Ländern das bargeldlose Bezahlen immer beliebter wird und sogar die Idee diskutiert wird, ob man Bargeld ganz abschaffen soll. Doch welche Chancen und Risiken bietet das bargeldlose Bezahlen?

Situation in Deutschland
Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Juli 2019 haben 60 Prozent der Befragten zuletzt mit Bargeld bezahlt und 39 Prozent mit Karte. Außerdem wollen 22 Prozent der Deutschen nicht ständig Münzen und Scheine mit sich herumtragen. Alternativen gibt es dabei genug. Zum bargeldlosen Bezahlen gehören Kreditkarten wie die Giro- oder EC-Karte, aber auch das Bezahlen mit einer App auf dem Smartphone oder einer Smartwatch ist damit gemeint.

Die erste Kreditkarte ist in den USA dabei schon vor 120 Jahren erschienen. Girokarten und deren Vorläuferin, die EC-Karte, gibt es in Deutschland auch bereits seit 50 Jahren. Im Jahr 2020 bezahlten Deutsche laut einer Studie des Marktforschungsinstituts KANTAR 20 Prozent häufiger mit digitalen Zahlungsmitteln als noch 2019. Das liegt auch an der Corona-Pandemie, da verstärkt auf Hygiene aufmerksam gemacht wurde und der Einzelhandel dazu aufrief, öfter bargeldlos zu bezahlen. Denn wenn man kontaktlos mit einer Karte zahlt, gibt es weniger Kontaktflächen und damit Möglichkeiten, das Virus zu übertragen.

Zudem zählt das Bezahlen mit Kreditkarten zu den sichersten Zahlungsmitteln im stationären Handel, da auf den Kreditkarten EMV-Chips sind. Das ist ein auf der Kartenoberfläche sichtbarer Chip, der Kartenfälschungen verhindert und Transaktionen zusätzlich absichert. Aber warum stehen die Deutschen bargeldlosem Zahlen dann so kritisch gegenüber?

Chancen und Risiken des bargeldlosen Zahlens
Wenn die Technik funktioniert, so ist das kontaktlose Zahlen mit einer Kreditkarte schneller als das traditionelle Suchen nach Kleingeld. Das liegt vor allem daran, dass bei Beträgen bis zu 50 Euro oft kein PIN eingegeben werden und generell kein Rückgeld ausgezahlt werden muss. Außerdem ist das Portemonnaie leichter, wenn man nur Kreditkarten oder das Smartphone zum Bezahlen braucht und keine Münzen mehr mit sich herumträgt.

Jedoch sehen viele als großen Vorteil beim Bezahlen mit Bargeld, dass man den Bezug zum Geld nicht verliert, da man vorher weiß, wie viel Geld man im Portemonnaie hatte und nach dem Einkauf genau sieht, wie viel noch übrig ist. Jedoch kann dabei der Überblick über die Ausgaben verloren gehen, da nur bekannt ist, dass das Geld „weg“ ist. Man müsste die Quittungen und Kassenbons aufbewahren und sortieren, um zu sehen, wohin das Geld verschwunden ist.

Wenn man mit der Kreditkarte bezahlt, sieht man auf den Kontoauszügen genau, wofür, wann und wie viel ausgegeben wurde und wie viel noch übrig ist. Da man dafür aber öfter zur Bank gehen muss, nutzen viele Deutsche Online-Banking. Dabei bekommt man oft eine App aufs Smartphone, mit der man den Kontostand schnell, unkompliziert und jederzeit überprüfen kann.

Beim Bezahlen mit Kreditkarte wird aber kritisiert, dass die Anonymität verloren geht, da Daten von uns gesammelt werden und oftmals nicht klar ist, wer inwiefern Zugriff auf diese Daten hat und damit umgeht.

Deutschland gilt weiterhin als ein traditionelles Bargeldland, da es immer noch einige Läden gibt, in denen man nicht mit Karte zahlen kann, etwa in kleineren Restaurants oder Läden. Daher haben viele Deutsche, auch wenn sie gerne bargeldlos zahlen, immer einen „Notgroschen“ dabei. In anderen Ländern wie in Schweden ist es genau anders herum: Dort kann man in einigen Läden nur noch bargeldlos bezahlen.

Vorbild Schweden?
Schweden hat sich bis 2030 das Ziel gesetzt, dass das Land kein Bargeld mehr benötigt. Da das Land so groß und relativ schwach besiedelt ist, ist es umständlich und teuer, auch an die abgelegensten Orte Bargeldlieferungen auszuführen. Daher finden bereits jetzt 80 Prozent der Bezahlvorgänge digital statt und in vielen Geschäften wird gar kein Bargeld mehr angenommen. Dieser Vorgang wird auch von Banken gefördert, da es in vielen Filialen nicht mehr die Möglichkeit gibt, Bargeld ein- oder auszuzahlen.

Die Umstellung geht schnell, da es zum einen die digitale und strukturelle Veränderung in den Bankfilialen und den Läden gibt, die Bevölkerung andererseits aber auch die Änderungen akzeptiert und offen für digitale Bezahlsysteme sind.

Fazit
Das Bezahlen mit Kreditkarten zählt im stationären Einzelhandel zu den sichersten Bezahlmethoden. Wenn die Technik funktioniert, gehört sie auch zu den schnellsten. Nutzt man Online-Banking, so hat man direkt via Smartphone einen Überblick über den Kontostand und die Ausgaben.

Dennoch ist in der deutschen Mentalität das Bezahlen mit Bargeld tief verankert, da in einigen Läden noch immer nur bar gezahlt werden kann und viele für den Notfall immer Geld in der Tasche haben. Außerdem gibt es Bedenken darüber, was mit den Daten passiert, die zwangsläufig beim digitalen Bezahlen gesammelt werden. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob er lieber bar oder mit Karte zahlt, aber vor allem während der Pandemie bietet es sich an, kontaktlos und schnell zu zahlen.

Quellen:

Informationen

  • Text: Linda Schöne
  • Foto: Linda Schöne
  • Datum: 13. April 2021
  • Kategorie: Ratgeber