Was steckt hinter der Bühnenshow im Karneval?

Die Karnevalszeit steht bevor. Hier spaltet sich die Gesellschaft wie bei so vielem, in zwei Gruppen: Die einen planen seit November ihr Karnevalskostüm, erstellen endlose Playlists mit verrückten Karnevalsliedern, probieren sämtliche Getränke zum Feiern und können es kaum erwarten, in die Karnevalszeit zu starten.

Und dann gibt es da noch die anderen, diejenigen die es sich über die Karnevalstage zuhause gemütlich machen und mit all dem Jubel und Trubel nichts zu tun haben wollen. Doch für viele beginnt in der Karnevalszeit auch etwas anderes, und zwar die Tanzsession. Bei Karneval und dem Dazugehörigen Tanzsport denkt man schnell an die Tanzmariechen und die dazugehörigen bunten Kostüme, denn sämtliche Tanzgruppen arbeiten das ganze Jahr über an einem Tanz, welchen sie an Karneval endlich aufführen können. Doch wie sieht das aus?

Erstmal unterscheidet man zwischen vielen verschiedenen Tanzarten, welche natürlich auch alle unterschiedliche Anforderungen haben. Beim Showtanz steht das Tanzen auf der Bühne im Vordergrund. Ein Auftritt dauert dabei pro Tanzgruppe circa 10 bis 15 Minuten. Hinter diesen 15 Minuten steckt ein Jahr Arbeit.

Für viele, die nur das Endergebnis kennen, sieht das Einstudieren der Show unmöglich aus. Tatsächlich steckt hier ein Konzept dahinter, und zwar werden meist zu jedem Musikabschnitt eigene Choreographien gemacht, die bis zu einer Hebefigur gehen. Wenn man davon ausgeht, dass man zweimal die Woche Training hat, und das ist das Minimum für einen Showtanz, kann man in einer Woche, also zweimal Training, eine Choreographie schaffen. Die Schritte sind auf Takte abgepasst, diese werden als erstes in Kombination mit den schritten beigebracht. Dann folgt das Tanzen zur Musik. Die Grundlage wird also beim Training beigebracht, geübt werden muss aber privat.

Genauso, wie man die einzelnen Choreographien lernen muss, muss man auch die dazu gehörigen Hebefiguren üben. Die Hebefiguren sind genau wie die Tanzschritte durchgezählt. Hier gibt’s auch wieder verschiedene Aufgaben die Aufeinander abgestimmt sind. Man weiß also, auf welchen Takt man aufbauen, stehen und abbauen muss. Es gibt viele verschiedene Hebefiguren. Meistens kommen diese jedoch alle aus dem Cheerleading. Eine klassische Hebefigur ist zum Beispiel der "Elevator". Hier gibt es 2 Bases*. Die stellen das Grundgerüst dar, dann gibt es den Back, der von hinten festhält und den Front, der von vorne festhält. Der Flyer ist dann derjenige, der sich auf die Arme der Bases stellt. Gibt es mehrere von diesen Elevator-Gruppen, kann man diese zu einem Gesamtbild verbinden und zum Beispiel in Höhen variieren. Da steckt aber viel Arbeit hinter, denn schließlich soll auf der Bühne alles in kurzer Zeit auf- und abgebaut sein, um wieder weiter in die nächste Choreographie zu gehen.

Um diese Hebefiguren zu lernen, trifft man sich oft am Wochenende in klassischen Turnhallen und übt erstmal auf Matten, denn ganz ungefährlich ist es nicht, Menschen aufeinander aufzubauen. Damit niemand verletzt wird, muss also ausreichend geübt werden. Auch das Vertrauen, sich in die Luft werfen zu lassen, spielt hier eine große Rolle.

Wenn die Choreographien nun sitzen, beginnt man Stück für Stück Hebefiguren und Tanzsequenzen zusammenzusetzten und passend zur Musik zu üben. Das wird solange gemacht, bis der ganze Tanz steht. Dann bleibt so gerade noch Zeit, alles zu perfektionieren und weiter an allem zu feilen, bis am 11.11. dann endlich die Session beginnt.

Aufgeführt wird der fertige Tanz auf Karnevalssitzungen und/oder Garde-und Showtanztreffen von vielen verschiedenen Vereinen und Tanzgruppen. Show Dance entstand in der Satire der 1920er Jahre, eine Aufführung, die Tanz, Kunst und Musik mit reichhaltiger Ausstattung (Kostüme, Bühnenbild und Accessoires) kombiniert. In Operetten und Musicals fungiert die Tanzaufführung als Zwischenspiel, das Handlungsstränge locker verbindet. Im Gegensatz zum Latein- und Standardtanz gibt es beim Performancetanz keine genaue Definition. Es ist stilistisch nicht gebunden, hat einen unterhaltsamen und musikalisch ansprechenden Charakter und wird daher gerne zu populärer Musik getanzt.

Der Tanz von damals hat jedoch wenig mit der Disziplin der Tanzbewegung von heute zu tun. Die Umsetzung obliegt der Gruppe selbst. Diese Freiheit bedeutet, dass das Aufführen von Tanz Jahr für Jahr ein großes Überraschungs- und Abwechslungspotenzial auf der Bühne von Karneval und Meisterschaften bietet. Beim Showtanz zählt die Verbindung zwischen Choreographie, Musik und Kostümen. Diese müssen eine Harmonie bilden, die den Zuschauer in seinen Bann zieht. Die Umsetzung erfordert von den Tänzerinnen und Tänzern Konzentration, Ausdauer, Beweglichkeit und Sinn für Ästhetik.

*Bases: Zwei sich gegenüberstehende Personen welche zu zweit die Füße der Person die hochgehoben wird vor der Brust halten

Quelle:

Informationen

  • Text: Joana Kolonko
  • Foto: Claudia Kolonko
  • Datum: 10. März 2022
  • Kategorie: Kultur