Wieso lehnen wir andere Sprachen in der Musik so vehement ab?

Hört man die aktuellen Radiocharts, fällt einem zunächst nichts Besonderes auf. Pop- und Dancehits sind aktuell gefragt und dabei auch variantenreich. Doch es ist so, dass quasi die Lyrics alle Lieder, die große Beachtung in der deutschen Musiklandschaft finden, in den Sprachen Deutsch, Englisch und selten auch Spanisch verfasst sind. Dabei gibt es knapp 200 Sprachen auf der Welt. Verpassen wir etwas?

Wieso?
Nun, Deutsch ist in Zentraleuropa die Muttersprache der meisten Einwohner. Deutsche Kunstschaffende nutzen sie, weil sie in ihr oft am sichersten sind und es für Zuhörer leicht ist, Texte zu verstehen, die in ihrer Sprache geschaffen wurden.
Englisch ist die 2. meistgesprochene Sprache in Europa. Dazu kommt, dass die US-Charts, die die Musikbranche auch auf der ganzen Welt, und besonders in den westlichen Ländern mitbestimmen, fast komplett englischsprachig sind.

Spanisch hingegen ist zwar Weltsprache, aber trotzdem deutlich seltener in Songs zu finden, die trenden. Aber, da sie sich in Nordamerika großer Beliebtheit erfreut, und in den USA wie auch in Deutschland in der Schule ein Unterrichtsfach füllt, wird Spanisch, das viele auch pauschal als "schön" betiteln, von bekannten Superstars in ihren Songs genutzt.

Man könnte entgegnen, Französisch würde in Deutschland doch auch in der Schule unterrichtet. Ja, das ist wahr, aber in den Charts finden sich fast nie französische Lieder. In Frankreich ist das natürlich anders. Genau wie man dort kaum deutschen Lieder hören kann.

Es ist also kein allein deutsches, sondern ein internationales Phänomen. Oder auch "Problem". Wir verpassen etwas. Denn nur die Sprache als Kriterium für die Qualität eines Liedes zu wählen, ist ungut. Menschen haben Schwierigkeiten, Lieder zu genießen, wenn die Sprache des Textes eine ist, die sie nicht verstehen. Das liegt vielleicht daran, dass dieser großen Einfluss auf die Wahrnehmung hat. Wenn ein Liedtext cool, witzig oder verrückt ist, dann kann man eine Bindung du dem Interpreten und dem Song gewinnen. Diese Bindung ist vielen scheinbar sehr wichtig.

Musik ist so vielseitig. Gelangt man erstmal in den Genuss, einen Song zu hören, und dann frei von nationaler Voreingenommenheit zu bewerten, vergrößert sich der Horizont der eigenen Vorlieben. Das ist doch etwas Tolles.

Eine Statistik der Uni Mainz zeigt, dass das beliebteste Musikgenre der Deutschen "Pop" ist.
Schlager befindet sich erst auf dem sechsten Platz. Obwohl sich unter den beliebtesten Stilrichtungen auch jene mit ausländischer Hintergrundgeschichte finden, wie R’n’B und Jazz (amerikanisch), lässt sich vermuten, dass die beliebtesten Künstler/innen dieser Richtungen die deutsche Sprache bedienen.
 
J2LASTEU
Ein französischer Rapper hat seit kurzer Zeit unfassbare Reichweite in der Deutschrapszene. J2LASTEU. Wie man das ausspricht, bleibt einem selbst überlassen. Komischerweise ist seine Musik, anders als meine Thesen es besagen, beliebt in Deutschland. Die junge Generation scheint im Wandel zu sein. Der Musikgeschmack ist freier von der Vorstellung, dass ein Lied in der eigenen Muttersprache, oder einer die man versteht, sein muss. Ein gutes Zeichen. Denn Sprache sollte uns nicht im Weg stehen. Vielleicht ist das ein Schritt, in Richtung mehr Toleranz und Weltoffenheit.

Quelle:

Informationen

  • Text: Felix Bender
  • Foto: Felix Bender
  • Datum: 27. August 2021
  • Kategorie: Bildung Kultur Kommentar