Schmetterlingseffekt - Wenn aus einem Flügelschlag ein Sturm wird

Jeden Tag treffen wir unbewusst oder auch bewusst kleine, alltägliche Entscheidungen. So konstruiert sich jeder Tag im Leben aus Handlungen, die sich aus vorangegangenen Handlungen ergeben: Eine kausale Dynamik eben. Doch kennt ihr das auch, wenn nahezu unscheinbare Taten zu großen, schwerwiegenden Änderungen im Leben führen? Nennt man dies Schicksal? Dieses Phänomen wird als Schmetterlingseffekt bezeichnet.

Normalerweise sind unsere Aktionen und die daraus erwirkten Reaktionen vorhersehbar. Zumindest stellt dies ein einfaches Denkmodell dar: Ich werfe einen Stein in einen See und es entstehen Wasserschwingungen. Doch was passiert, wenn aus diesem einfachen Steinwurf in zeitlichem Abstand ein wuchernder Waldbrand erwächst? Das ist zwar sehr überspitzt beschrieben, doch der Schmetterlingseffekt wird hier deutlich. Dieser scheinbar lineare Prozess von der Handlung des Steinwerfens zur Wirkung der Schwingungen gleicht einer absehbaren Ordnung. Diese Ordnung kann aber aus dem Gleichgewicht kommen, ausufern und zu bedeutenden Auswirkungen führen, die nicht absehbar sind: Dieser Prozess hat also keine Ordnung.

Doch warum wird dieses Phänomen mit dem Schmetterling symbolisiert? Diese Redewendung geht auf den Meteorologen Edward Lorenz zurück: „a butterfly flapping its wings in Brazil can produce a tornado in Texas.“1 Lorenz spielt hier auf die Unauffälligkeit des Flügelschlags von Schmetterlingen an, die in einer natürlichen Bewegung einen nicht wahrzunehmenden Windstoß auslösen. Dennoch setzt er das Flattern des Schmetterlings in Verbindung mit einem zerstörerischen Luftwirbel, welcher weit weg von diesem stattfindet. Dieser kausale Vorgang erscheint paradox, doch der Weg vom Flügelschlag hin zum Tornado ist nicht so wichtig. Die Faszination hinter diesem Phänomen ist das Entscheidende: Besonders, da der Schmetterlingseffekt nicht nur auf wissenschaftliche oder soziologische Disziplinen bezogen werden kann, sondern auf das Leben an sich.

Man kann bestimmt bei folgendem Beispielszenario von Schicksal sprechen: Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit entscheidet man sich spontan einen anderen Weg zu gehen als sonst und trifft auf diesem Weg die seelenverwandte Person. Diese Beispiele gibt es zahlreich in unterschiedlichem Ausmaß, in denen simple Entscheidungen oder Einflüsse zu immensen Veränderungen im Lebensverlauf führen. Ob dahingehend eine höhere Macht im Spiel ist, wie das Schicksal, die den Lebensweg beeinflusst oder gewisse Entscheidungen lenkt, kann diskutiert werden. Doch Schmetterlingseffekte sind allgegenwärtig und das ist vielleicht auch das Spannende im Leben: Sie sind unvorhersehbar. Niemand weiß, welche Veränderungen zu erwarten sind oder welche kleinen Entschlüsse auf das Leben nachhaltig Einfluss ausüben. Dies ist nicht zu berechnen und macht unser Dasein chaotisch. Selbstverständlich können Schmetterlingseffekte nicht hinter jeder Ecke erwartet werden und häufig erwachsen auch daraus Ungemütlichkeiten oder Schicksalsschläge. Jedoch ist es aufregend Gedankenspiele anzustellen, was passiert wäre, wenn man jene Entscheidung anders getroffen hätte. Ganz nach dem Motto: Was wäre wenn…?

Quelle: www.bbvaopenmind.com/en/science/leading-figures/when-lorenz-discovered-the-butterfly-effect/

Informationen

  • Text: Simon Kenfenheuer
  • Foto: Simon Kenfenheuer
  • Datum: 13. Juni 2022
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