Was ist mit dem Kottenforst passiert?

Der Kottenforst ist ein Waldgebiet, das sich von Bonn bis zum Rhein-Sieg-Kreis erstreckt.

Der Kottenforst ist seit 2004 ein Naturschutzgebiet. In den letzten Jahren hat sich das Erscheinungsbild des Kottenforst jedoch massiv verändert. Was steckt aber hinter diesen Veränderungen?

In einem Interview mit Klaus Striepen vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen aus dem Team Waldnaturschutz habe ich erfahren, wie es zu den sichtbaren Veränderungen im Kottenforst gekommen ist.

Als Experte für den Kottenforst kann Klaus Striepen dabei aus erster Hand berichten.

Matthias Kuhlmey:

Ich bedanke mich erst mal, dass Sie sich die Zeit für unser Interview nehmen.

Klaus Striepen:

Ich freue mich sehr über die Einladung. Gerne berichte ich über den Kottenforst.

Matthias Kuhlmey:

Was ist mit dem Kottenforst in den letzten Jahren denn passiert?

Klaus Striepen:

Wir hatten drei sehr trockene Jahre hintereinander und da hat besonders die Fichte drunter gelitten. Zusätzlich gab es noch einen massiven Borkenkäferbefall. Dadurch sind fast alle Fichten im Kottenforst abgestorben.

Matthias Kuhlmey:

Wenn die Fichte jetzt so gut wie verloren ist, was wird denn anstelle der Fichte im Kottenforst angepflanzt?

Klaus Striepen:

Unter natürlichen Verhältnissen würden im Kottenforst Eichenmischwälder wachsen. Daher pflanzen wir jetzt auch wieder Eichen in Mischung mit anderen Baumarten wie die Hainbuche, Winterlinde oder Rotbuche an.

Matthias Kuhlmey:

Das ist interessant. Aber Laubbäume wachsen doch wesentlich langsamer als Fichten. Wie lange wird es denn dauern, bis der Wald wieder so schön hochgewachsen ist, wie er mal war?

Klaus Striepen:

Also so in ca. fünf bis zehn Jahren werden die Freiflächen zugewachsen sein. Bis wir so einen schönen alten Eichenwald sehen, wird es so 100 bis 120 Jahre dauern.

Matthias Kuhlmey:

Das ist eine sehr lange Zeit. Das hätte ich nicht gedacht. Ich möchte noch mal nachfragen. Warum kommen eigentlich die Laubbäume mit der Trockenheit besser zurecht als die Fichten?

Klaus Striepen:

Die Eiche wurzelt im Gegensatz zur Fichte sehr tief. Sie kann sich auch aus tieferen Bodenschichten mit Wasser versorgen.

Matthias Kuhlmey:

Wenn man durch den Kottenforst geht, sieht man überall so kleine Teiche. Was hat es damit auf sich?

Klaus Striepen:

Der Kottenforst ist eine der bedeutendsten Amphibien-Gebiete in Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen eines großen Naturschutzprojektes haben wir in den letzten Jahren zahlreiche Amphibien-Gewässer neu angelegt oder wiederhergestellt. Zu den Amphibien gehören vor allem Frösche und Lurche. Die Teiche dienen als artgerechter Lebensraum und vor allem auch als ideale Laichgebiete.

Matthias Kuhlmey:

Das ist schön zu hören. Dann gibt es demnächst wieder mehr Frösche im Wald, aber wahrscheinlich auch mehr Insekten, die uns dann piken. Aber das nehmen wir gerne in Kauf. Was bedeutet denn der Waldumbau für die anderen Tiere im Wald? Wie verändert sich denn deren Lebensraum?

Klaus Striepen:

Also so richtig können wir das noch gar nicht abschätzen. Was wir erwarten können, ist, dass wir wieder mehr Vogelarten im Kottenforst antreffen werden. Wahrscheinlich kommt der Kuckuck zurück. Oder wir werden vermutlich auch den Grauspecht wiedersehen. Diese Arten profitieren von den offenen Flächen.

Matthias Kuhlmey:

Was ist mit den anderen Tieren wie zum Beispiel den Rehen, den Wildschweinen oder mit der Wildkatze?

Klaus Striepen:

Alle Arten werden vom Waldumbau profitieren. Sie finden in den Verjüngungen, die auf den Freiflächen aufwachsen werden, reichlich Nahrung und Versteckmöglichkeiten.

Matthias Kuhlmey:

So, jetzt habe ich mal eine Frage zu dem Holz und der Fichte. Die Fichte ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Wald. Wird es denn zukünftig im Kottenforst überhaupt noch Holzwirtschaft geben?

Klaus Striepen:

Die Fichte hat ein Großteil des produzierten Holzes in Deutschland ausgemacht. Das wird sich stark verändern. Der Kottenforst ist ein Wirtschaftswald und wird das auch in der Zukunft bleiben. Allerdings wird man vermehrt Eichen- und Buchenholz nutzen.

Matthias Kuhlmey:

Sie sagen, der Kottenforst bleibt ein Wirtschaftswald. Wie passt das eigentlich damit zusammen, dass der Kottenforst auch ein Naturschutzgebiet ist?

Klaus Striepen:

Der Kottenforst wird integrativ bewirtschaftet, das heißt,

wir berücksichtigen ökonomische und ökologische Ziele gleichermaßen. Konkret heißt das zum Beispiel, wir nutzen nicht alle Bäume, sondern ein Teil der Bäume verbleibt als Lebensraum für Tiere, Pilze und Pflanzen im Wald.

Matthias Kuhlmey:

Eine letzte Frage habe ich noch an Sie. Seit der Corona-Krise trifft man ja viel mehr Leute im Wald. Manchmal wird es eng. Wie sollten sich die Leute verhalten?

Klaus Striepen:

Das ist wie im restlichen Leben. Auch im Wald geht es um gegenseitige Rücksichtnahme. Die Wege im Kottenforst werden von allen gemeinsam genutzt: Fahrradfahrer, Fußgänger und Rollschuhfahrer. Da muss man aufeinander Rücksicht nehmen und achtsam sein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass der Kottenforst ein Naturschutzgebiet ist. Daher dürfen die Wege nicht verlassen werden, um die Tiere und Pflanzen nicht zu stören.

Matthias Kuhlmey:

Vielen Dank für Ihre Zeit und die vielen Informationen.

Da bekommt man richtig Lust auf den Kottenforst.

 

Wer noch mehr über den Kottenforst erfahren will, kann weitere Informationen auf www.villewaelder.de finden. Oder am besten den Kottenforst mit dem Fahrrad oder zu Fuß selbst erkunden.

 

Informationen

  • Text: Matthias Kuhlmey
  • Foto: Matthias Kuhlmey
  • Datum: 24. Juli 2021
  • Kategorie: Stadt