Deutschrap at its best

Juju, geboren 1992 als Judith Wessendorf, ist eine Rapperin aus Berlin.

 

Liest man, wenn man nach der Sängerin auf Wikipedia recherchiert. Und das sollte man tun, denn wer sie noch nicht kennt, wird bald von ihr hören. Doch was Wikipedia nicht preisgibt, ist der Einfluss dieser außergewöhnlichen Rapperin und ihr Wirken auf Frauenrechte und deren Anerkennung.

Juju (gesprochen "yuyu”, nicht "dschudschu”) machte ihre ersten Schritte im Rap mit 14 Jahren. Ihr Leben war nicht immer leicht. Laut eigenen Aussagen musste sie schon immer mit Rassismus kämpfen. Ihr Vater stammt aus Marokko. Drogen verkaufen, um halbwegs anständig leben zu können, gehörte zu ihrem Alltag. Wer sich mit Rap auskennt, rechnet bei diesem Lebenslauf nicht damit, dass eine glorreiche Rap-Karriere unmöglich ist. Nein, heute bildet ihre Geschichte das Fundament ihrer Lyrics.

 

Vor zwei Jahren hat Juju ihren Song “Vermissen” mit Deutsch-Pop-Sänger Henning May veröffentlicht. Wessendorf höchst selbst schrieb dabei den Text nicht nur für ihren Part, sondern auch für den Kölner Sänger mit der außergewöhnlichen, rauchigen Stimme. Der Song schoss unverzüglich auf Platz eins der deutschen Charts. So kam die Rapperin endgültig auch im Mainstream der hiesigen Musikkultur an.

 

Zwei Jahre zuvor. Das Rapduo SXTN (gesprochen ßickstn) schlägt große Wellen in der Untergrund Hip-Hop-Welt. Bestehen tut es aus Rapperin Nura und: Juju. Mit Texten über Drogen, Party und die Stadt kommen die Berlinerinnen gut an. Allerdings ziehen sie auch großen Hass auf sich. Die seit Jahren von Männern dominierte Rap Branche gilt oft als harsch, brutal, gewalttätig, kriminell etc. pp... Nach den vorgegebenen europäischen Idealen nicht besonders weibliche Eigenschaften. Frauenfeindlichkeit ist nicht zuletzt deshalb zuhauf in Texten der männlichen Kollegen zu finden. Die Fans: damit einverstanden. Und so ist es erst mal verwirrend, wenn zwei Rapperinnen aus dem Nichts auftauchen, plötzlich der gängigen Praxis einen Strich durch die Rechnung machen. Heute gehen die Künstlerinnen getrennte Wege.

 

Was unterscheidet Juju von ihren weiblichen Kolleginnen?

 

Juju ist nicht die Erste auf ihrem Gebiet. Weibliche Rapperinnen gab es schon zuvor. Allerdings unterscheidet sich Juju in großer Hinsicht besonders in einem Aspekt von ihren Vorgängerinnen. Sie bringt den modernen, jugendlichen Lebensstil der späten 2010er und den Klang der Frauenrechte ohne peinliche Erläuterungen, sondern auf coole, eindrucksvolle und Rap taugliche Art und Weise nach außen.

 

Frauenrechte? Wer Jujus Texte kennt, wird möglicherweise stutzig. Denn klare Aussagen zu gesellschaftspolitischen Themen sind kryptisch und versteckt. Kostproben gibt es auf allen bekannten Streamingdiensten. “Bling Bling” heißt das neueste Album der Berlinerin, auf dem sich auch “Vermissen” befindet. Auf der Platte folgt ein Hit dem nächsten. Alle mit dem typischen Juju Charme. Und wieder mit grandiosen Texten, feministischem Unterton und voller Authentizität. Kein Wunder, dass der Erfolg der Berlinerin so gewaltig ist. Juju ist eine Pionierin.

Mut wird belohnt.

 

Quellen:

https://39neunzig.de/collections/juju

https://web.de/magazine/unterhaltung/thema/juju

 

Informationen

  • Text: Felix Bender
  • Foto: Felix Bender
  • Datum: 23. Juli 2021
  • Kategorie: Kultur Kommentar