Sind Genres noch zeitgemäß?

Man kennt es. Man hört etwas von einem neuen Film und weiß erstmal nichts damit anzufangen. Was man als erstes einmal nachschaut, ist das Genre. Schnell kommen Assoziationen zu anderen Filmen und man urteilt quasi über etwas, das man noch nicht gesehen hat. Sind Genres noch zeitgemäß? Oder verwischt die Grenze zwischen den verschiedenen Genres nicht sowieso?

Die Genre-Einteilung kann bei der Entscheidung, einen Film zu gucken, ungemein helfen. Hat man Lust auf einen Comedy-Film, eine seichte Romanze, oder aber einen knallharten Action-Film, die meisten Genres sind klar zu beschreiben. Sie helfen dem Zuschauer und allen, die mit der Vermarktung von Filmen zutun haben, Filme einzuteilen. Denn die Einteilung ist für die Filmbranche wichtig, um eine bestimmte Zielgruppe für den Film zu begeistern.

Man kann natürlich auch sagen, dass Genres absolut helfen, um auszusortieren. Viele Leute können nichts mit Horror-Filmen anfangen. Ihnen hilft es, wenn sie direkt sehen, was ein Horror- Film ist. Doch jetzt kommen wir zu einem Problem, welches mir in einem Gespräch aufgefallen ist. Denn oft wird schnell, zu schnell, ein Film mit dem Genre Horror bezeichnet. Doch es gibt ein anderes Genre, welches sehr nah am Horror liegt, der Thriller. Und könntest du mir jetzt klar benennen, was ein Thriller ist oder wo genau die Grenze zwischen Horror und Thriller liegt? Wo gibt es eine vernünftige Abstufung?

Natürlich gibt es Sub-Genres, aber da schauen nur wenige Menschen drauf. Und genau das ist das große Problem, oft kann man Genres eben nicht so klar benennen. Denn was für den einen Horror sein kann, ist für den anderen halt nur ein Thriller. Das kann ich auch mit einer Aussage einer Arbeitskollegin belegen, die meinte, dass „A Quiet Place“ ja kein richtiger Horror-Film sei, weil sie Horror ja nicht mag, aber der Film gehen würde. Genau diese Aussage hat mich sehr stutzig gemacht, denn ich habe mir direkt die Frage gestellt, ob Genres überhaupt noch zeitgemäß sind? Denn in Zeiten in denen ein „Parasite“, den man nicht wirklich in ein Genre packen kann, sensationell den Oscar gewinnt, müssen wir uns darüber Gedanken machen, ob es wirklich immer Sinn macht, Filme in Genres zu packen.

Denn die Spitze des Eisbergs ist ein Genre, mit dem ich schon lange nicht mehr viel anfangen kann, das Drama. Denn mittlerweile wird quasi alles, was nicht gerade laut und spektakulär ist, als Drama bezeichnet. Wenn ein Film als Drama deklariert wird, weiß man meistens nicht, was man bekommt, man weiß oft nur, was man nicht bekommt.

Für mich wäre die Genre-Einteilung auch wie gesagt kein Problem, nur leider legen zu viele Leute einen Wert darauf. Und wenn Leute in einen Film nicht reingehen oder enttäuscht aus diesem zurückkommen, liegt es in vielen Fällen an den Erwartungen, die an ein bestimmtes Genre geknüpft sind. Doch ist das noch zielführend? Sollten nicht andere Parameter viel wichtiger sein als die Eingrenzung in ein sehr grobes Genre?

Ja, Genres können in eine bestimmte Richtung lenken und bei der Auswahl eines Films helfen. Und doch würde ich davon abraten, nur anhand einer Genre-Einteilung Filme auszusuchen. Dabei Helfen können Spoiler-freie Experten-Meinungen, die Beschreibung der Produktionsfirma oder auch Trailer, auch wenn man über Trailer wohl einen eigenen Bericht schreiben könnte. Die Zeiten, in denen jeder Film ein bestimmtes Genre hat, sind vorbei und dennoch wird es die Einteilung immer geben. Ein Appell von mir: Nehmt diese Einteilung bitte nicht zu ernst!

Informationen

  • Text: David Heermann
  • Foto: David Heermann
  • Datum: 01. September 2021
  • Kategorie: Kultur