Woher kommt unsere Begeisterung für das Böse?

Mord, Totschlag und ermittelnde Kommissare: Das Spektrum verschiedener Szenarien von Thrillern und Kriminalromanen ist umfassend und sehr vielschichtig. Wenn wir mal keine Zeit vor den flackernden Bildschirmen verbringen und die Augen etwas entspannen wollen, greifen wir oftmals zum Lieblingsthriller oder Krimi. Aber woher genau kommt unsere Faszination für blutrünstige Straftaten, Gefängnisse, Psychiatrien und Schwerverbrecher?

Zwar ist der Inhalt von Thrillern alles andere als beruhigend und weit weg von dem, was wir als „Entspannung“ betiteln würden, aber trotzdem verkaufen sie sich unter anderem mit am besten im Buchhandel. Eine Vielzahl an Bestseller-Autoren wie zum Beispiel Sebastian Fitzek oder Nele Neuhaus schreiben Bücher, die vor allem dem Psychothriller-Genre zugeordnet werden können. Läge es für Zwecke der Entspannung vom Alltag nicht näher, einfach zu einem seichteren Liebesroman zu greifen und in eine andere, heile und rosarote Welt zu entfliehen?

Was Thriller für uns lesenswert macht
Der erste und selbsterklärende Grund für die Begeisterung ist, dass wir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit solche Situationen nicht in unserem Leben erleben werden. Das ist natürlich erleichternd, aber zugleich machen die in Thrillern dargestellten menschlichen Abgründe und Straftaten neugierig. Nicht umsonst sitzen mittwochsabends tausende Menschen vor dem Fernseherbildschirm um „Aktenzeichen XY“ zu verfolgen - wohl wissend, dass alles davon real und noch ungeklärt ist.

Schon in der Bibel wurden Ermordungen thematisiert. Zudem wird in zahlreichen literarischen Werken die Frage nach Gerechtigkeit behandelt und um diese zu klären und umzusetzen, muss etwas Ungerechtes geschehen. Natürlich heißt das nicht, dass eine erschütternde Straftat passieren muss, aber das ist nun mal etwas, was in den Gedanken vieler Menschen bzw. Leser*innen hängen bleibt.

Der Hauptbestandteil von Krimis und Thrillern ist, fernab von dem zentral stehenden Bösen, der Unterhaltungswert. Und je psychisch auffälliger und absurder die Thematik eines Thrillers in die Tiefe geht, um so gefesselter blättern wir von Seite zu Seite.

Denn anders als bei trivialeren Romanen können wir das Buch nicht bei Seite 75 aus der Hand legen, wenn zuvor das Mädchen auf dem Heimweg von der Schule verschwunden ist und sich jede Spur von ihr verloren hat. Natürlich gibt es auch bei Thrillern und Kriminalromanen, wie bei jedem anderen Genre auch, Qualitätsunterschiede und subjektive Einschätzungen. Diese hängen davon ab, wie sehr uns der Inhalt bewegt und ob wir dann doch nachts wach liegen, um nachzulesen, wer denn jetzt der Serienmörder war.

Welche Gefühle und Denkweisen werden beim Lesen von Thrillern angeregt?
In erster Linie verspüren wir als Leser*innen ein beängstigendes Gefühl: Spätestens dann, wenn wir nach dem Lesen die Augen zu machen und schlafen wollen. Wir malen uns dann vielleicht aus, wie es wäre, wenn wir in der Situation des Opfers wären oder wie wir Taten verhindern würden. Wir fragen uns, wie wahrscheinlich es ist, dass wir selbst in eine brenzlige, lebensbedrohliche Situation geraten oder warum es so viele ernste, realistische Fälle da draußen in der Welt gibt. Wird der Täter am Ende überführt und der Fall gelöst haben wir Stück für Stück eine Entwicklung mitverfolgt, die uns zum Nachdenken anregt hat.
Es lohnt sich in jedem Fall, Thrillern eine Chance zu geben, wenn das nicht sowieso schon geschehen ist. Die erzählte Welt ist zwar grausam und düster, aber gleichzeitig befinden wir uns weit weg davon und sind beim Lesen ‚live‘ dabei, wie Tatbestände dokumentiert und schließlich aufgeklärt werden.

Quellen:

Informationen

  • Text: Katharina Breßler
  • Foto: Katharina Breßler
  • Datum: 26. April 2021
  • Kategorie: Kultur