Was brauche ich eigentlich, wenn ich Gitarre lernen will?

Für viele ist es ein Traum oder unerfüllter Wunsch, ein Instrument zu lernen. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht nach wie vor die Gitarre. Bei Jugendlichen ist es oft eine Budgetfrage. Bei den Erwachsenen steht eher die Frage im Raum, ob man denn nicht schon zu alt sei. Ich spiele seit mehr als 40 Jahren Gitarre und möchte einige grundlegende Tipps geben.

Was braucht man, um Gitarre zu lernen?
Die wichtigsten Voraussetzungen sind Motivation und Durchhaltevermögen. Es ist wie im Sport oder bei dem Erlernen einer Sprache. Übung macht den Meister. Abgesehen von wenigen Naturtalenten, muss man den Willen und die eigene Motivation mitbringen, um seine Fähigkeiten am Instrument durch regelmäßiges Üben zu entwickeln. Wer glaubt, man kauft sich eine gute Gitarre und schon kann man in wenigen Tagen wie „die Großen“ spielen, wird schnell enttäuscht sein.

Ganz ohne das Verständnis von Noten wird es allerdings auch nicht gehen. Denn es ist schon erforderlich zu wissen, wie die Gitarre grundsätzlich aufgebaut ist und wo man welche Töne findet. Auch Kenntnisse von Tonleitern, Akkorden sowie der Harmonielehre sind vorteilhaft, wenn man sich auf seiner Gitarre auskennen will. Ohne diese theoretischen Kenntnisse wird man schnell merken, dass man irgendwann nicht weiterkommt. Ich kann hier schmerzlich aus eigener Erfahrung berichten.

Wenn man nachhaltig die Gitarre erlernen will, sollte man sich Unterstützung von einem Gitarrenlehrer holen. Gerade am Anfang ist ein roter Faden erforderlich, um Lernfortschritte zu erzielen. Natürlich kann man grundsätzlich auch ein Instrument autodidaktisch erlernen, aber das ist eher die Ausnahme. 

Und natürlich braucht man eine Gitarre. Das ist heute kein Problem mehr. Das Angebot ist riesengroß. Von sehr preiswerten Instrumenten bis hin zu sehr teuren Profiinstrumenten ist alles da. Auch das Angebot von gebrauchten Gitarren z.B. im Internet ist sehr breit. Bei dem Kauf der ersten Gitarre empfiehlt es sich, eine Beratung wahrzunehmen. Auf keinen Fall sollte man einfach auf gut Glück im Internet etwas ordern. Besser ist es, sich in einem Musikgeschäft vor Ort beraten zu lassen und verschiedene Gitarren in die Hand zu nehmen. Auch wenn man noch nicht spielen kann, sollte man das Instrument einfach mögen. Neben dem Klang und der Optik ist eine einfache Bespielbarkeit wichtig. Das bedeutet vor allem, dass die Saitenlage nicht zu hoch ist und der Gitarrenhals gut in der Hand liegt. Am Ende ist es aber auch keine Lebensentscheidung. Gebrauchte Gitarren lassen sich auch wieder über die entsprechenden Portale im Internet verkaufen.

Was darf es denn sein: Akustik- oder E-Gitarre?
Mit welcher Gitarre man starten sollte, hängt natürlich von den eigenen Zielen ab. Zum Erlernen der Grundbegriffe der Gitarre ist es erstmal grundsätzlich egal, mit welcher Gitarre man startet. Aber wenn man schon weiß, dass man z.B. lieber Rock mag, macht es Sinn, gleich mit der E-Gitarre anzufangen. Denn einige Techniken und vor allem Sounds der Rockmusik funktionieren einfach besser bzw. nur auf der E-Gitarre. Darüber hinaus hat man dann schon das richtige Equipment, um sich später auch in einer Band zu versuchen. Bei der E-Gitarre braucht man allerdings neben der Gitarre noch einen Gitarrenverstärker.
Wenn man aber z.B. gut singen kann und die Gitarre eigentlich als Begleitinstrument nutzen möchte, kann eine Akustikgitarre sinnvoll sein. Mit wenig Aufwand ist man dann, z.B. auf einer kleinen Party oder auch draußen, am Start. Selbstverständlich kann man mit einer Akustikgitarre auch sehr gut instrumental unterwegs sein, allein oder auch im Bandkontext.
 
Was kostet eine Gitarre eigentlich?
Auch hier kommt es darauf an. Möchte ich das Gitarrespielen nur mal probieren, dann würde ich weniger investieren, als wenn ich ernsthafte Absichten habe. Bei der E-Gitarre fangen die Startersets so bei ca. 170 € an (E-Gitarre plus Verstärker). Klar, hier darf man nicht zu große Qualität erwarten. Aber mit mehr Budget ist alles möglich. Bei einer Akustikgitarre beginnen die Angebote auch schon bei knapp über 100 €. Allerdings würde ich persönlich lieber etwas mehr ausgeben, da der Klang der Akustikgitarre nicht, wie z.B. bei einer E-Gitarre, durch einen Verstärker verbessert werden kann.

Kein Training ohne Wettkampf!
Wie im Sport sollte man sich beim Gitarreüben realistische und erreichbare Ziele setzen. Nur so kann man seine Motivation über eine längere Zeit oben halten. Und dazu gehört auch mal ein „Wettkampf“. Wenn man ein Stück gut und sicher spielen kann, bringt es viel Motivation, den Song im Freundeskreis mal zum Besten zu geben. Wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat, ist das Spielen in einer Band eine wichtige Erfahrung. Die Band wird dich weiter antreiben, deine Fähigkeiten zu verbessern. Das „Saisonhighlight“ kann ein Auftritt mit der Band sein. Die gewonnene Motivation hilft dann, sich wieder zum regelmäßigen Üben aufzuraffen.

Bin ich zu alt, um Gitarre zu lernen?
Aktuelle Studien zeigen, dass Menschen, die mehrfach Musik in der Woche machen, im Schnitt mit 10 Jahren mit dem Musikmachen angefangen haben. Aber es ist wie bei anderen Dingen auch: eine Altersgrenze gibt es nicht. Ganz im Gegenteil fördert das Spielen eines Instrumentes in jedem Alter z.B. die Auge-Hand-Koordination, das Gehör und verbessert die allgemeine Gehirnleistung. Also: „Let`s Rock“.

Begriffserklärung:
E-Gitarre:
Steht für Elektrogitarre. Die Klangerzeugung wird über sogenannte Tonabnehmer erzeugt, die die Schwingung der Gitarrensaiten in elektrische Signale umwandeln. Die elektrischen Signale werden über einen Gitarrenverstärker hörbar gemacht. Bei einer Akustikgitarre dagegen, wird der Klang direkt durch die Schwingung der Saiten und dem Klangkörper der Gitarre erzeugt.  

Quellen:

Informationen

  • Text: Matthias Kuhlmey
  • Foto: Matthias Kuhlmey
  • Datum: 13. August 2021
  • Kategorie: Bildung Kultur Ratgeber