NordLink: Das „grüne Kabel“ geht in Betrieb.

Vor wenigen Tagen wurde das Gemeinschaftsprojekt von Norwegen und Deutschland „NordLink“ dem Betrieb übergeben. NordLink ermöglicht den Austausch von Strom aus erneuerbaren Energien zwischen beiden Ländern und ist ein wichtiger Meilenstein der europäischen Energiewende. Aber wie funktioniert NordLink? Welche Idee steckt dahinter?

Was ist NordLink?
Am 27.05.2021 wurde das Projekt „NordLink“ von der norwegischen Ministerpräsidentin Erna Solberg und von Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell zum Betrieb freigegeben. NordLink ist ein Seekabel, das Deutschland mit Norwegen verbindet. Über das Kabel wird Strom aus erneuerbaren Energien zwischen den beiden Ländern transportiert. So werden die nationalen Strommärkte vernetzt. Nach 5 Jahren Bauzeit und einem Investitionsvolumen von ca. 2 Milliarden Euro wurden 516 Kilometer Seekabel, 54 Kilometer Erdkabel auf deutscher Seite und 53 km Freileitungen auf norwegischer Seite umweltverträglich verlegt. Darüber hinaus wurden auf beiden Seiten sogenannte Kopfstationen errichtet, die den Anschluss von NordLink an die jeweiligen nationalen Stromnetze technisch realisieren. Über NordLink kann eine Leistung von ca. 1,4 Megawatt übertragen werden. Damit können bis zu 3,6 Mio. Haushalte mit grünem Strom versorgt werden. Dies entspricht ungefähr der Kapazität eines großen konventionellen (z.B. Kohle, Atom) Kraftwerks.

Welche Idee steckt hinter NordLink?
Norwegen erzeugt seine Energie zu ca. 96%  aus Wasserkraft. Wesentliche Grundlagen dafür bilden die vielen natürlichen Wasserspeicher, die aufgrund der besonderen Topologie des Landes zahlreich vorhanden sind. So gibt es in Norwegen unzählige Seen, Flüsse und Fjorde.  Je nach Strombedarf werden die Wasserkraftwerke entsprechend hoch- und runtergefahren. Obwohl es sich bei der Wasserkraft in der Regel um eine erneuerbare Energie handelt, kann die Energieerzeugung, wie bei konventionellen Kraftwerken, relativ einfach an den aktuellen Strombedarf angepasst werden.

Ganz anders verhält es sich mit dem Strom aus der Windenergie, der in den zahlreichen Windparks in Norddeutschland produziert wird. Der Strom muss nach der Erzeugung direkt verbraucht werden. Eine wirtschaftliche Zwischenspeicherung ist noch nicht möglich. An Tagen mit viel Wind müssen die Windparks regelmäßig Teile ihrer Windkraftanlagen abschalten. Andernfalls würde zu viel Energie erzeugt, was die Stromnetze beschädigen würde. Auf diese Weise „verschenken“ wir einen Teil Windenergie. An Tagen ohne Wind muss dann auf Strom aus konventionellen Kraftwerken zurückgegriffen werden.

Und genau diese Unterschiede in der Speicherbarkeit der verschiedenen erneuerbaren Energien von Wind und Wasser macht sich NordLink zu nutze. Zukünftig wird man an windstarken Tagen die Windkraftanlagen nicht mehr runterfahren, sondern den „überschüssigen“ Strom nach Norwegen liefern. Der Strom wird dort in den Haushalten direkt verbraucht. Dafür können in Norwegen die Wasserkraftwerke runtergefahren werden und somit kann Wasser für die Stromerzeugung eingespart werden. Die Wasserspeicher in Norwegen dienen dann als “virtuelle Speicher” für die Windenergie. Wenn der Strom von den Windkraftanlagen in Norddeutschland aufgrund von Windstille nicht mehr ausreicht, kann dann der Strom aus den Wasserkraftwerken in Norwegen genutzt werden.
Mit NordLink hat man also einen Verbund zum Austausch von „grünem Strom“ geschaffen.   

Wie funktioniert NordLink in der Praxis?

Im Alltag funktioniert NordLink nicht exakt nach dem zuvor darstellten technischen Prinzip. Der Austausch des Stroms folgt einem Marktmodell. Wenn der Strom an den jeweiligen nationalen Strommärkten teurer ist als der verfügbare Strom über NordLink, kaufen die Energieversorgungsunternehmen den günstigeren Strom von NordLink ein. Die Preise hängen von sehr vielen Faktoren ab und berücksichtigen nicht nur die Verfügbarkeit von grünem Strom über NordLink, sondern unter anderem auch die aktuelle Nachfrage und Aspekte der Versorgungssicherheit.

Wer betreibt NordLink?

NordLink wurde von einem Konsortium, bestehend aus der deutschen Firma TENNET, der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem norwegischen Übertragungsnetzbetreiber Statnett, realisiert. Die Strompreise von NordLink werden in Deutschland von der Bundesnetzagentur reguliert. Erzielte Überschüsse werden nach Abzug aller Kosten und der Refinanzierung der Kredite, sowohl in Deutschland als auch in Norwegen, zweckgebunden wieder in den Ausbau der Netzinfrastruktur investiert. Damit leistet NordLink für unsere Gesellschaft einen weiteren Beitrag zur Energiewende.

Herausforderungen beim Bau von NordLink
Der Bau von NordLink gilt als Leuchtturmprojekt im Rahmen der Energiewende. NordLink ist das längste auf Gleichstromtechnik basierende Seekabel zur Übertragung von grünem Strom. Bei der Verlegung der Seekabel im Wattenmeer mussten, aufgrund des großen Tiefgangs der Kabelschiffe, die Bedingungen von Wetter und Wasserstand sehr genau berücksichtigt werden. Nur so war die Verlegung der Kabel im flachen Wattenmeer möglich.  Darüber hinaus waren generell im Meer als auch an Land hohe Umweltauflagen zu berücksichtigen.

Wie geht es weiter?
Als ein wesentlicher Teil der Energiewende in Deutschland ist geplant, die Windenergie aus Norddeutschland über weitere Erdkabel auch nach Süddeutschland zu transportieren. SuedLink zum Beispiel wird es ermöglichen, den Strom aus den Windparks nach Baden-Württemberg und Bayern zu transportieren. Aktuell laufen die Planungen inkl. der Bürgerbeteiligungen. Die eingesetzte Technik für die Stromübertragung über Strecken von bis zu 700 km ist mit der Technik aus NordLink vergleichbar.

Quellen:

Informationen

  • Text: Matthias Kuhlmey
  • Foto: TenneT
  • Datum: 22. Juni 2021
  • Kategorie: Wirtschaft Politik