Wie startet ich meine erster Klettersteigtour?

Klettersteige schießen in den letzten Jahren „wie Pilze aus dem Boden“ und liegen voll im Trend. Versprechen sie doch ein alpines Klettererlebnis, ohne große Risiken und umfangreiche Vorbereitungen. Aber ist das wirklich so? Ich habe es ausprobiert. Hier kommt mein kleiner Erfahrungsbericht mit Tipps für interessierte Einsteiger.

Ich möchte vorwegschicken, dass ich als Hobby-Triathlet sehr gut trainiert bin und auch schon in den Bergen einige Hochtouren absolviert habe. Dennoch bin ich im „richtigen“ Bergklettern am Fels ein Anfänger. Aber dieses Jahr sollte es im schönen Südtirol bei Meran ein Klettersteig sein (siehe Link unten).

Die Vorbereitung einer Klettersteigtour
 
Bevor man sich zur Klettersteigtour aufmacht, bedarf es einer Beschäftigung mit dem „Objekt der Begierde“. Damit die erste Tour zu einem schönen Erlebnis wird, sollte man einen einfachen Klettersteig aussuchen. Die Schwierigkeitsgrade werden bei den Klettersteigen immer angegeben. Nach meiner Erfahrung sollte der Schwierigkeitsgrad A bis B ausreichend sein (siehe Link unten). Neben dem Schwierigkeitsgrad sollte aber auch die Länge des Klettersteigs an den individuellen Fitnessstand angepasst sein. Zur eigenen Sicherheit sollte man sich nie am Klettersteig bis zur absoluten Leistungsgrenze „auspowern“.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass man nie allein das erste Mal in einen Klettersteig gehen sollte. Mir hat es sehr geholfen, dass mein Vermieter Martin, ein erfahrender Bergsteiger, dabei war. Das hat mir Sicherheit gegeben und ich konnte mir an schwierigen Stellen immer Tipps geben lassen. Bei vielen Klettersteigen lassen sich geführte Touren für Einsteiger buchen. Das kostet nicht viel und ist gut angelegtes Geld für die eigene Sicherheit.
Und noch mal zum Thema Fitness. Verblüffend war für mich, dass es zwar vorteilhaft ist, Kraft in den Armen zu haben, aber tatsächlich arbeitet man am Klettersteig vielmehr mit den Beinen. Es kann also nicht schaden, im Vorfeld seine Beine zu trainieren und natürlich die allgemeine Kondition auf einen guten Stand zu bringen.

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit: Wer das nicht mitbringt, sollte auf keinen Fall auf einen Klettersteig gehen. Hier gefährdet man sich selbst und andere. Das bedeutet aber nicht, dass man nie auf einen Klettersteig gehen kann. Es gibt Trainingsmethoden, um gerade die Höhenangst in den Griff zu bekommen.
Zum Schluss noch ein Wort zum Thema Wetter und Natur. Ein Klettersteig ist keine Kletterhalle. Hier ist man den Naturgewalten ausgesetzt. Das bedeutet, dass man sich sehr intensiv vor der Tour mit dem Wetter beschäftigen muss. Wird man von Nebel, Regen oder Gewitter im Klettersteig überrascht, wird es sehr gefährlich. Bei instabilem Wetter sollte man lieber die Tour verschieben, auch wenn es weh tut und der Urlaub mal wieder zu kurz ist.

Wie funktioniert ein Klettersteig?
Das klingt erst mal trivial, aber aus eigener Erfahrung versuche ich das noch mal aufzuklären. Ich dachte erst, dass die Sicherung wie in den beliebten Hochseilgärten in Bäumen funktioniert. Man ist immer gesichert und hängt direkt fest in der Sicherung und kann diese sogar als Kletterhilfe nutzen. Das ist beim Klettersteig komplett anders. Über den Klettersteig führt ein Stahlseil, das als Sicherung dient. Dort muss man stets seine Karabiner vom Klettersteigset einhängen. Aber dies dient nur als Sicherung im Falle eines Sturzes. Ansonsten klettert man frei den Klettersteig hoch. Als Kletterhilfe stehen nur das Stahlseil, das auch als Sicherung dient, sowie die natürlichen Tritte am Fels als auch künstliche Tritte zu Verfügung. Und so muss man den gesamten Klettersteig bewältigen. Bei der Auswahl des Klettersteigs darf man daher einen Sturz nicht unterschätzen. Ein Sturz am Klettersteig führt trotz Sicherung meist zu erheblichen Verletzungen. Nach einem Sturz ist man in der Regel auf fremde Hilfe angewiesen.
Bei vielen Klettersteigen gibt es die Möglichkeit, schwierige Stellen zu umgehen. Es werden alternative Routen angeboten. Das ist sehr hilfreich, wenn man doch im Angesicht der Herausforderung „weiche Knie“ bekommt. Ich habe bei meiner Tour zwar die schwierigen Stellen versucht, aber dann doch den Rückzug angetreten und die Alternativroute gewählt. Bei dem Klettersteig gab es zusätzlich Notausstiege, so dass man auch den kompletten Rückzug antreten konnte.  

Welche Ausrüstung brauche ich?  
Für eine Klettersteigtour benötigt man folgende Ausrüstung: Klettersteigset, Sitzgurt, Handschuhe und Steinschlaghelm.
In den Sitzgurt schlüpft man im Grunde wie in eine Hose rein. Am Sitzgurt wird dann das Klettersteigset befestigt. Das ist die Lebensversicherung. Das Set hat zwei Karabiner, die immer am Sicherungsseil des Klettersteigs eingehakt sein müssen. Darüber hinaus hat das Klettersteigset einen sogenannten Bandfalldämpfer. Im Falle eines Sturzes reißt dieser auf und fängt die Stoßkraft des Sturzes ab, um schwere Verletzungen zu vermeiden. Die Handschuhe benötigt man, da die Stahlseile oft scharfe Kanten haben und Verletzungsgefahr besteht. Der Steinschlaghelm schützt, wie der Name schon sagt, vor Steinschlag, der auf natürliche Weise am Berg entsteht oder durch vorauskletternde Menschen. Bei längeren Touren sollte man noch eine Bandschlinge mit Karabiner dabeihaben. Mit der Bandschlinge kann man sich am Sicherungsseil z.B. für eine Pause sichern.
Darüber hinaus Essen und Trinken nicht vergessen sowie das Smartphone für Notfälle.

Mein Fazit zur Klettersteigtour
Wenn man seine Tour geplant und gut vorbereitet angeht, ist eine Klettersteigtour ein unvergesslich schönes Erlebnis. Es macht Lust auf mehr. Neben dem Naturerlebnis erfährt man auch so einiges über sich selbst. Durch die ständige Konzentration auf das Klettern vergisst man Termine, Stress und Sorgen. Also ideal, wenn man mal abschalten will.  

Weiterführende Links:

Informationen

  • Text: Matthias Kuhlmey
  • Foto: Matthias Kuhlmey
  • Datum: 12. Oktober 2021
  • Kategorie: Sport Ratgeber