Das besondere Konzept von Barrierefreiheit des LVR-Landesmuseums Bonn

Mal eben ins Kino, Theater, Museum gehen? Was für Nicht-Behinderte selbstverständlich ist, ist es für Menschen mit Behinderung noch lange nicht!

Mal eben ins Kino, Theater, Museum gehen? Was für Nicht-Behinderte selbstverständlich ist, ist es für Menschen mit Behinderung noch lange nicht! Hier können Bewegungs-, Kognitions- und/oder Sinneseinschränkungen vorliegen, die den Zugang zu kulturellen Einrichtungen erschweren oder verhindern.

Aber auch Nicht-Behinderte können solche Einschränkungen im Laufe ihres Lebens erfahren oder sie sind mit Menschen mit Behinderung befreundet. Ob kulturelle Veranstaltungen allen zugänglich sind, geht uns alle an. Wie das LVR- Landesmuseum Bonn mit dieser Herausforderung umgeht, soll im Folgenden skizziert werden. Hier wollen wir wichtige Fragen zum Konzept der Barrierefreiheit des LVR-Landesmuseums Bonn beantworten.

Wie kam der LVR dazu, sein Landesmuseum besonders barrierefrei
zu gestalten?

Der LVR ist der größte Träger für Hilfen für Menschen mit Behinderung. Daraus ergab sich, laut Aussage von Frau Dr. Segbers, für den LVR der Anspruch seine 20 Museen besonders barrierefrei zu gestalten1.

Wie wird dies im Landesmuseum umgesetzt?

Die Türen sind sehr breit. Wo sich etwas nicht ebenerdig erreichen lässt, werden Aufzüge eingesetzt. Alle Exponate sind gut, hell und blendfrei ausgeleuchtet. Die Informationen liegen zusätzlich in Braille-. Prismen-, Reliefschrift und leichter Sprache vor. Sie lassen sich ertasten. Es gibt Taststationen (in der Bildcollage unten links sieht man eine Taststation, bei der Überschriften zusätzlich in Braille-Schrift angegeben werden; Gegenstände können angefasst und zu sich herangezogen werden – was für Rollstuhlfahrer eventuell wichtig ist).

Ein hoher Kontrast zwischen Ausstellungsstücken und Umgebung ist grundsätzlich gegeben. Besonders auffällig ist ein durchgehendes Bodenleitsystem (die anderen Bildausschnitte zeigen Varianten des Bodenleitsystems), was sich hervorragend in die bauhausinspirierte Architektur des Museums einfügt. Die im Foto abgebildeten, durchgehenden Markierungen lassen sich mit den Füßen ertasten. Sämtliche Tische sind mit einem Rollstuhl leicht unterfahrbar2. Es gibt spezielle Führungen für Menschen mit Behinderung.

Die Ausstellungen werden durch einen Mediaguide begleitet. Dieser liegt auch in Deutscher Gebärdensprache (DGS) und leichter Sprache vor. Der besondere Clou ist hier, dass sich dieser Mediaguide für Smartphone ganz offiziell und kostenlos auch über einen Browser von zu Hause abrufen lässt3.

Wird der Anspruch des LVR-Landesmuseums erfüllt?

Größtenteils. Ein Wermutstropfen hier ist noch, dass diese Form der Barrierefreiheit nur für die aktuellste Ausstellung über den Neandertaler (im Erdgeschoss) im vollen Umfang gilt. Alle anderen Ausstellungen waren oder sind weitestgehend nicht barrierefrei. Das Konzept ist momentan ausschließlich im Erdgeschoss verwirklicht. Ein optischer Alarm für Gehörlose fehlt (noch) und für die Speisekarten im Museumsrestaurant ist dieses Konzept der Barrierefreiheit auch noch nicht umgesetzt.

Bei der Landesausstellung: „Leben am Limes“ wurden z. B. nur große Überschriften als Tastschrift realisiert. Jetzt sollen aber nach und nach alle Ausstellungen barrierefrei gestaltet werden. Momentan befindet sich das LVR-Landesmuseum Bonn in einer Umbauphase. Diese wird in einigen Jahren abgeschlossen sein. Dann gibt es eine Umsetzung dieses Konzepts auf jeder der vier Etagen. Wo das Konzept verwirklicht ist, ist die Umsetzung großartig!

Wer nicht auf Gebärden- oder leichte Sprache angewiesen ist, kann schon heute Mediaguides für jede Ausstellung genießen und zwar in Deutsch und feinstem BBC-Englisch3.

Was muss ich beachten, wenn ich eine Führung für Menschen mit Behinderung buchen will?

Zunächst einmal gelten dieselben Bedingungen wie für alle anderen Führungen auch, allerdings ist eine Vorabanmeldung notwendig. Bei Führungen mit Gebärdendolmetschung muss diese über einen Monat vorher bei Kulturinfo Rheinland telefonisch (Tel.: 02234 9921555) und per Formular (https://bit.ly/3an4sa6) angemeldet werden. Führungen in leichter Sprache – sogar die Informationen hierzu sind in leichter Sprache angegeben – sind nicht strikt auf 10 Personen beschränkt (anders als auf der Webseite angegeben2). Dies ist nur ein guter Richtwert. Wenn die Struktur der Gruppe dies zulässt, kann nach Absprache mit den Mitarbeiter:innen eine größere Gruppe von Personen mit kognitiven Einschränkungen in den Genuss einer Führung mit leichter Sprache kommen4. Führungen für Menschen mit Behinderung können theoretisch auch für einen Zeitraum von 60 Minuten gebucht werden, laut einer Mail von Frau Dr. Segbers hat sich dies nun nicht als praktikabel erwiesen. Die Wege seien zu lang und die Objekte zu zahlreich5.

Zum Schluss noch ein paar wichtige Informationen für einen Besuch

Das LVR-Landesmuseum Bonn in der Colmantstraße 14-16 liegt 500 m vom Hauptbahnhof Bonn entfernt und ist von Dienstag-Sonntag von 11:00-18:00 Uhr an ca. 308 Tagen im Jahr geöffnet. Für Menschen, die Leistungen vom LVR erhalten und einen entsprechenden Ausweis vorweisen können sowie für Geflüchtete ist der Eintritt frei. Der Eintritt in die Dauerausstellung ist seit dem 1.2.2022 kostenlos. Führungen müssen grundsätzlich bezahlt werden. Der Gruppenpreis für eine Führung von 60 Minuten liegt bei 60 Euro und für 90 Minuten bei 80 Euro. Für Gruppen von 10 Personen und mehr reduziert sich der Gruppenpreis auf 75 Euro, d. h. 7,50 Euro pro Person. Die Kosten für Gebärdendolmetscher:innen werden vom LVR gestellt. Wenn Ihr Museumsenthusiast:innen seid, könnt Ihr mit der Jahreskarte (30 Euro/Einzelperson, 40 Euro/Paar) 13 Museen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) und 17 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) besuchen. Bei Sonderausstellungen wird hier ein Aufschlag von 4 Euro erhoben. Ein Tagesticket kostet 10 Euro (ermäßigt 7,50 Euro).

Quellen:

  1. Interview mit Dr. Anne Segbers, Referentin für Bildung und Vermittlung, Referentin für Inklusion am 1. Juni 2022 im LVR–Landesmuseum Bonn
  2. LVR-Landesmuseum Bonn: https://bit.ly/3NR5g5w 
    Prüfbericht (Kurzfassung)
  3. Internetseite des LVR zu Mediaguides: https://bit.ly/3MfqsAS
    Zwischendurch schien die Internetversion der Sonderausstellung „Leben am Limes“ mit Vorträgen des Kurators Prof. Dr. Michael Schmauder mal herausgenommen worden zu sein, aber jetzt ist sie wieder drin (zumindest von diesem Link aus; für die Aktualität der Links übernehmen wir keine Garantie).
  4.  Telefonat mit Referat für Inklusion des LVR-Landesmuseums Bonn
  5. E-Mail von Frau Dr.  Segbers vom 8. Juni 2022: „[...] wir geben bei inklusiven Führungen die 90 Minuten an, da wir festgestellt haben, dass sowohl bei Tastführungen für blinde Menschen, als auch bei DGS-Führungen, als auch bei Führungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen 60 Minuten einfach nicht ausreichen, da in unserem Museum die Inhalte sehr zahlreich und die Wege weit sind. Auf Wunsch können aber natürlich auch die 60 Minuten gebucht werden [...]“.

Informationen

  • Text: Bernd König
  • Foto: Bernd König
  • Datum: 12. September 2022
  • Kategorie: