Alaska im Winter: Warum ein Urlaub in verlassene Gebiete heilsam wirkt

Was sind wohl die ersten Schlagworte, wenn man an den Winter in Alaska denkt? Kälte, Einsamkeit, Finsternis! Das klingt erst einmal nicht besonders verlockend, geschweige denn für Urlauber attraktiv. Alyeska, das große Land, wie es von den Einheimischen genannt wird, hat sicherlich viel im Sommer zu bieten. Aber im Winter eine Reise antreten? Dies kann eine atemberaubende Wirkung haben. Warum ist eine Winterreise in verlassene Gebiete so empfehlenswert?

Die ersten Eindrücke, wenn man dieses Land betritt, sind überwältigend. Man fühlt sich erschlagen von den hünenhaften Gebirgsmauern und dicker Schnee hat sich omnipräsent ausgebreitet. Und als Besucher beschleicht einen leicht das Gefühl, dass man ein Niemandsland betritt. Es ist schon sehr interessant: Die größte Stadt Alaskas, Anchorage, hat 300.000 Einwohner, ähnlich viele wie Bonn. Sie ist vielleicht noch ein bisschen kleiner und dennoch trotz der Zahlenähnlichkeit nicht von der Atmosphäre her zu vergleichen. Berufsverkehr in Bonn ist stressig, voll von Trubel, fast schon erdrückend. Die Autos, die in der Rush-Hour durch Anchorage düsen, können dagegen an einer Hand abgezählt werden. Es herrscht Stille! Eine ungewöhnliche Stille, die man vorher noch nie erfahren hat. Kein Massentourismus stört sie, nicht einmal lautes Hupen schreckt irgendjemanden in dieser in einen Rausch setzenden Stille auf. Sofort erfährt man eine innerliche Ruhe, ein In-sich-kehren. Der Blick auf den langsam fallenden Schnee und die riesigen Gebirge wirkt nun entspannend. Man hat das Gefühl, sich befreit zu haben.

Morgens wird der Wetterbericht angemacht. Jeder Bericht vermeldet etwas Unterschiedliches für den Tag. Sonne, Regen, Schnee. Es trat immer anders ein, als es der Bericht vorhergesagt hat. Der Mensch hat diese Wildnis nicht unter Kontrolle, sie ist ungezähmt und unberechenbar. Diese Natur hat sich der Mensch noch nicht gefügig gemacht: Ein wüstes, freies Land. Es hat etwas Spannendes an sich in einer Winterlandschaft zu streifen und sich wie ein Pionier zu fühlen, ohne belästigt zu werden in diesem großen, unbezwungenen Land. Hier ist man nur Gast, nicht Überwältiger, und es dauert nicht lange, bis ein reiner Geisteszustand erreicht wird.

Sicherlich! Mit dem starken Wind und der Kälte kokettieren nicht alle Urlauber. Manchmal fragt man sich: Was mache ich hier? Oder man gelangt zu der Feststellung: Hier gehöre ich nicht her! Doch vielleicht ist dies doch das Aufregende, wenn man an das Ende der Welt reist zu einer Jahreszeit, die es eigentlich verbietet. Man entdeckt sich wieder, findet Ruhe, genießt die Auszeit in einer unberührten, unbefleckten Natur, wird Eins mit ihr.

Raus aus den Fängen des Alltags und rein in den Massentourismus am Strand in Spanien oder zu den riesigen Skigebieten, wie zum Beispiel in Ischgl? Das Ziel der Entspannung kann leicht durch Stress ersetzt werden und das würde sicherlich den Sinn eines Urlaubs verfehlen.

Abseits der Zivilisation und einer marternden Aufregung bietet sich die Möglichkeit, neue Kraft zu tanken vor einem wunderschönen, unberührten Gemälde der Natur. Ganz nach dem Motto: Einmal kräftig durchatmen! Zudem kann auch im Winter Aufregendes erlebt werden: Husky-Schlitten fahren, Gletscherwanderungen und Nordlichtbesichtigungen. Die dortige Einsamkeit ist ein Phänomen: Nicht störend, sondern reinigend!

Dies ist ein Vorschlag, eine Alternative zum Massentourismus und eine Überlegung für diejenigen, die im Urlaub Ruhe benötigen und dennoch etwas erleben wollen. So, wie Mark Twain schon sagte: „Verlasse den sicheren Hafen. Lass den Passatwind in Deine Segel wehen. Erforsche, Träume, Entdecke.“1

1: www.sensorgrafie.de/zitate/mark-twain

Informationen

  • Text: Simon Kenfenheuer
  • Foto: Simon Kenfenheuer
  • Datum: 28. August 2022
  • Kategorie: Kultur Kommentar