Lipödem, die unbekannte Krankheit

Dicke Beine, dicke Arme und eine schlanke Taille und oftmals kommt der Gedanke bei vielen Frauen, dass irgendetwas mit dem eigenen Körper nicht stimmt. Trotz einer Gewichtsreduktion bleiben Arme und Beine dick und unförmig. Die Frauen geben sich selbst die Schuld, nicht richtig abzunehmen und verdrängen die Schmerzen.

 

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, bei der sich das Fettgewebe unkontrolliert symmetrisch vermehrt. Die Proportionen bei den betroffenen Körperteilen wie dem Gesäß, den Beinen und den Armen passen nicht zu dem oftmals schlanken Körperstamm. Aber nicht allein die Optik machen die Krankheit aus, sondern die Schmerzen in den Extremitäten. Der Druckschmerz wird häufig nicht direkt wahrgenommen, nur wenn hier eine Druckberührung im Alltag durch harte Stühle, Sportgeräte oder durch menschliche Berührung erfolgt. Dazu kommen dann die schnell entstehenden blauen Flecken auf der Haut sowie das Schweregefühl in Armen und Beinen. Auch das Gangbild verändert sich und die X-Beine entstehen. Das Hautbild ist knotig, uneben und Dellen werden sichtbar. Zu 99% erkranken nur Frauen am Lipödem. Inzwischen ist bekannt, dass ein Trigger für das Wachstum des Lipödems die Hormonveränderung ist. Folglich beginnt das Wachsen des Lipödems in der Pubertät. Bekannt ist auch, dass sich das Lipödem durch einen wahrscheinlichen Gendefekt an die nächste Generation vererben kann.



Die Stadien des Lipödems

Das Lipödem unterteilt sich in drei Stadien. Im Stadium I ist die Hautoberfläche feinknotig und optisch ist die Fettverteilungsstörung noch nicht so ausgeprägt. Im Stadium II ist die Hautoberfläche grobknotig mit größeren Dellen. Beim Stadium III entstehen deformierende Hautlappen und Wülste. Hinzu kommt eine sehr starke Adipositas. Durch die Verlangsamung des Stoffwechsels nehmen die erkrankten Frauen immer mehr an Gewicht zu. Es kommt ab dem Stadium II zu starken Einschränkungen in der Beweglichkeit. Oftmals entsteht eine weitere chronische Erkrankung das sekundäre Lymphödem. Das Lymphödem ist eine Flüssigkeitsansammlung, wobei Ödeme entstehen. Das Lymphsystem wird durch die Fettvermehrung oftmals geschädigt und so kann das Lymphödem im Zusammenhang mit dem Lipödem entstehen.



Behandlung und Therapiemöglichkeiten

Lipödeme sind grundsätzlich nicht heilbar. Jedoch gibt es die konservative Therapie. Dazu gehört die manuelle Lymphdrainage bei der Physiotherapie und das Tragen von Kompressionsversorgungen. Bei der Kompressionsversorgung handelt es sich um eine flachgestrickte Kompression, die nach Maß angefertigt wird. Die Messung und Beratung erfolgt durch ein Sanitätshaus. Es gibt mehrteilige und einteilige Versorgungen und heutzutage viele Kompressionshersteller, die viele Farben und auch Muster in der Kompressionsversorgung anbieten können. Eine ergänzende Therapiemöglichkeit ist der Rehabilitationssport. Die beste Bewegungstherapie ist der Sport im Wasser. Es gibt auch die Möglichkeit der stationären Rehabilitation in einer lymphologischen Rehaklinik. Eine operative Therapie ist die Liposuktion beim Lipödem. Hier wird das vermehrte krankhafte Fettgewebe an den Extremitäten durch einen Chirurgen abgesaugt. Durch diesen operativen Eingriff wird den Betroffenen die Schmerzen genommen, die Mobilität und die Lebensqualität steigt. Es gibt inzwischen viele operierende Ärzt*innen, die sich auf das Lipödem spezialisiert haben. Es handelt sich hier nicht um eine sogenannte Schönheitsoperation, sondern um einen medizinisch indizierten Eingriff.



Der Umgang mit der Erkrankung

Vermehrt wird das Lipödem von den Ärzt*innen und den Mitmenschen mit der reinen Adipositas (Fettleibigkeit) verwechselt. Die Betroffenen werden nicht verstanden oder werden stigmatisiert. Folglich ist dann eine negative Auswirkung auf die Psyche nicht mehr weit entfernt. Inzwischen gibt es viele Lipödem-Selbsthilfegruppen, die Lipödem Hilfe Deutschland e.V. sowie ein reger Austausch und Informationen auf den sozialen Netzwerken. Der Austausch über Alltagsprobleme sowie die Therapien beim Lipödem helfen den Betroffenen mit dem Umgang der chronischen Erkrankung. Die mediale Aufklärung ist heutzutage wichtig, um die Aufmerksamkeit auf das Lipödem zu erhöhen.

 

 

 

 

Quellen:

 

https://www.lipoedem-hilfe-ev.de/index.php/das-lipoedem


https://de.wikipedia.org/wiki/Lip%C3%B6dem


https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/lipoedem-das-sind-die-symptome_id_10258895.html

 

Informationen

  • Text: Stephanie Hofmann
  • Foto: Stephanie Hofmann
  • Datum: 09. Juli 2021
  • Kategorie: Bildung Ratgeber