Filme schauen, aber richtig

Freitag. 20.15 Uhr. Es regnet draußen und die Strapazen der Arbeit sind beinahe vergessen. Das Wochenende steht an. Die Erasco-Dosensuppe auf dem Herd riecht köstlich und die eiskalte Cola steht erwartungsvoll auf dem Tisch. Das ist der Moment. Der Augenblick, für den sie geboren wurden, in dem sie zuschlagen.

Blockbuster!

An Tagen, die uns alles abverlangen und die uns den schönsten Feierabend bescheren, den wir uns vorstellen können, schlägt ihre Stunde. In jenem rauschartigen Zustand des Betäubens, in dem wir unsere Ansprüche auf intellektuelle Unterhaltung in den Rückwärtsgang schalten, ist ein Film der Klasse "Joa, war gut" gerade das Richtige für "uns".

Ärgerlich für Arthousekenner und Filmliebhaber, die besagte Werke als das genaue Gegenteil von "gut" identifizieren. Denn sie laufen nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch im Kinosaal den wahren Kunstschaffenden ihren wohlverdienten Rang ab. So die Meinung der inoffiziellen Experten. Sie ziehen bei diesem Trend nicht mit, entziehen sich dem “uns” und werden Teil einer Konsumgruppe, die durch eine, den meisten fremde, Kraftanstrengung ein neues Level des Genusses erreicht.

"Ein torfiger Whiskey schmeckt zunächst feurig lehmig, doch entfaltet sich der wahre Geschmack erst, wenn man ihn versteht."

So verhält es sich auch mit Filmen. Denn konzentriert man sich auf anspruchsvolle Werke und widmet seine ungeteilte Aufmerksamkeit den Filmschaffenden, erlebt man, was Drehbuchautor/in und Regisseur/in sich zum Ziel gemacht haben. Der Film spricht zu einem.

Was ist das Ziel, wenn man Film konsumiert? Ist es, etwas daraus zu lernen? Philosophische Gedanken zu haben? Das Bild genießen? Wann ist ein Film gut?

Folgt man obigem Text, ist die Aufmerksamkeit beim Filmeschauen von großer Bedeutung. Mitdenken ist notwendig. Und das ist nur möglich, wenn man es wagt, das Schauen eines Filmes wie “Arbeit” zu betrachten. Man muss voll dabei sein. Und das empfinden viele als zu anstrengend. Arbeit eben.

Man kann sich davon lösen. Und wenn jemand das erstmal tut, ist es auch keine Arbeit mehr. Ganz im Gegenteil. Man kann den Film sogar besser genießen. Die Erkenntnis war das Beste, was mir in Sachen Film passieren konnte. Ich weiß, es ist schwer, wenn man erstmal in seiner Gewohnheit gefangen ist. Aber die Debatte, auch unter dem Gesichtspunkt "Handy im Kino" dauert schon seit längerer Zeit an und ist für mich der Inbegriff der Problematik "Erfolg schlechter Filme". Seine Aufmerksamkeit den Werken zu schenken ist essenziell für das Verständnis dieser. Die Filmliebenden haben schon vor langer Zeit festgestellt, dass ein Film gut ist, wenn man etwas daraus lernen kann. Spaß am Film und der Handlung ist natürlich auch wichtig, aber nur sekundär. Die Aussage der Macher/innen verstehen, das ist es, was einen schließlich von einem Film wahrlich zehren lässt.

Wer seine Wahrnehmung über den Film ändern will, sollte auch Kritiken von Liebhabern lesen oder anschauen. Seine Ansichten zu vergleichen kann dazu beitragen, ein Gespür für den Wert eines Werkes zu bekommen.

Quelle:

Informationen

  • Text: Felix Bender
  • Foto: Felix Bender
  • Datum: 17. Oktober 2021
  • Kategorie: Kultur Kommentar